
© Foto: von Dennis Gecaj auf Unsplash
Vor wenigen Wochen lag der Kurs der Airline noch bei rund 7 Euro. Jetzt steht die Lufthansa-Aktie kurz vor der 10-Euro-Marke. Was steckt hinter dem rasanten Anstieg und ist da noch Luft nach oben, oder droht jetzt erst mal eine Verschnaufpause? Zwischen sinkenden Ölpreisen, einem möglichen Iran-Deal, biometrischem Check-In und einem Bonitäts-Ritterschlag von Fitch gibt es gleich mehrere Gründe für die gute Stimmung. Doch ein Blick auf den RSI zeigt, dass die Aktie technisch ziemlich heiß gelaufen ist. Wir schauen auf Zahlen, Chart und News und sagen, worauf Anleger jetzt achten sollten.
Kursrally mit vielen Treibern
Die Lufthansa-Aktie hat in den letzten Wochen richtig gut performt. Noch vor kurzem dümpelte der Kurs bei etwa 7 Euro herum, jetzt kratzt das Papier schon an der 10-Euro-Marke, bzw. ist kurz davor. Ein kräftiges Kursplus in nur wenigen Wochen, das lässt aufhorchen.
Mehrere Faktoren spielen der Airline aktuell in die Karten. Die Entspannung im Nahost-Konflikt und ein möglicher Iran-Deal drücken die Ölpreise nach unten, was die Kerosinkosten spürbar entlastet. Dazu kommt politischer Rückenwind: Der Bundestag hat den Weg für biometrischen Check-In an Flughäfen frei gemacht, wovon Lufthansa als Vorreiter direkt profitieren dürfte. Auch die Ratingagentur Fitch bestätigte zuletzt die Bonität mit "BBB-" und stabilem Ausblick. Gleichzeitig baut der Konzern sein Cargo-Geschäft mit einem neuen Hochregallager in Frankfurt kräftig aus.
Aber nicht nur gute Nachrichten
Nicht alles läuft rund, denn z. B. reduzierte BlackRock zuletzt seinen Anteil leicht und auch die Einstellung der Tochter Cityline könnte zum Ferienstart für weniger Passagiere in Frankfurt sorgen. Die Analysten bleiben unterdessen gespalten. Während die Deutsche Bank und J.P. Morgan bei "Hold" beziehungsweise "Neutral" verharren, sieht Bernstein mit "Market-Perform" und einem Kursziel von 7,90 Euro deutlich tiefere Kurse als gerechtfertigt an. Das ist eher nicht positiv zu werten, denn die Aktie liegt schon auf deutlich höherem Niveau. Oder die Analysten sind zu langsam und passen erst in den kommenden Wochen ihre Meinung an die neuen Gegebenheiten an.

Charttechnik
Charttechnisch sieht die Sache jetzt spannend aus, denn der Ausbruch über die 8,70-Euro-Marke Mitte Juni hat ein klares Kaufsignal geliefert und den Weg zum Jahreshoch bei 9,59 Euro sowie zur Hürde bei 9,95 bis 10,00 Euro freigemacht. Mittlerweile versucht der Kurs genau an dieser Hürde heranzulaufen, bzw. ist kurz davor daran zu kratzen. Ein Tagesschlusskurs über 10 Euro würde weiteres Potenzial bis zum 2023er-Hoch bei knapp über 11 Euro eröffnen.
Allerdings: Der RSI liegt bei rund 75 und signalisiert damit eine deutliche Überhitzung. Das muss kein Warnsignal für den großen Trend sein, spricht aber für eine Konsolidierungsphase, bevor es nachhaltig über die 10-Euro-Marke geht. Pullbacks wären in dieser Phase daher völlig normal und würden das positive Chartbild nicht eintrüben.
Was tun?
Die fundamentale Lage hat sich zuletzt verbessert: sinkende Treibstoffkosten, ein bestätigtes Investment-Grade-Rating und ein wachsendes Cargo-Geschäft sprechen für Lufthansa. Die jüngsten Quartalszahlen mit einem Verlust von 0,55 Euro pro Aktie lagen zwar unter den Erwartungen, wurden vom Markt aber erstaunlich gelassen aufgenommen. Die Aktie legte danach sogar zu. Charttechnisch bleibt der Trend intakt, auch wenn der überkaufte RSI für eine Pause spricht.
Für Anleger, die jetzt einsteigen möchten, könnte sich ein Rücksetzer in Richtung 8,70 Euro als günstigerer Einstiegspunkt anbieten, abgesichert mit einem Stopp bei etwa 8,20 Euro. Als Kursziel käme dann der Bereich von 10,50 bis 11 Euro in Betracht. Wer bereits investiert ist, kann angesichts der intakten Story und der vielen positiven Nachrichten erst einmal gelassen bleiben, auch wenn kurzfristig nicht alles nur geradeaus nach oben gehen muss.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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