DJ MÄRKTE EUROPA/Leichter - Rüstung stärker unter Druck als Tech-Aktien
DOW JONES--Leichter zeigen sich die europäischen Börsen am Mittwoch nach Handelsstart. Belastend wirken die Vorgaben aus schwachen US-Technologiewerten und steigenden Ölpreisen. Der DAX fällt um 1,1 Prozent auf 25.180 Punkte, der Euro-Stoxx-50 sinkt um 0,8 Prozent auf 6.269 Zähler.
An der US-Technologiebörse hatte wie erwartet die Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq-100-Index belastet. Fondsmanager müssen Platz schaffen in ihren Portfolios bei Technologiewerten, da am Freitag auch noch das südkoreanische Schwergewicht SK Hynix in den USA an die Börse geht. Entsprechend brachen Chip-Aktien zwischen 4 Prozent bei Micron bis 10 Prozent bei Intel in den USA ein.
Dennoch wird die Marktreaktion am Morgen als recht widerstandsfähig bezeichnet, obwohl die USA erneut den Iran angegriffen haben. Der Brent-Ölpreis legt darauf um 2,4 Prozent auf fast 76 Dollar zu. Im Fokus der Marktteilnehmer steht am Abend das Protokoll der ersten Fed-Sitzung mit dem neuen Notenbank-Chef Kevin Warsh.
"Die Angriffe sind eine Erinnerung an die Risiken, denen die Ölindustrie trotz des Friedensabkommens, das die sichere Durchfahrt von Schiffen erlaubt, ausgesetzt ist", heißt es von den Analysten bei ANZ. Philip Wee, Devisenstratege bei DBS Group Research, sagt, der Schlagabtausch sei "eine Erinnerung daran, dass das eigentliche Risiko das Auslaufen des vorläufigen Waffenstillstandsabkommens Mitte August und die rote Linie bei den Transitgebühren in der Straße von Hormus bleibt".
Beim Fed-Protokoll am Abend erhoffen sich Marktteilnehmer mehr Einblick in die Denkweise von Kevin Warsh. Der US-Anleihemarkt ist angespannt, seit Warsh begonnen hat, mit Nachdruck über die Notwendigkeit zu sprechen, die Inflation wieder auf 2 Prozent zu senken. Gleichzeitig hatte Warsh betont, er wolle künftig weniger zukunftsgerichteten Aussagen über die Zinserwartungen der Fed-Mitglieder treffen. Das erhöht den Informationsbedarf für den Markt enorm.
In Neuseeland wurde der Zins indes um 25 Basispunkte am Morgen erhöht. Dies untermauert am Markt die Meinung, dass Zinserhöhungen ein anhaltendes Risiko stellten.
Europas Tech-Werte folgen Nasdaq-Einbruch nicht
Händler zeigten sich trotz des Nasdaq-Einbruchs bei europäischen Chip-Aktien entspannt: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es sich nur um Gewinnmitnahmen handelte. "Der SOX-Index hat sich in weniger als drei Monaten fast verdoppelt, da sind massive Gewinnmitnahmen auch mal normal", so ein Händler. Ein Zeichen dafür sei, dass sich Nvidia diesem Verkaufsdruck am Vorabend bereits entzogen habe, da sie bei der vorangegangenen Chip-Rally auch nicht dabei gewesen seien. Die Aktien gingen mit 0,7 Prozent Plus aus dem Handel. Entsprechend legen Europas Zugpferde wie STMicro und ASML sogar wieder um 1,5 Prozent zu. Auch BE Semiconductor erholen sich 1 Prozent.
Als Kursgewinner zeigen sich wie erwartet Ölaktien wie BP mit plus 1,6 Prozent, Repsol und Eni mit bis zu 2,8 Prozent. Verlierer sind wie üblich die Fluglinien, allerdings mit nur moderaten Verlusten. "Das ist ein Zeichen, dass der Markt die erneuten US-Angriffe auf den Iran nur als kurzfristiges Warnsignal an Teheran einstuft", so ein Händler. Entsprechend geben IAG nur 1,3 Prozent und Air France-KLM um 1,8 Prozent nach.
Das Minus von 3,2 Prozent bei Lufthansa sei indes ein Sonderfall und gehe auf die negative Studie der Citi zurück. Sie senkte die Aktie auf "Verkaufen". Dazu hat sich auch noch Barclays zurückhaltend zu der Airline geäußert und ihre "Underweight"-Empfehlung bestätigt.
Gewinnmitnahmen treffen Rüstung
Massivere Gewinnmitnahmen gibt es bei Rüstungs- und Luftfahrt-Aktien. "Die Welle ist global und war heute morgen schon in Korea zu sehen", sagt ein Händler. Der breite Branchen-Basket um Hanwha und anderen Rüstungswerte brach um über 9 Prozent ein, auch in Japan fielen Titel aus der Kawasaki- und Mitsubishi-Familie um je rund 4 Prozent. Es werde aus "alten Lieblingen" wie Chip- und KI-Werten sowie Rüstung umgeschichtet. Dies sei bemerkenswert angesichts des laufenden Nato-Gipfels. Dassault Aviation, Leonardo und Thales fallen bis zu 1,8 Prozent, Deutz, Safran, BAE Systems und Renk bis 2,2 Prozent, MTU Aero um 2,8 Prozent und Rheinmetall und CSG sogar bis zu 3,8 Prozent.
Die Aktien von DHL Deutsche Post geben um 0,6 Prozent nach. Händler sprechen von fehlenden Anschlusskäufen nach der erhöhten Prognose vom Vortag. "Die Aussagen zum Quartal waren zwar überraschend stark, aber die Gesamtjahresprognose deckte sich nur mit den Erwartungen vom Analystenkonsens", sagt ein Händler. Entsprechend hätten Banken wie Barclays, Bank of America oder Deutsche Bank darauf nur mit leicht erhöhten Kurszielen reagiert, Bernstein sei sogar skeptisch gewesen. Talanx fallen 4 Prozent nach einer Platzierung von 4,3 Millionen Aktien durch den Großaktionär.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 6.268,91 -0,8 -50,95 6.319,86 8,3 Stoxx-50 5.382,14 -0,7 -39,29 5.421,43 9,4 DAX 25.179,50 -1,1 -285,75 25.465,25 2,8 MDAX 32.121,21 -1,6 -505,83 27.039,42 4,9 TecDAX 3.792,07 -1,1 -40,78 3.091,28 4,7 SDAX 18.026,64 -0,7 -121,63 13.062,07 5,0 FTSE 10.578,55 -0,8 -87,33 10.665,88 6,5 CAC 8.353,65 -1,0 -82,59 8.436,24 2,5 SMI 14.233,52 -0,9 -126,93 14.360,45 7,3 ATX 6.458,71 -0,5 -29,52 6.488,23 21,3 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:40 EUR/USD 1,1425 +0,1 0,0014 1,1411 1,1426 EUR/JPY 185,4 +0,2 0,4200 184,98 184,9900 EUR/CHF 0,9215 -0,1 -0,0007 0,9222 0,9214 EUR/GBP 0,8547 +0,1 0,0008 0,8539 0,8542 USD/JPY 162,24 +0,1 0,1500 162,09 161,8700 GBP/USD 1,3365 +0,1 0,0013 1,3352 1,3374 USD/CNY 6,7957 +0,0 0,0023 6,7934 6,7934 USD/CNH 6,7998 -0,1 -0,0037 6,8035 6,8002 AUS/USD 0,6937 +0,1 0,0009 0,6928 0,6933 Bitcoin/USD 62.869,02 -1,3 -798,47 63.667,49 63.738,57 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 72,21 +2,5 1,77 70,44 Brent/ICE 75,93 +2,4 1,77 74,16 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.118,45 +0,3 12,75 4.105,70 Silber 60,50 +0,8 0,49 60,01 Platin 1.624,50 -1,0 -16,12 1.640,62 (Angaben ohne Gewähr) ===
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