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Explodierende Speicherpreise, Margensorgen im Fahrzeugsegment und ein schwacher Trend haben die Xiaomi-Aktie in die Knie gezwungen. Inzwischen ist der Ausverkauf extrem.
Xiaomi enttäuscht 2026 auf ganzer Linie
Mit zu den größten Enttäuschungen in der ersten Hälfte eines ansonsten erfolgreichen Börsenjahres gehört die Aktie von Xiaomi. Auf über 40 Prozent belaufen sich hier seit dem Jahreswechsel die Verluste. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr hat das Papier sogar über 60 Prozent an Wert verloren.
Das Unternehmen hat gleich mit einer ganzen Reihe an Problemen zu kämpfen. Zwar sind die vielseitigen Produkte des chinesischen Hardwareherstellers bei Verbraucherinnen und Verbrauchern gefragt, doch die kämpfen weltweit unverändert mit hohen Lebenshaltungskosten, das dämpft die Nachfrage.
Gleichzeitig sinken die Produktmargen, da der KI-Boom die Preise für Komponenten wie Speicherchips explodieren lässt. Aufgrund seines Einstiegs in das ebenfalls zunehmend margenschwache E-Fahrzeuggeschäft, wo man es künftig mit BYD und Tesla aufnehmen will, ist Xiaomi aber eigentlich auf robuste Einnahmen aus seinem Kerngeschäft angewiesen - eine äußerst schwierig zu bewältigende Ausgangslage.
Angesichts dieser Vielzahl von Problemen ist die Aktie in den vergangenen Wochen in den freien Fall übergangen. Das hat, wie der Blick in den Chart zeigt, sogar zu technischen Extremen geführt:

Quelle: TradingView.com | Xiaomi
Langfristiger Aufwärtstrend nach Crash Geschichte
Vom im Herbst 2022 gestarteten Aufwärtstrend ist bei der Xiaomi-Aktie inzwischen nichts mehr zu sehen. Auf über zwei Drittel beläuft sich der Wertverlust gegenüber den noch im vergangenen Jahr erzielten Rekordnotierungen. Vor allem der inzwischen große Abstand zu den Durchschnittslinien, in denen es bereits im November zu einem Death Cross gekommen war, demonstriert die hohe Verkaufsdynamik der Anteile in den vergangenen Monaten.
Die hat sich nach dem Unterschreiten der Unterstützungszone im Bereich von 29 Hongkong-Dollar (HKD; 3,24 Euro) zuletzt noch einmal dramatisch beschleunigt. Allein in den vergangenen 4 Wochen hat Xiaomi 20 Prozent eingebüßt, vor allem nach Berichten über einen Einbruch der weltweiten Smartphone-Verkaufszahlen sowie über Preiserhöhungen bei Apple. Auf die wird Xiaomi entweder mit eigenen Preiserhöhungen reagieren (und das Risiko von Marktanteilsverlusten hinnehmen) oder eine Margenerosion in Kauf nehmen müssen.
Extrem überverkauft, aber vorerst wenig Erholungschancen
Der hartnäckige Abwärtstrend der Aktie wurde begleitet von fallenden technischen Indikatoren. Das hat nicht nur für zusätzliche Verkaufsdynamik, sondern auch für die Nachhaltigkeit der Verkäufe gesorgt, denn bislang ist die Entwicklung der Indikatoren Hand in Hand gegangen mit der Kursentwicklung. Bullishe Divergenzen, welche eine Kehrtwende anzeigen könnten, liegen bislang keine vor.
Inzwischen ist die Ausdehnung der Korrektur mit Blick auf den RSI aber im Extrembereich angelangt. Der notiert zwar bereits seit rund einem Monat unter dem Schwellenwert von 30, welcher einen fortgeschrittenen Abwärtstrend anzeigt, in der vergangenen Woche ist er jedoch sogar unter 20 gefallen. Das entspricht dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren und passt zum Mehrjahrestief der Aktie, die infolge dieses neuen Verkaufssignals weiter in Richtung der Unterstützung bei 20 HKD (2,24 Euro) fallen dürfte.
Dreht die Aktie, ist das kurzfristige Potenzial groß
Dort allerdings besteht die Chance auf eine Bodenbildung mit anschließender Gegenbewegung, denn viel Platz nach unten lässt der RSI inzwischen nicht mehr. Das gilt auch mit Blick auf den Wochen-RSI, der ebenfalls im niedrigen 20er-Bereich angelangt ist, was zeigt, dass Xiaomi nicht nur auf kürzeren, sondern auch auf mittelfristigen Zeitebenen stark überverkauft ist.
Das stärkt die Chancen auf eine Gegenbewegung, auch wenn der Chart eine solche bislang nicht auf den ersten Blick erkennen lässt. Dabei ist das Anstiegspotenzial kräftig. Eine korrektive Erholung (also ohne nachhaltige Trendwende) bis in den Bereich von 29 HKD bedeutet zum aktuellen Zeitpunkt eine Upside von fast 35 Prozent - eine aussichtsreiche Möglichkeit für mutige Antizyklikerinnen und Antizykliker.
Fazit: Verfahrene Situation mit einem Hoffnungsschimmer
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht laut MarketScreener für 2026 ein KGVe von 18,4 zu Buche, das soll bis 2027 auf 11,6 sinken. Genau diese Schätzungen sind angesichts der explodierenden Speicherpreise jedoch in Zweifel zu ziehen; die tatsächlichen Gewinnvielfache dürften angesichts sinkender Unternehmensgewinne höher liegen. Das macht die auf den ersten Blick vermeintlich günstige Aktie deutlich teurer. Realistisch zu erfüllen sind diese Erwartungen nur, wenn Speicherchips aus chinesischer Fertigung rasch die Marktreife erreichen.
Hier gibt es am Montag eine spannende Entwicklung, denn der Technologie- und Internetriese Tencent hat sich für rund 3 Milliarden US-Dollar Arbeitsspeicher von CXMT gesichert. Sollte das in den kommenden Wochen und Monaten ein neuer Trend werden, könnte die bessere Verfügbarkeit von Speicherchips die Erfüllung der Analystenziele doch wieder in den Bereich des Möglichen rücken. Dann wäre Xiaomi für 2026 attraktiv bewertet, was einer möglichen Erholung der Aktie rasch Rückenwind verleihen könnte.
Gastautor: Max Gross
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