DJ MÄRKTE EUROPA/Abverkauf von Technologie-Aktien vermiest die Stimmung
DOW JONES--Ein Abverkauf im Technologiesektor hat am Dienstag die europäischen Aktienmärkte belastet. Der südkoreanische Konzern Samsung Electronics hatte vorläufige Quartalsergebnisse auf Rekordniveau vorgelegt. Das reichte jedoch nicht aus, um die Nervosität der Anleger hinsichtlich der Nachhaltigkeit der KI-Nachfrage zu beruhigen, was die Aktie in Seoul um knapp 7 Prozent einknicken ließ. Derweil gab die deutsche Wirtschaft wieder Lebenszeichen von sich, auch wenn dies keine Rolle am Markt spielte. Die deutschen Industriedaten deuten in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals auf eine breit angelegte Stärke hin, trotz des Anstiegs der Energiepreise aufgrund des Iran-Krieges, so Pantheon Macroeconomics. Der DAX verlor 1,4 Prozent auf 25.465 Punkte, der Euro-Stoxx-50 büßte 1,1 Prozent auf 6.xx Punkte ein.
Infineon fielen um 8,3 Prozent, Suss Microtec um 12,4 Prozent, STMicroelectronics um 8 Prozent oder ASML 7,3 Prozent. Für Ausrüster von KI-Datenzentren wie Siemens Energy ging es um 8,9 Prozent nach unten. Marktstratege Jochen Stanzl von der Consorsbank sprach von einer gewissen "KI-Müdigkeit" am Markt und sieht das als Warnzeichen: "Wenn gute Nachrichten verkauft werden, haben Anleger sie schon vorweggenommen. Das ist ein typisches 'Sell On Good News' - der Markt zeigt Anzeichen einer zunehmenden KI-Müdigkeit". Dies sei kein gutes Omen für die Berichtssaison.
Die kräftigen Gewinnmitnahmen im KI- und Technologiebereich sorgten für eine Rückbesinnung auf die klassischen Branchen. "Hier zeigt sich die erhoffte Sektor-Rotation, bei der eben nur rotiert wird und das Kursniveau insgesamt verteidigt wird", sagte ein Händler. Im Nahrungsmittelbereich ging es bei Pernod Ricard 5,5 Prozent höher, bei Carrefour um 3,7 Prozent, im Bereich Mode legten Burberry um 1,1 Prozent zu. Gestützt wurde dies durch positive Analystenstimmen, unter anderem von RBC zum Nahrungsmittel-Einzelhandel und besonders Carrefour.
Das Urteil eines Berufungsgerichts in der Causa Marine Le Pen spielte für den CAC-40 (-0,5%) keine große Rolle. Das Gericht hat Le Pen zwar für berechtigt erklärt, bei der französischen Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr anzutreten und verkürzte ein Urteil der Vorinstanz vom März 2025, welches Le Pen für fünf Jahre von der Übernahme politischer Ämter ausschloss, auf 15 Monate. Allerdings, darauf wies Berenberg hin, müsse Le Pen weiterhin eine elektronische Fußfessel tragen. Sie hatte im Vorfeld des Urteils ausgeschlossen mit einer solchen bei der Präsidentschaftswahl anzutreten.
Deutsche Post legte erste Kennziffern für das zu Ende gegangene zweite Quartal vor. Danach liegt das vorläufige EBIT bei 1,85 Milliarden Euro, was deutlich besser als die Prognose der Bank of America von 1,583 Milliarden Euro ist. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern nun ein EBIT von über 6,5 Milliarden Euro in Aussicht - die Konsensschätzung liegt bei 6,5 Milliarden. Für die Aktie ging es um 1,7 Prozent nach oben.
Nach einem Pre-Close-Call ging es für Air France-KLM um 2,5 Prozent nach oben. Wie JP Morgan anmerkte, galt ein Treibstoff-Pass-Through von 60 Prozent bisher als guter Richtwert für das gesamte zweite Quartal. Da die Treibstoffpreise jedoch seit dieser Prognose gesunken seien, während sich die Umsatztrends erwartungsgemäß entwickelt hätten, könnte der Treibstoff-Pass-Through für das zweite Quartal letztlich höher ausfallen. Der Treibstoff-Pass-Through gibt an, wieviel Prozent der Treibstoff-Mehrkosten die Airlines an die Kunden weitergeben können.
Rüstungsaktien standen mit dem Nato-Gipfel in der Türkei im Blick, vor allem die weitere Entwicklung um den Milliardenauftrag von Kanada an die U-Bootwerft TKMS (-3%). Dieser gilt als klares politisches Signal in Richtung Europa und Nordpolar-Flotte, da auch Norwegen den selben U-Boot-Typ kauft. Unter den nordischen Rüstungswerten ging es für Saab um 2,1 Prozent nach oben.
Erst am Mittwochabend steht das Hauptereignis der Woche mit dem Protokoll der vergangenen Fed-Sitzung an. Denn es gibt erste Einblicke in die erste Sitzung des neuen Notenbankchefs Kevin Warsh. Kristina Clifton, Währungsstrategin bei der CBA, meint, Marktteilnehmer werden das Protokoll auf Bestätigung oder Widerspruch zu der restriktiven ersten Erklärung von Warsh analysieren. Das Protokoll könnte weniger Einblicke bieten als üblich, angesichts Warshs Ansicht, dass die Fed in der Vergangenheit zu viele Leitlinien gegeben habe. Fed-Gouverneur Christopher Waller verteidigte indes die Praxis der "Forward Guidance".
=== Index Schluss* Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 6.320 -1,2 +10,5 Stoxx-50 5.421 -0,7 +11,0 Stoxx-600 646 -0,7 +9,9 DAX 25.465 -1,4 +5,4 FTSE-100 London 10.652 +0,1 +7,3 CAC-40 Paris 8.480 -0,5 +4,1 AEX Amsterdam 1.082 -0,3 +13,8 ATHEX-20 Athen 6.503 -0,7 +21,5 BEL-20 Brüssel 5.732 -0,1 +12,9 BUX Budapest 143.587 -1,3 +29,3 OMXH-25 Helsinki 6.202 -1,0 +8,7 OMXC-20 Kopenhagen 1.646 +1,1 +2,4 PSI 20 Lissabon 9.217 +0,4 +11,5 IBEX-35 Madrid 19.684 -0,2 +13,7 FTSE-MIB Mailand 52.959 -1,0 +17,8 OBX Oslo 1.872 +0,5 +17,1 PX Prag 2.616 -0,1 -2,6 OMXS-30 Stockholm 3.236 -0,9 +12,2 WIG-20 Warschau 139.144 -0,4 +19,1 ATX Wien 6.566 -1,2 +23,3 SMI Zürich 14.302 +0,4 +7,8 * gerundet DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mo, 17:01 EUR/USD 1,1423 -0,2 -0,0017 1,1440 1,1418 EUR/JPY 184,97 -0,3 -0,4700 185,44 185,3800 EUR/CHF 0,9217 +0,1 0,0005 0,9212 0,9207 EUR/GBP 0,8541 -0,0 -0,0001 0,8542 0,8546 USD/JPY 161,9 -0,1 -0,1800 162,08 162,3300 GBP/USD 1,3371 -0,1 -0,0019 1,339 1,3356 USD/CNY 6,7934 -0,0 -0,0024 6,7958 6,7959 USD/CNH 6,8014 +0,1 0,0072 6,7942 6,7985 AUS/USD 0,6935 -0,2 -0,0017 0,6952 0,6937 Bitcoin/USD 63.872,43 +0,1 75,95 63.796,48 62.021,70 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 70,35 +2,6 1,80 68,55 Brent/ICE 74,06 +2,9 2,07 71,99 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.137,10 -0,6 -26,88 4.163,98 Silber 60,60 -2,4 -1,47 62,08 Platin 1.643,64 +0,8 12,64 1.631,00 (Angaben ohne Gewähr) ===
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