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Die Aktie des Automatisierungsspezialisten Kion hat in den vergangenen Monaten stark korrigiert. Das bietet jetzt eine hervorragende Einstiegschance in physische KI.
Anleger schichten um - und schmeißen KI-Aktien raus
KI- und Halbleiterwerte hatten in den vergangenen Tagen einen schweren Stand bei Anlegerinnen und Anlegern. Die setzten nach bereits zwei hervorragenden Quartalen auf Gewinnmitnahmen bei Highflyern wie AMD, Micron, SanDisk und Co. und kauften stattdessen in den vergangenen Wochen und Monaten vernachlässigte Substanzwerte. Der Handel am Donnerstag war hierfür das beste Beispiel: Während der Nasdaq 100 tief im Minus schloss, kletterte der Dow Jones Index nach einem Plus von 1,1 Prozent auf ein neues Allzeithoch.
Doch selbst wenn diese Sektorrotation anhalten sollte (was mit Blick auf die in den vergangenen Monaten schwache Marktbreite zu wünschen wäre) dürften KI-Aktien gefragt bleiben - nur dürfte sich der Fokus auch hier verschieben von den bereits bestens bekannten zu den jetzt weniger bekannten Profiteuren.
Der Markt dürfte jetzt selektiver werden, neuer Trend physische KI?
Ein Schlagwort, das in den vergangenen Wochen häufig als nächster Trend innerhalb des KI-Booms genannte wurde, ist Physical AI, also physische Anwendungen von KI. Dazu gehören autonom agierende Fahrzeuge (egal ob Drohnen, Flugzeuge oder Automobile) ebenso wie Roboter aller Art.
Eine besonders aussichtsreiche Nische könnte die Automatisierung von Lagerhäusern sein. Schon jetzt kommen in Warenlagern wie von Amazon und Co. Roboter zum Einsatz, die Inventar verwalten, Bestellungen bearbeiten und für den Versand fertig machen. In Zukunft dürfte dieser Prozess durch immer leistungsfähigere physische KI noch beschleunigt werden.
MDAX-Wert Kion bietet jede Menge Potenzial zum kleinen Preis!
Ein in dieser Nische unterschätzter Player ist der deutsche MDAX-Wert Kion. Das Unternehmen wurde von 20 Jahren vom Industriegas-Spezialist Linde abgespalten und ist einer der weltweit größten Hersteller von Flurförderzeugen und Lagerautomatisierungsgeräten.
Erst vor kurzem hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Warenhauslogistikdienstleister GXO Logistics und Nvidia bekannt gegeben, eine Plattform für physische KI zu entwickeln. Am Aktienmarkt fiel die Reaktion jedoch verhalten aus, da sich das Papier seit Monaten in einem Abwärtstrend befindet. Genau das könnte sich jetzt sowohl aus technischer wie auch aus fundamentaler Perspektive ändern, denn die Aktie ist deutlich zu günstig bewertet.

Im Chart zeichnet sich bereits eine Erholung ab
Zunächst der Blick in den Chart der Aktie. Hier zeigt sich nach einem Hoch zum Jahreswechsel eine in den zurückliegenden Monaten hohe Verkaufsdynamik. Nach dem Unterschreiten der gleitenden Durchschnitte und einem Death Cross beschleunigte sich der Abverkauf. Zwar gelang den Käuferinnen und Käufern zwischenzeitlich eine Bodenbildung im Bereich von 42,50 Euro, doch diese wurde Anfang Juni aufgegeben und Kion fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr - üblicherweise ein Verkaufssignal.
Doch statt weiteren Verlusten ist es in den vergangene Tagen zu einer Erholung gekommen. Die ist vor allem der Bodenbildung im Relative-Stärke-Index (RSI) sowie dem Aufwärtstrend des Trendstärkeindikators MACD zu verdanken, welche damit für bullishe Divergenzen sorgen. Zwar scheiterte ein erster Anstiegsversuch über 42,50 Euro, doch schon bald könnte ein neuer gestartet werden, weil sich RSI und MACD weiter verbessert haben. Der MACD steht perspektivisch vor einem Vorzeichenwechsel. Das würde einen neuen Aufwärtstrend der Aktie anzeigen.
Platz hat diese reichlich, sobald 42,50 Euro, wo auch die 50-Tage-Linie verläuft, überwunden sind. Der nächste größere Widerstandsbereich beginnt erst ab 50 Euro. Selbst wenn es sich beim zu erwartenden Kursanstieg nur um einen korrektiven und keinen grundlegend neuen Aufwärtstrend handeln sollte, bietet Kion also ein Anstiegspotenzial von über 20 Prozent - und das zu einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis, wenn ein Stopp unterhalb der Aufwärtstrendlinie oder spätestens den jüngsten Tiefs platziert wird.
Bewertung indiskutabel niedrig, Analysten äußerst zuversichtlich
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung handelt Kion zu Ausverkaufspreisen. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei 13,3, für 2027 sogar unter 10. Zum Vergleich dazu wurde die Aktie in den vergangenen 10 Jahren mit einem Durchschnitts-KGV von 23,5 gehandelt. Besonders attraktiv ist die laut MarketScreener zweistellige Cashflow-Rendite, die sich 2026 auf 11,8 und 2027 auf 13,2 Prozent belaufen soll.
Damit erzielt Kion hohe Mittelzuflüsse, mit denen einerseits die Dividende von voraussichtlich 2,5 Prozent sowie andererseits die Verschuldung bedient werden kann. Für 2026 wird eine Halbierung der Nettoverbindlichkeiten auf rund 238 Millionen Euro erwartet - das wäre rund das 0,1-Fache des EBITDA, was ein herausragender guter wert ist. Dieser Umstand führt neben einem günstigen KGV auch zu seinem günstigen Verhältnis von Unternehmenswert und EBITDA (EV/EBITDA), der bei gerade Mal 2,8 liegt. Der Branchendurchschnitt liegt um mehr als das Doppelte darüber.
Auch Analystinnen und Analysten halten die Aktie, die mehrheitlich zum Kauf empfohlen ist, für deutlich unterbewertet. Im Mittel wird ein fairer Wert von 58,67 Euro genannt. Das entspricht gegenüber dem Kurs vom Freitagmittag einer Upside von 41,4 Prozent. Das gegenwärtig höchste Kursziel von 76,00 Euro sieht Kion sogar vor einem Anstieg um 83,2 Prozent. Das wäre charttechnisch gleichbedeutend mit einem neuen Mehrjahreshoch.
Fazit: Zuschlagen, solange die Aktie noch so günstig ist
Die jüngsten Verluste bei beliebten KI- und Halbleiterwerten sowie die Umschichtung in günstig bewertete Substanztitel lässt vermuten, dass die nächste Stufe des Bullenmarktes selektiver werden dürfte - auch innerhalb der KI-Branche selbst. Ein neues Trendthema könnte physische KI werden und genau hier besteht mit Kion eine attraktiv bewertete, charttechnisch konstruktive Einstiegschance.
Anlegerinnen und Anleger sollten die Aktie auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau bedenkenlos kaufen können, aber den Stopp unterhalb der kurzfristigen Aufwärtstrendlinie beziehungsweise unter den 52-Wochen-Tiefs beachten. Sollten diese unterschritten werden, könnte Kion seinen Abwärtstrend zunächst fortsetzen. Dann wäre eine Etage tiefer nochmal ein Einstieg zu suchen.
Gastautor: Max Gross
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