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Adidas hat in den vergangenen Wochen eine Rally hingelegt, die sehr ambitioniert ist, denn vom Mehrwochentief bei rund 130 Euro ging es fast wie an der Schnur gezogen nach oben, mittlerweile steht die Aktie bei über 180 Euro und damit auf einem neuen Mehrmonats-Hoch. Selbst das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft konnte den Höhenflug nicht wirklich bremsen und wenn dann nur ganz kurz. Doch genau jetzt, wo die Stimmung kaum besser sein könnte, mehren sich die Anzeichen, dass eine Verschnaufpause bevorstehen könnte. Der RSI steht bei über 70. Das ist ein Wert, bei dem Chartprofis aufhorchen und auch vorsichtig werden. Reicht der Schwung noch bis 200 Euro, oder wartet schon bald eine Korrektur Richtung 160 Euro?
Wirtschaft und Sport im Gleichschritt
Sportlich lief es für die deutsche Nationalmannschaft zuletzt alles andere als rund. Das frühe Aus bei der Weltmeisterschaft gegen Paraguay, garniert mit einem ärgerlichen VAR-Fehler, sorgte kurzzeitig für einen spürbaren Dämpfer an der Börse. Schließlich verkauft Adidas mit dem DFB-Trikot ein echtes Zugpferd, und Konzernchef Björn Gulden hatte sich vor dem Turnier noch mächtig Umsatz davon versprochen, über eine Milliarde Euro sollte allein das Trikotgeschäft bringen. Die Aktie gab entsprechend nach, konnte sich aber im Tagesverlauf wieder erholen. Der Grund ist ganz simpel, denn Adidas hängt eben nicht nur am DFB-Team. Insgesamt kleidet der Konzern vierzehn Nationalmannschaften ein, darunter Schwergewichte wie Argentinien, Spanien und Gastgeber Mexiko, von denen viele noch im Turnier mitmischen. Die Analysten reagierten größtenteils gelassen, teilweise sogar eher positiv. Die Citigroup etwa hob ihr Kursziel leicht an, RBC Capital Markets bestätigte sein "Outperform"-Rating mit Kursziel 210 Euro, UBS sieht sogar 219 Euro als erreichbar an. Konsumforscher warnen zwar vor einer gedämpften Kauflaune nach dem frühen Turnier-Aus, ein echter Umsatzeinbruch zeichnet sich bei Adidas bislang aber nicht ab.

Charttechnik
Wer sich den Chart der letzten Wochen anschaut, sieht, dass sich die Aktie seit Ende Mai in einem intakten Aufwärtstrend befindet und seither knapp 16 Prozent zugelegt hat. Alle gleitenden Durchschnitte, ob kurz-, mittel- oder langfristig, zeigen klar nach oben, der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt mittlerweile über 10 Prozent. Das ist ein Bild fast schon wie im Bilderbuch. Doch gerade solche Bilderbuch-Rallys bergen immer Risiken, denn z. B. der RSI, ein beliebter Indikator für die kurzfristige Überhitzung eines Titels, notiert über der kritischen Marke von 70. Das ist ein klassisches Warnsignal. Häufig folgt darauf zwar nicht unmittelbar eine sofortige Trendwende, aber zumindest könnte eine Verschnaufpause eintreten, oder eben doch eine Korrektur. Erste Unterstützung dürfte die Aktie bei etwa 170 - 175 Euro finden, fällt sie deutlicher zurück, wäre auch ein Rücksetzer Richtung 160 Euro keine Überraschung. Auf der anderen Seite ist die Tür nach oben longtechnisch noch keineswegs zu. Sollte der Schwung anhalten, wäre auch ein Anlauf auf die 200-Euro-Marke, dort verläuft auch in etwa das bisherige 12-Monatshoch, durchaus vorstellbar. Wichtig zu wissen: Irgendwann kommt jede Rally an ihre Grenzen, die Frage ist nur, wann und wie heftig die Gegenbewegung ausfällt.
Was tun?
Fundamental steht Adidas derzeit gar nicht schlecht da. Der Konzern hatte zuletzt für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Umsatz von gut 21 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund 2 Milliarden Euro vermeldet, das Analystenlager ist mit fünf Kaufempfehlungen im Juni auffällig einig und traut der Aktie im Schnitt gut 205 Euro zu. Auch die WM sorgt trotz des deutschen Ausscheidens weiterhin für Rückenwind, immerhin sind viele der von Adidas ausgestatteten Teams noch im Rennen. Die nächsten Quartalszahlen Ende Juli dürften zeigen, ob sich der positive Trend fortsetzt. Charttechnisch bleibt der Trend intakt, doch die überkaufte Lage mahnt zur Vorsicht. Wer schon investiert ist, kann angesichts der fundamental soliden Basis erst einmal entspannt bleiben, sollte aber engere Stopps in Betracht ziehen. Neueinsteiger tun gut daran, nicht blind auf den fahrenden Zug aufzuspringen, sondern eine mögliche Konsolidierung Richtung 160 bis 170 Euro als günstigeren Einstiegspunkt abzuwarten. Insgesamt gilt: Die Story stimmt, das Timing entscheidet.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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