Berlin/Köln (ots) -
Neue Studien im Auftrag des ASB zeigen: Für einen krisenfesten Bevölkerungsschutz sind starke Gemeinschaften, aktive Nachbarschaften und gut vorbereitete Menschen ebenso entscheidend wie leistungsfähige Einsatzstrukturen.
Fünf Jahre nach der Hochwasserflut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stellt der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) gemeinsam mit der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin (KFS) und der Hochschule Bielefeld (HSBI) die Ergebnisse seines Resilienzprogramms vor.
Im Rahmen des von Januar 2024 bis Juni 2026 durchgeführten ASB-Resilienzprogramms untersuchten der ASB, die KFS und die HSBI die gemeinschaftliche Resilienz in den 2021 von der Flut betroffenen Regionen Erftstadt und Mechernich (beide NRW) sowie in Neustadt in Sachsen, das bereits 2013 ein Hochwasser erlebte. Ziel war es, Faktoren gemeinschaftlicher Resilienz wissenschaftlich zu untersuchen und daraus praxisnahe Ansätze zur Stärkung der Katastrophenvorsorge abzuleiten.
Erhebliches Potenzial für gesellschaftliches Engagement
Die Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen trotz gestiegenen Problembewusstseins weiterhin nicht ausreichend auf Krisen vorbereitet sind. Ein weiteres zentrales Ergebnis aller Studien ist die Bedeutung sozialer Netzwerke. Familie, Nachbarschaft und freiwilliges Engagement sind die stärksten Faktoren bei der Bewältigung von Krisen. Gleichzeitig zeigen die Studien ein erhebliches Potenzial für gesellschaftliches Engagement: Zwischen 31 und 36 Prozent der Befragten wären grundsätzlich bereit, sich im Katastrophenschutz oder in der Krisenvorsorge zu engagieren, ohne bislang aktiv zu sein. Feuerwehr (96-99 %), THW (90-95 %) und Hilfsorganisationen (90-95 %) genießen dabei ein außergewöhnlich hohes Vertrauen. Gleichzeitig berichten 54 Prozent (Erftstadt) bzw. 40 Prozent (Mechernich) der Befragten davon, dass ihr Vertrauen in den Staat während der Bewältigung des Hochwassers in NRW gesunken sei.
Knut Fleckenstein, Bundesvorsitzender des ASB Deutschland e. V.: "Die Hochwasserflut hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Fünf Jahre später wissen wir genauer, was Menschen in Krisen stark macht - und wo wir dringend nachsteuern müssen: Wir müssen mehr Menschen in unseren Krisenvorsorge-Kursen (EHSH) vorbereiten und dafür Sorge tragen, dass einsame, pflegebedürftige und alte Menschen im Ernstfall nicht vergessen werden."
Die Studien machen zugleich deutlich, warum Vorsorge häufig nicht gelingt. Finanzielle, räumliche und gesundheitliche Voraussetzungen beeinflussen ebenso wie verständliche und handlungsorientierte Risiko- und Krisenkommunikation, ob Menschen sich tatsächlich auf Krisen vorbereiten können. Resilienz entsteht nicht allein durch Information, sondern dort, wo Vorsorge im Alltag praktisch möglich wird.
Handlungsbedarfe für einen zukunftsfesten Bevölkerungsschutz
Aus den Ergebnissen der Studien leitet der ASB zentrale Handlungsbedarfe für einen zukunftsfesten Bevölkerungsschutz ab:
- Selbsthilfefähigkeiten gezielt stärken
- Soziale Ungleichheiten in der Vorsorge abbauen
- Risiko- und Krisenkommunikation verbessern
- Ehrenamt und lokale Netzwerke nachhaltig stärken
- Alltagsnahe Angebote zur Vorbereitung auf Krisen - schon für Kinder
Edith Wallmeier, Geschäftsführerin Einsatzdienste & Bildung des ASB Deutschland e. V.: "Die Studien zeigen klar, wo wir ansetzen müssen: Menschen brauchen niedrigschwellige Möglichkeiten, Vorsorge einzuüben, Selbsthilfefähigkeit zu stärken und gemeinsam Verantwortung für Krisenvorsorge zu übernehmen. Deshalb müssen wir Resilienzförderung stärker in den Alltag von Kommunen, Bildungseinrichtungen und Organisationen bringen. Mit der Resilienz-Methodenbox 'Gemeinsam resilient' stellen wir dafür ein konkretes und praxisnahes Instrument bereit."
Vom Studienergebnis in die Praxis
Als konkretes Ergebnis des Projekts wurde die Resilienz-Methodenbox "Gemeinsam resilient" entwickelt. Sie überträgt die Erkenntnisse der Studien in ein praxisnahes Bildungs- und Beteiligungsangebot und unterstützt Kommunen, Bildungseinrichtungen, Hilfsorganisationen und weitere Akteure dabei, gemeinschaftliche Resilienz nachhaltig zu stärken.
Das ASB-Resilienzprogramm wurde durch Aktion Deutschland Hilft (ADH) gefördert. Weiterführende Informationen erhalten Sie hier (https://www.asb.de/unsere-angebote/asb-rettungsdienst-katastrophenschutz/resilienzprogramm).
Über den ASB:
Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V. (ASB) ist eine politisch und konfessionell unabhängige Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation. Der ASB engagiert sich seit mehr als 135 Jahren für Menschen in Not - in Deutschland und weltweit. Zu den Aufgaben des ASB gehören unter anderem Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz, Pflege, Soziale Dienste sowie humanitäre Hilfe im Ausland.
Pressekontakt:
Albert Linner
Fachbereich Kommunikation und Public Affairs
ASB Deutschland e. V.
Mobil: +49 172 180 4505
E-Mail: a.linner@asb.de
Original-Content von: ASB-Bundesverband, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/6532/6309692
Neue Studien im Auftrag des ASB zeigen: Für einen krisenfesten Bevölkerungsschutz sind starke Gemeinschaften, aktive Nachbarschaften und gut vorbereitete Menschen ebenso entscheidend wie leistungsfähige Einsatzstrukturen.
Fünf Jahre nach der Hochwasserflut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stellt der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) gemeinsam mit der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin (KFS) und der Hochschule Bielefeld (HSBI) die Ergebnisse seines Resilienzprogramms vor.
Im Rahmen des von Januar 2024 bis Juni 2026 durchgeführten ASB-Resilienzprogramms untersuchten der ASB, die KFS und die HSBI die gemeinschaftliche Resilienz in den 2021 von der Flut betroffenen Regionen Erftstadt und Mechernich (beide NRW) sowie in Neustadt in Sachsen, das bereits 2013 ein Hochwasser erlebte. Ziel war es, Faktoren gemeinschaftlicher Resilienz wissenschaftlich zu untersuchen und daraus praxisnahe Ansätze zur Stärkung der Katastrophenvorsorge abzuleiten.
Erhebliches Potenzial für gesellschaftliches Engagement
Die Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen trotz gestiegenen Problembewusstseins weiterhin nicht ausreichend auf Krisen vorbereitet sind. Ein weiteres zentrales Ergebnis aller Studien ist die Bedeutung sozialer Netzwerke. Familie, Nachbarschaft und freiwilliges Engagement sind die stärksten Faktoren bei der Bewältigung von Krisen. Gleichzeitig zeigen die Studien ein erhebliches Potenzial für gesellschaftliches Engagement: Zwischen 31 und 36 Prozent der Befragten wären grundsätzlich bereit, sich im Katastrophenschutz oder in der Krisenvorsorge zu engagieren, ohne bislang aktiv zu sein. Feuerwehr (96-99 %), THW (90-95 %) und Hilfsorganisationen (90-95 %) genießen dabei ein außergewöhnlich hohes Vertrauen. Gleichzeitig berichten 54 Prozent (Erftstadt) bzw. 40 Prozent (Mechernich) der Befragten davon, dass ihr Vertrauen in den Staat während der Bewältigung des Hochwassers in NRW gesunken sei.
Knut Fleckenstein, Bundesvorsitzender des ASB Deutschland e. V.: "Die Hochwasserflut hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Fünf Jahre später wissen wir genauer, was Menschen in Krisen stark macht - und wo wir dringend nachsteuern müssen: Wir müssen mehr Menschen in unseren Krisenvorsorge-Kursen (EHSH) vorbereiten und dafür Sorge tragen, dass einsame, pflegebedürftige und alte Menschen im Ernstfall nicht vergessen werden."
Die Studien machen zugleich deutlich, warum Vorsorge häufig nicht gelingt. Finanzielle, räumliche und gesundheitliche Voraussetzungen beeinflussen ebenso wie verständliche und handlungsorientierte Risiko- und Krisenkommunikation, ob Menschen sich tatsächlich auf Krisen vorbereiten können. Resilienz entsteht nicht allein durch Information, sondern dort, wo Vorsorge im Alltag praktisch möglich wird.
Handlungsbedarfe für einen zukunftsfesten Bevölkerungsschutz
Aus den Ergebnissen der Studien leitet der ASB zentrale Handlungsbedarfe für einen zukunftsfesten Bevölkerungsschutz ab:
- Selbsthilfefähigkeiten gezielt stärken
- Soziale Ungleichheiten in der Vorsorge abbauen
- Risiko- und Krisenkommunikation verbessern
- Ehrenamt und lokale Netzwerke nachhaltig stärken
- Alltagsnahe Angebote zur Vorbereitung auf Krisen - schon für Kinder
Edith Wallmeier, Geschäftsführerin Einsatzdienste & Bildung des ASB Deutschland e. V.: "Die Studien zeigen klar, wo wir ansetzen müssen: Menschen brauchen niedrigschwellige Möglichkeiten, Vorsorge einzuüben, Selbsthilfefähigkeit zu stärken und gemeinsam Verantwortung für Krisenvorsorge zu übernehmen. Deshalb müssen wir Resilienzförderung stärker in den Alltag von Kommunen, Bildungseinrichtungen und Organisationen bringen. Mit der Resilienz-Methodenbox 'Gemeinsam resilient' stellen wir dafür ein konkretes und praxisnahes Instrument bereit."
Vom Studienergebnis in die Praxis
Als konkretes Ergebnis des Projekts wurde die Resilienz-Methodenbox "Gemeinsam resilient" entwickelt. Sie überträgt die Erkenntnisse der Studien in ein praxisnahes Bildungs- und Beteiligungsangebot und unterstützt Kommunen, Bildungseinrichtungen, Hilfsorganisationen und weitere Akteure dabei, gemeinschaftliche Resilienz nachhaltig zu stärken.
Das ASB-Resilienzprogramm wurde durch Aktion Deutschland Hilft (ADH) gefördert. Weiterführende Informationen erhalten Sie hier (https://www.asb.de/unsere-angebote/asb-rettungsdienst-katastrophenschutz/resilienzprogramm).
Über den ASB:
Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V. (ASB) ist eine politisch und konfessionell unabhängige Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation. Der ASB engagiert sich seit mehr als 135 Jahren für Menschen in Not - in Deutschland und weltweit. Zu den Aufgaben des ASB gehören unter anderem Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz, Pflege, Soziale Dienste sowie humanitäre Hilfe im Ausland.
Pressekontakt:
Albert Linner
Fachbereich Kommunikation und Public Affairs
ASB Deutschland e. V.
Mobil: +49 172 180 4505
E-Mail: a.linner@asb.de
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