
© Foto: Compagnons auf Unsplash.
Hinter den Anteilen des Speicherchipherstellers Micron liegt eine in den vergangenen Monaten spektakuläre Rallye, doch der Gegenwind nimmt von allen Seiten zu.
Darum nimmt der Gegenwind für Micron und Co. jetzt zu
Für die Hersteller von Speicherchips, egal ob Arbeits- oder Massenspeicher, gab es in den vergangenen Monaten kaum ein Halten mehr. Der KI-Boom hat in der als zyklisch geltenden Branche zu einer noch nie dagewesenen Angebotskrise mit explodierenden Speicherpreisen geführt. Aktien wie Micron, SanDisk und SK Hynix haben sich gegenüber dem Stand vor einem Jahr vervielfacht, vor allem Micron hat sich deshalb zuletzt zum Anlegerliebling entwickelt.
Doch inzwischen mehren sich die Anzeichen dafür, dass die ungebremste Rallye vor ihrem Ende stehen und die Aktie Anlegerinnen und Anleger hohe Verluste bescheren könnte. Für diese Annahme sind im Wesentlichen drei Gründe verantwortlich: Die wachsende Volatilität von Halbleiteraktien, ein technisch heiß gelaufener Trend sowie zunehmend absehbare Verbesserungen bei der Angebotssituation.
1. Die Kursbewegungen werden zunehmend erratisch
Im Mittelpunkt immer erratischerer Kursbewegungen standen zuletzt die beiden südkoreanischen Halbleiterhersteller Samsung und SK Hynix, die maßgeblich zur phänomenalen Kursentwicklung des Leitindex KOSPI beigetragen haben. In der vergangenen Woche kam es an gleich zwei Tagen nach dem Erreichen von Verlustschwellen zu Handelsunterbrechungen.
Ausgelöst wurden die hohen Verluste nicht zuletzt durch gehebelte Wetten und Aktienkäufe auf Kredit - eine Entwicklung die zuverlässig Übertreibungsphasen anzeigt. Am Donnerstag kam es erneut zu empfindlichen Verlusten von 6,5 Prozent angeführt von der Aktie von SK Hynix, die 14 Prozent an Wert verlor. Das ist kein gutes Zeichen auch für Micron, die Kursentwicklungen in der Halbleiterbranche zuletzt hoch miteinander korreliert waren.

2. Die Aktie ist überkauft mit ersten Warnsignalen
Auch der Chart von Micron liefert bei näherem Hinsehen erste Warnsignale. Zwar liegt hier übergeordnet ein starker und intakter Aufwärtstrend vor, doch den jüngste erzielten Rekordnotierungen fehlt längst die technische Unterstützung. Sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im Trendstärkeindikator MACD liegen bearishe Divergenzen vor. Damit sind die Allzeithochs der Aktie unvollständig.
Im Kursverlauf zeichnet sich außerdem eine Top-Bildung sowie der Bruch der zuletzt steilen Aufwärtstrendlinie ab, was zu Verlusten führen dürfte. Ein Indiz für den raschen Verlust des Momentums, ist der MACD, der unter seine Signallinie gefallen ist - das reicht nach starken Anstiegsbewegungen häufig schon für eine kräftige Korrektur eines Basiswertes.
Mit Blick auf die Frage, ob die Aktie überkauft ist, gibt es zwei Antworten. Kurzfristig ist die Überhitzung der Rallye in Teilen konsolidiert worden, wie der inzwischen neutrale RSI beweist. Auf Wochen- und Monatsbasis liegen mit RSI-Werten von 73 und 82 Punkten aber noch immer klar überkaufte Niveaus vor. Das könnte zu einer zeitlich ausgedehnten Korrektur führen.
Das Abwärtspotenzial der Aktie ist aufgrund des großen Abstands zu den gleitenden Durchschnitten beträchtlich. Ein Test der 50-Tage-Linie bei 840 US-Dollar würden Verluste von weiteren 15 Prozent bedeuten. Ein Test der 200-Tage-Linie bei etwa 440 US-Dollar würde sogar mit mehr als einer Halbierung einhergehen. Dazwischen verfügt die Micron-Aktie nur über wenig erprobte Unterstützungsbereiche, was die Gefahr umso größer macht.
3. Die Angebotssituation könnte sich schon bald verbessern
Der dritte Grund für das mögliche Aus der Rallye ist die Aussicht darauf, dass sich die Angebotssituation bald verbessern könnte. Das ist gleichbedeutend mit einer geringeren Preissetzungsmacht, niedrigeren Margen und geringerem Gewinnwachstum, was zur Korrektur der zuletzt hohen Wachstumserwartungen zwingen würde. Einerseits haben Samsung und SK Hynix in den vergangenen Tagen die massive Ausweitung ihrer Produktionskapazitäten angekündigt und andererseits drängen verstärkt chinesische Hersteller auf den Markt.
Für viel Aufmerksamkeit sorgte bereits ein Deal zwischen dem Internetgiganten und Technologiekonzern Tencent und Speicherchiphersteller CXMT. Für umgerechnet 2,8 Milliarden US-Dollar will Tencent Arbeitsspeicher von CXMT kaufen. Das zeigt die wachsende Bereitschaft von Unternehmen, auf andere, weniger namhafte Hersteller auszuweichen.
Genau diesen Schritt könnte jetzt ausgerechnet auch der Vorzeigekonzern Apple wagen. Das Unternehmen kämpft ebenfalls mit stark steigenden Speicherpreisen und hat, um seine Margen abzusichern, quer durch die gesamte Produktpalette bereits Preiserhöhungen angekündigt, die sowohl an der Börse als auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern jedoch gar nicht gut ankamen. Nach einem in der vergangenen Woche von der Financial Times veröffentlichten Bericht, befindet sich Apple in Verhandlungen sowohl mit CXMT als auch mit YMTC über Lieferverträge, und das obwohl sich beide Unternehmen auf der US-Sanktionsliste befinden.
Dabei muss es für eine Entlastung auf dem Speicherchipmarkt gar nicht so weit kommen, dass US-Konzerne mit dem Kauf chinesischer Halbleiterprodukte beginnen - es würde bereits genügen, wenn chinesische Hardwarehersteller wie Xiaomi (und ihre Zulieferer wie zum Beispiel MediaTek und Qualcomm) das tun würden. Ein potenzieller Margenpeak rückt in der Branche damit immer näher. Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, würde das für eine scharfe Korrektur von Speicherchipherstellern bereits genügen, selbst wenn die Gewinne vorerst weiter steigen sollten.
Fazit: Die Gefahren sind jetzt weitaus größer als die Chancen
Mit der Aktie von Speicherchip-Hersteller Micron ließ sich in den vergangenen Monaten viel und für die Verhältnisse der Börse vergleichsweise einfach Geld verdienen. Doch jetzt sollten sich Anlegerinnen und Anleger darauf einstellen, dass die "einfachen" Gewinne bei der Aktie vorbei sind. Nicht nur, weil sich eine technische Korrektur abzeichnet, sondern auch weil Bewegung in die Angebotsdynamik auf Markt für Speicherchips gekommen ist.
Wer im Plus ist, sollte verstärkt über Gewinnmitnahmen nachdenken oder sich wenigstens mit Stopp-Loss-Orders absichern. Wer die Rallye verpasst hat, sollte jetzt nicht mehr einsteigen und vorerst auch darauf verzichten, das bei Rücksetzern zu tun. Erst eine empfindliche Korrektur würde das Chance-Risko-Verhältnis wieder zu Wetten auf der Long-Seite verbessern - das gilt auch für die Anteile anderer Speicherchiphersteller.
PS: Wenn Sie mögen, hören Sie auch in die neueste Folge des Finanzpodcasts "Börse, Baby!" auf Spotify rein. Dort haben sich Nicolas Ebert und Gastgeber Krischan Orth die Speicherchip-Branche näher angesehen und ebenfalls einem grundlegenden Check unterzogen.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




