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Eine Trendwende ist bei ServiceNow nach wie vor nur zu erahnen, aber Analystinnen und Analysten bringen sich schon mal für eine Erholungsrallye in Stellung.
ServiceNow: Einer der größten KI-Verlierer?
Zu den in den vergangenen Monaten am stärksten vom Abverkauf in der Softwarebranche betroffenen Papieren gehörten die Anteile von ServiceNow. Der Spezialist für Workflow-Automatisierung gilt als besonders gefährdet, durch agentische KI disruptiert zu werden. Das hat zwischenzeitlich zu Wertverlusten von über 60 Prozent gegenüber den Allzeithochs geführt.
Doch mit der Hartnäckigkeit der Kursverluste hat auch die Hartnäckigkeit der Analystinnen und Analysten, die Aktie gegen Kritik zu verteidigen zugenommen. Das ist angesichts der inzwischen nur noch moderaten Unternehmensbewertung und dem bislang unverändert hohen Wachstum verständlich. Entgegen allen Sorgen steigerte ServiceNow seine Erlöse zuletzt um 22,1 Prozent. Das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis liegt bei günstigen 0,97.
Dieser Analyst ist jetzt anderer Meinung!
Tatsächlich zeigte die Aktie in den vergangenen Wochen immer wieder vielversprechende Erholungsansätze, auch wenn sich die Bullen noch nicht nachhaltig durchsetzen konnten. Am Mittwoch startet ServiceNow einen weiteren Angriff, nachdem die Aktie eine weitere Kaufempfehlung erhalten hat. Die könnte jetzt zum Katalysator für eine Gegenbewegung mit mehr Nachhaltigkeit als zuletzt werden.
Konkret hat sich am Mittwochvormittag das Research-Haus Guggenheim positiv zur Aktie geäußert. Das stellte in den vergangenen Wochen keine Seltenheit dar, aber die Einschätzung von Guggenheim hat insofern Neuigkeitswert, als dass es sich nicht um eine nur bekräftigte, sondern neue Kaufempfehlung handelt, nachdem Analyst John DiFucci das Rating von "Neutral" auf "Kaufen" angehoben hat. DiFucci gilt laut dem Vergleichsportal TipRanks als überaus zuverlässiger Experte mit einer beeindruckenden Trefferquote von 61 Prozent.
Er begründet seine Einschätzung einer "attraktiven Gelegenheit, eine komfortabel profitable Aktie" zu kaufen einerseits mit der hohen Managementqualität durch den ehemaligen SAP-CEO Bill McDermott und der Aussicht auf lukrative Regierungsaufträge und andererseits mit der inzwischen moderaten Bewertung, wenngleich er betont, dass er nicht erwartet, ServiceNow werde sich noch zu einem KI-Profiteur entwickeln.
"Im Gegenteil glauben wir, dass sich die KI-Monetarisierung für ServiceNow nicht erfüllen wird und die Gefahr durch KI tatsächlich ein signifikantes Risiko darstellt [...], aber wir glauben nicht, dass KI das Sterbeglöckchen für ServiceNow sein wird." Er sieht die Aktie und ihre Kursentwicklung eher durch "thematische" Risiken, also einen anhaltenden Abverkauf der der Branche, gefährdet.
Er sieht den fairen Wert der Aktie bei 125 US-Dollar. Das entspricht gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag einem Aufwärtspotenzial von knapp 26 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Konsensziel von 141,48 US-Dollar aller 48 Expertinnen und Experten, welche die Aktie gegenwärtig covern.

Ehrliche Einschätzung trifft auf viel Zustimmung
Die ebenso zuversichtlich wie klar vor Gefahren warnende Empfehlung hinterlässt bei Anlegerinnen und Anlegern offenbar Eindruck. Schon in der US-Vorbörse steigerte sich ServiceNow um 4,5 Prozent. Das könnte genau den Impuls liefern, welchen die Aktie braucht, um den Widerstandsbereich bei 100 US-Dollar, gebildet durch eine Horizontale sowie die 50-Tage-Linie, zu überwinden und ihr Potenzial bis zur nächsten Hürde bei 125 US-Dollar zu entfalten.
Aus charttechnischer Perspektive handelt ServiceNow inzwischen mit einer realistischen Erholungschance, auch wenn die letzte Gegenbewegung zügig abverkauft wurde. Die technischen Indikatoren haben sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich verbessert und damit auch für bullishe Divergenzen gesorgt. Der RSI liegt nach überverkauften Zuständen wieder im neutralen Bereich, während der Trendstärkeindikator MACD vor einem Vorzeichenwechsel steht und damit einen neuen Aufwärtstrend der Aktie anzeigen würde.
Um diese konstruktive Ausgangslage nicht zu gefährden, darf die Aktie aber nicht nachhaltig unter die noch flache Aufwärtstrendlinie und schon gar nicht auf neue Tiefs fallen. Hierfür gibt es gegenwärtig aber keine Indizien, auch wenn der Trend übergeordnet noch abwärtsgerichtet ist.
Fazit: Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
Die ServiceNow-Aktie profitiert am Mittwoch von einer ehrlichen Kaufempfehlung, die auch die Risiken im Zusammenhang mit KI nicht ausblendet. Das macht Eindruck und lädt Investoren zum Kauf der Anteile ein, die dadurch kräftig zulegen und eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einem neuerlichen Erholungsversuch nehmen. Der hat jetzt erstmal ordentlich Platz und bietet Anlegerinnen und Anlegern die Gelegenheit, einen Long-Trade zu wagen.
Die Unternehmensbewertung ist mit einem KGVe von 24,1 für das laufende Geschäftsjahr zwar nicht günstig, angesichts des Kurs-Gewinnwachstumsverhältnisses von 0,97 aber abgemessen. Punkten kann ServiceNow darüber hinaus bei der Cashflow-Rendite, die mit rund 6 Prozent um 16 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Das stellt dem Unternehmen die nötigen Mittel für Aktienrückkäufe oder sogar die Einführung einer Dividende zur Verfügung, um sich bei Investoren wieder beliebter zu machen. Auf dem aktuellen Niveau überwiegend damit die Chancen klar die Risiken.
Gastautor: Max Gross
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