DJ MÄRKTE USA/Uneinheitlich - Schwacher US-Arbeitsmarkt sorgt für Zinsfantasie
DOW JONES--Nachdem ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht zur Eröffnung noch für Gewinne an der Wall Street gesorgt hatte, zeigen sich die Indizes am Donnerstagmittag (Ortszeit) uneinheitlich. Dieser hatte die Sorgen vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank etwas zerstreut. Der Dow-Jones-Index verbessert sich um 0,7 Prozent auf 52.662 Punkte und hat bei 52.805 Punkten zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch markiert. Dagegen geht es für den S&P-500 um 0,2 Prozent nach unten und die technologielastigen Nasdaq-Indizes verlieren bis zu 1,6 Prozent. Hier setzt sich der globale Ausverkauf fort. Am Freitag findet wegen des Unabhängigkeitstags am 4. Juli kein Handel statt. Am US-Anleihemarkt gibt es am Donnerstag nur eine verkürzte Sitzung.
Es entstanden im Juni in der Privatwirtschaft und beim Staat 57.000 zusätzliche Stellen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten dagegen einen doppelt so hohen Zuwachs von 115.000 erwartet. Auch die Vormonatszahlen wurden spürbar nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote fiel im Juni auf 4,2 von 4,3 Prozent, während die Ökonomen hier eine unveränderte Quote von 4,3 Prozent erwartet hatten. Die Löhne entwickelten sich wie erwartet. An der Börse wird nun erwartet, dass die Fed nicht im Oktober, sondern erst im Dezember die Leitzinsen anhebt.
Die Ökonomen von Evercore ISI meinen allerdings, ein "sich normalisierender Arbeitsmarktbericht halte den Fokus der Fed auf der Inflation". Einige argumentierten, dass dieser Bericht Zinserhöhungen in diesem Jahr unwahrscheinlicher macht. Die Ökonomen stimmen dem nicht wirklich zu. "Es werden Inflationsdaten sein, die den Kurs der Fed bestimmen", so Stephen Stanley von Santander. Er meint, der Arbeitsmarktbericht für Juni könnte die Wahrnehmung der Fed-Vertreter "nur ganz geringfügig" ändern, aber die meisten Entscheidungsträger würden den Arbeitsmarkt als stabil ansehen. "Es gab eine erhebliche Kurzschlussreaktion an den Finanzmärkten, einschließlich einer Verringerung der Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen in diesem Jahr. Ich betrachte Letzteres als eine unangemessene Reaktion auf diese Veröffentlichung."
Laut dem FedWatch-Tool der CME preisen Anleger eine Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent für eine Zinserhöhung im Juli ein, nach 29 Prozent am Vortag. Die Wahrscheinlichkeit mindestens einer Zinssenkung bis zum Jahresende fällt von 83 Prozent auf 76 Prozent.
Der Dollar gerät nach dem US-Arbeitsmarktbericht deutlich unter Druck, der Dollar-Index reduziert sich um 0,6 Prozent. Denn mit Blick auf den eher schwächelnden US-Arbeitsmarkt dürfte die Fed eher später als früher die Leitzinsen erhöhen. Auch die Renditen am US-Anleihemarkt geben ihre Gewinne wieder ab und drehen zwischenzeitlich sogar leicht ins Minus - im zehnjährigen Bereich liegt die Rendite aktuell wenig verändert bei 4,47 Prozent.
Dagegen macht der Goldpreis einen Satz nach oben. Die Hoffnung auf eine zeitlich verzögerte Zinserhöhung der US-Notenbank beflügelt das zinslose Edelmetall. Dazu kommt der nachgebende Dollar. Der Preis für die Feinunze klettert um 2,3 Prozent auf 4.122 Dollar nach oben, nach 4.065 Dollar vor Bekanntgabe der Daten.
Die ebenfalls veröffentlichten wöchentlichen Erstanträge treten dagegen in den Hintergrund. Hier wurde ein Rückgang auf 215.000 vermeldet, während die Erwartung bei 220.000 lag. Nach der Eröffnung folgt noch der Auftragseingang für den Mai. Der Auftragseingang der US-Industrie hat sich im Mai um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat verringert. Das entsprach exakt der von Volkswirten erwarteten Rate.
Bei den Einzelwerten verlieren die Aktien von Alphabet 1,4 Prozent. Google und der Mutterkonzern Alphabet müssen in der EU eine Geldbuße in Rekordhöhe zahlen: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg bestätigte die Strafe von 4,1 Milliarden Euro wegen unerlaubter, wettbewerbswidriger Praktiken.
Die Tesla-Aktie verliert 7,3 Prozent, obwohl der Elektroautohersteller im letzten Quartal mehr Fahrzeuge ausgeliefert und die Erwartungen der Wall Street übertroffen hat. Das Wachstum setzt Teslas jüngsten Aufwärtstrend fort, nachdem das Unternehmen bereits im ersten Quartal einen ähnlichen Anstieg der Verkaufszahlen verzeichnet hatte.
Die Ölpreise bauen ihre Vortagesabgaben aus, für Brent geht es um weitere 0,7 Prozent auf 71,05 Dollar nach unten. "Die Ölpreise dürften weiterhin unter Abwärtsdruck stehen, da sich das Angebot weiter normalisiert und geopolitische Risikoprämien abgebaut werden, auch wenn Rückschläge bei den Verhandlungen oder erneute Sicherheitsvorfälle weiterhin zu Phasen erhöhter Volatilität führen könnten", sagt Soojin Kim von MUFG.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag DJIA 52.661,64 +0,7 +356,40 52.305,24 S&P-500 7.465,26 -0,2 -17,97 7.483,23 NASDAQ Comp 25.795,48 -0,9 -244,55 26.040,03 NASDAQ 100 29.324,70 -1,6 -484,44 29.809,13 US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 4,12 -0,04 4,20 4,10 5 Jahre 4,21 -0,02 4,27 4,19 10 Jahre 4,47 -0,00 4,51 4,45 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 17:30 EUR/USD 1,1437 +0,5 0,0061 1,1376 1,1393 EUR/JPY 184,15 -0,4 -0,8000 184,95 185,0200 EUR/CHF 0,918 -0,3 -0,0030 0,9210 0,9207 EUR/GBP 0,8562 -0,1 -0,0007 0,8569 0,8576 USD/JPY 160,99 -1,0 -1,5700 162,56 162,3800 GBP/USD 1,3355 +0,6 0,0084 1,3271 1,3280 USD/CNY 6,7886 -0,1 -0,0056 6,7942 6,7942 USD/CNH 6,787 -0,1 -0,0076 6,7946 6,7937 AUS/USD 0,6925 +0,5 0,0034 0,6891 0,6903 Bitcoin/USD 61.425,78 +2,2 1.347,91 60.077,87 60.248,76 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 68,16 -0,6 -0,42 68,58 Brent/ICE 71,05 -0,7 -0,52 71,57 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.122,02 +2,3 92,13 4.029,89 Silber 60,93 +3,0 1,79 59,14 Platin 1.617,84 +2,6 40,97 1.576,87 (Angaben ohne Gewähr) ===
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