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Bei Volkswagen brennt es lichterloh. Die Vorzugsaktie ist auf ein Niveau gefallen, das selbst das alte Tief von Dezember 2024 unterboten hat. Die Gründe hierfür sind der geplante Stellenabbau, Werksschließungen, China-Sorgen. Die Liste der Belastungen ist lang. Doch ausgerechnet jetzt, wo viele Anleger die Nerven verlieren, könnte sich ein Fenster für ganz Mutige Anleger öffnen. Die Charttechnik zeigt nämlich ein "Warnsignal" in die andere Richtung. Lohnt sich also der Mut zum Einstieg, oder ist das Messer noch am Fallen? Wir ordnen die Lage ein.
Stellenstreichungen
Die Lage bei Volkswagen bleibt angespannt, das lässt sich nicht schönreden. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, vier deutsche Werke stehen offenbar zur Debatte. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bringt nun aber einen interessanten Gedanken ins Spiel: China-Modelle künftig in Deutschland bauen. Das würde Werke auslasten und Jobs sichern, statt sie abzubauen. Ein cleverer Schachzug, der zeigt, dass der Konzern nicht nur kürzt, sondern auch nach vorne denkt.
Spannend ist dabei vor allem, wie offen Lies für Kooperationen mit chinesischen Partnern bleibt. Seit über vier Jahrzehnten ist VW in China aktiv, die Zusammenarbeit mit Entwicklern dort hat dem Konzern schon einmal geholfen, technologisch aufzuholen. Statt sich abzuschotten, will man jetzt offenbar genau diese Stärke nutzen und nach Europa zurückholen. Für die Standorte in Niedersachsen wäre das ein echtes Lebenszeichen. Frische Modelle, neue Auslastung, ein Funken Zuversicht in einer ansonsten tristen Gemengelage.

Charttechnik:
Der Kurs ist zuletzt regelrecht durchgerutscht und hat das bisherige Mehrjahrestief deutlich unterschritten. Das sieht auf den ersten Blick düster aus. Doch jetzt kommt es: Der RSI steht inzwischen schon tief im überverkauften Bereich bei 21 Punkten. Solche Übertreibungen lösen sich an der Börse erfahrungsgemäß irgendwann, meist mit einer Gegenbewegung nach oben auf. Schaut man etwas genauer hin, fällt auf, wie schnell sich die Verluste der letzten Wochen aufgebaut haben. Innerhalb eines Monats ging es zweistellig nach unten, das Tempo war ungewöhnlich hoch. Genau solche steilen Abwärtsbewegungen sind es aber oft, die danach für umso heftigere Gegenbewegungen sorgen können. Bleibt der Bereich um die aktuellen Tiefs stabil, könnte sich daraus eine Bodenbildung entwickeln, auf die viele Trader bereits schielen.
Was tun?
Operativ kämpft VW mit dünnen Margen und sinkendem Absatz, das belastet weiterhin. Die geplanten Maßnahmen zur Restrukturierung könnten aber mittelfristig Substanz schaffen, sollte die Einigung mit der Belegschaft gelingen. Charttechnisch ist die überverkaufte Lage ein Hoffnungsschimmer für mutige Anleger. Wer Geduld mitbringt und Rückschläge verträgt, könnte hier eine spekulative Position wagen mit engem Risikomanagement, denn die Nachrichtenlage bleibt volatil.
Wichtig bleibt der Blick auf die kommenden Termine. Am 9. Juli berät der Aufsichtsrat, kurz danach folgen wichtige Kapitalmarkttermine mit dem Halbjahresbericht. Erst dann zeigt sich, ob aus den aktuellen Plänen tatsächlich ein tragfähiges Konzept wird. Bis dahin bleibt VW ein Fall für Anleger mit starken Nerven, die bereit sind, auf eine Wende zu setzen, statt nur auf die schlechten Nachrichten zu schauen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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