
© Foto: Ovi C auf Pixabay (Symbolbild)
Was für ein Jahr für Nokia-Aktionäre. Erst die wochen- und monatelange Rally, dann vor kurzem der Rückschlag. Seit ein paar Wochen bröckelt der Kurs, während im Hintergrund ein Deal nach dem anderen verkündet wird. Google, AWS, Orange Belgium, dazu Drohnenabwehr und Erdbebensensoren aus Glasfaserkabeln. Klingt alles eher nach einer Erfolgsgeschichte, oder? Die Börse bzw. der Markt sieht das aktuell gerade anders, bzw. vielleicht war er einfach schon viel zu weit davongelaufen und hat die guten News schon längst im Kurs eskomptiert. Die spannende Frage lautet nunmehr: Wo findet der Kurs seinen Boden?
Neuerfindung von Nokia!
Nokia hat sich in den vergangenen Monaten ziemlich neu erfunden. Aus dem klassischen Netzwerkausrüster wird gerade ein Unternehmen, das mitten im KI-Boom mitmischt. Mit Amazon baut man an einem Netzwerk, das sich künftig selbst verwaltet. Mit Google kommen KI-Agenten, die Fehler im Netz deutlich schneller finden sollen. Orange Belgium setzt exklusiv auf die neue Automatisierungsplattform WaveSuite. Und dann ist da noch das Projekt mit FiberCop, bei dem ganz normale Glasfaserkabel zu Sensoren werden, die Erdrutsche oder Überschwemmungen erkennen. Nebenbei testet Nokia robuste 5G-Technik mit der Ukraine und entwickelt mit dem finnischen Grenzschutz Systeme gegen Drohnen. Viel Bewegung also, viel Substanz (eigentlich) auch. Der Cloud-Umsatz legte im ersten Quartal um 49 Prozent zu, der Auftragsbestand in diesem Bereich liegt bei knapp einer Milliarde Euro. Trotzdem verlor die Aktie seit dem Juni-Hoch bei 14,99 Euro schon deutlich an Wert.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart zeigt, warum viele Anleger gerade vorsichtig sind. Die Aktie ist unter den 50-Tage-Durchschnitt bei 12,04 Euro gerutscht und tendiert seither eher weiter schwächer. Aktuell steht der Kurs bei rund 10,70 Euro. Als nächste wichtige Marke gilt die runde Zahl bei 10 Euro. Sollte die nicht halten, rückt die 200-Tage-Linie in den Fokus, die aktuell bei etwa 7,48 Euro verläuft. Dort war die Aktie zuletzt im Frühjahr unterwegs, bevor die große Beschleunigung der eingeschlagenen Rally begann. Die Schwankungsbreite bleibt auf Jahressicht hoch, das macht schnelle und teils heftige Kursausschläge in beide Richtungen möglich, wobei das Momentum sich umgekehrt hat und jetzt erst einmal abwärtsgerichtet scheint.
Was tun?
Fundamental sieht bei Nokia vieles positiv aus. Die KI- und Cloud-Sparte wächst kräftig, neue Aufträge kommen fast im Wochentakt, und Analysten wie die von der Danske Bank oder der Bank of America bleiben mit Kurszielen von 14 bis über 15 Euro optimistisch gestimmt. Charttechnisch dagegen wirkt das Bild angeschlagen, der Trend zeigt derzeit nach unten. Am 23. Juli legt Nokia die Halbjahreszahlen vor, dieser Termin dürfte zeigen, ob die vielen Partnerschaften auch tatsächlich Umsatz und Gewinn beflügeln. Bis dahin spricht einiges dafür, weiter Geduld zu haben. Wer schon investiert ist, kann die Zahlen abwarten. Wer neu einsteigen möchte, findet bei einem Rücksetzer Richtung 200er SMA bei, bzw. um die 7,50 - 8,00 Euro möglicherweise einen günstigeren Zeitpunkt als jetzt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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