
© Foto: fn Symbolbild
Bei Hensoldt geht es zur Zeit heftig zu, denn während die Aktie des Rüstungselektronik-Spezialisten aus Taufkirchen seit Jahresbeginn kräftig an Wert verloren hat und zuletzt sogar ein neues 52-Wochen-Tief markierte, greifen ausgerechnet die eigenen Vorstände beherzt zu. Gleich mehrfach kauften Oliver Dörre und Inka Tews in den letzten Tagen Aktien ihres Unternehmens, teils auch zu Kursen über dem aktuellen Niveau. Ist das ein Vertrauenssignal oder verpufft der Insider-Kauf einfach im rauen Marktumfeld? Wir schauen genauer hin.
Vorstand kauft zu
Es ist schon auffällig. Erst stürzt die Aktie ab, dann kaufen die Chefs. Oliver Dörre hat allein in den letzten Wochen mehrfach zugeschlagen, mal zu 63 Euro, mal zu fast 70 Euro. Auch Inka Tews griff zu, etwas kleiner dimensioniert, aber genauso konsequent. Unterm Strich steckte der Vorstand mehrere Hunderttausend Euro in die Aktien des eigenen Unternehmens. Ist das möglicherweise ein Zufall, oder ist das ein Statement? Solche Insiderkäufe gelten traditionell eher als Vertrauensbeweis. Wer eigenes Geld investiert, glaubt offenbar an die Zukunft der Firma. Nur ist eines momentan auch klar: Der Markt zeigt sich davon bislang ziemlich unbeeindruckt. Die Aktie fiel trotz der Käufe weiter, zeitweise bis auf 62,62 Euro. Auslöser war unter anderem der Stopp des Fregattenprogramms F126, wodurch Hensoldt einen Auftrag über rund 200 Millionen Euro verlor. Gleichzeitig bleibt das operative Geschäft robust: Der Auftragsbestand liegt bei rund zehn Milliarden Euro, im ersten Quartal kamen Rekordbestellungen von 1,48 Milliarden Euro hinzu.

Charttechnik
Der Chart sieht derzeit eher angeschlagen aus. Der 200er SMA liegt bei 82,69 Euro, also weit über dem aktuellen Kurs. Das zeigt, dass der übergeordnete Trend nach unten gerichtet ist. Sollte der Bereich um 62 bis 63 Euro nicht halten, könnte es durchaus noch eine oder auch mehrere Etagen tiefer gehen, im schlimmsten Fall sogar bis zum alten Tief aus dem April 2025 bei 44,89 Euro. Erst danach wäre ein nachhaltiger Rebound realistischer. Kurzfristig sind kleine Erholungsbewegungen möglich, das hat sich zuletzt schon gezeigt. Für eine echte Trendwende braucht es aber mehr als ein paar grüne Tage.
Was tun?
Die Lage bei Hensoldt bleibt zwiespältig. Auf der einen Seite ein intaktes operatives Geschäft mit prall gefülltem Auftragsbuch und wachsenden Umsatzerwartungen für 2026 und 2027. Auf der anderen Seite ein angespanntes Branchenumfeld, gesunkene Kursziele und ein Chart, der noch keine Bodenbildung zeigt. Rheinmetall ist ja ebenfalls unter Druck geraten. Die Insiderkäufe sind zwar ein positives Signal, aber keine Garantie für eine schnelle Erholung. Anleger sollten den Halbjahresbericht Ende Juli im Blick behalten, dort dürfte sich zeigen, wie der Konzern den Wegfall des Fregattenauftrags kompensiert. Bis dahin bleibt Geduld gefragt, kurzfristig orientierte Anleger könnten weitere Rückschläge erleben, langfristig orientierte Investoren dürfen die fundamentale Stärke nicht aus den Augen verlieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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