DJ MÄRKTE EUROPA/Ende des Waffenstillstands USA/Iran belastet die Börsen
DOW JONES--Das Ende der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die europäischen Aktienmärkte zur Wochenmitte deutlich belastet. US-Präsident Donald Trump hatte den Waffenstillstand mit dem Iran als beendet bezeichnet. Dem waren erneute gegenseitige Angriffe vorausgegangen, offenbar ausgelöst durch iranische Angriffe auf Handelsschiffe. Daraufhin hatten die USA auch Sanktionen gegen iranische Ölverkäufe wieder eingesetzt. Trump warnte außerdem, die USA würden wahrscheinlich weitere Angriffe auf den Iran durchführen und erwägen, erneut eine Seeblockade gegen Teheran zu verhängen. Er vermied es jedoch, zu sagen, dass die USA den Krieg wieder aufnehmen würden, und erklärte, er würde die Gespräche fortsetzen lassen, sofern die Parteien dazu bereit seien.
Der DAX verlor 2,2 Prozent auf 24.897 Punkte, nachdem er im Tagestief schon bis auf 24.830 Punkte abgerutscht war. Der Euro-Stoxx-50 reduzierte sich um 1,8 Prozent auf 6.205 Punkte. Für den Ibex-35 in Madrid ging es mit einem Minus von 2,7 Prozent noch stärker abwärts. "Wir wollen keine Handelsgeschäfte mehr mit Spanien machen", so Trump beim Nato-Gipfel. Er bezeichnete Spanien als "schrecklichen Partner" in der Militärallianz. Die Aktien des Baukonzerns Acerinox - der wichtige Aktivitäten in den USA unterhält - fielen um 5 Prozent.
Im Gegenzug ging es mit dem Ölpreis steil nach oben. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent stieg um 8,6 Prozent auf 80,55 Dollar. Dies schürte wiederum Inflationsängste und damit verbunden Spekulationen um Zinserhöhungen.
"Jeder erneute Angriff auf die Handelsschifffahrt untergräbt das Vertrauen in eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus weiter und macht jede künftige Erholung fragiler als die vorherige", sagte Michelle Brouhard, Leiterin für Politik und geopolitische Risiken bei Kpler. "Wenn jede Wiedereröffnung als vorübergehend angesehen wird, bleiben die Frachtraten hoch, die Versicherungskosten steigen und weniger Schiffe sind bereit, in den Golf zurückzukehren." Von der Aussicht auf wieder steigende Frachtraten profitierten die Aktien der Reedereien Moeller-Maersk (+2,9%) und Hapag-Lloyd (+1,0%).
Die europäischen Subindizes Auto (-3,7%), Banken (-3,5%) und Rohstoffe (-4,4%) waren die Hauptverlierer. Dagegen hielten sich Versorgeraktien mit Abgaben von 0,6 Prozent deutlich besser. Tagessieger waren Energietitel dank steigender Ölpreise, deren Subindex um 1,9 Prozent kletterte. BP stiegen um 3,5 Prozent, Repsol und Eni gewannen bis zu 5,1 Prozent.
Dagegen zeigten sich die Aktien von Fluggesellschaften mit Abgaben. Air France-KLM fielen um 6,6 Prozent, die Papiere von Ryanair rutschten um 2,6 Prozent ab und IAG um 4,7 Prozent. Die Titel der Lufthansa verloren 6,5 Prozent. Hier kamen noch negative Analysten-Kommentare hinzu. So hat Citi die Einstufung auf "Verkaufen" gesenkt. Dazu hat sich auch Barclays zurückhaltend geäußert und die "Underweight"-Empfehlung bestätigt.
Das Fed-Protokoll am Abend trat angesichts der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund. Marktteilnehmer erhoffen sich mehr Einblicke in die Denkweise des neuen US-Notenbankpräsidenten Kevin Warsh. Der US-Anleihemarkt ist angespannt, seit Warsh begonnen hat, mit Nachdruck über die Notwendigkeit zu sprechen, die Inflation wieder auf 2 Prozent zu senken. Gleichzeitig hatte Warsh betont, er wolle künftig weniger zukunftsgerichteten Aussagen über die Zinserwartungen der Fed-Mitglieder treffen. Das erhöht den Informationsbedarf für den Markt enorm.
Commerzbank fielen um 2,3 Prozent. Unicredit hat im Zuge des Übernahmeangebots ihre Beteiligung an der Commerzbank signifikant ausgebaut, die italienische Bank bleibt allerdings unterhalb einer Mehrheitsbeteiligung. Rechnerisch kommt Unicredit bei der Commerzbank nach Ende der weiteren Annahmefrist auf 44,37 Prozent der Anteile. Inklusive der 3,22 Prozent an Kaufoptionen über Total Return Swaps, die in Aktien getauscht werden können, sind der Unicredit laut Mitteilung 47,59 Prozent an der Commerzbank zuzurechnen. Die Aktien von Unicredit büßten 2,9 Prozent ein.
Vivendi brachen um 11,7 Prozent ein. Ein französisches Berufungsgericht hat entschieden, dass Großaktionär Vincent Bollore keine beherrschende Stellung bei der alten Vivendi SE innegehabt habe und daher auch kein Übernahmeangebot abgeben müsse. Bollore hatte die damalige Struktur des Mischkonzerns im Jahr 2024 aufgebrochen. Daraus gingen die TV-Kette Canal+, die Werbeagentur Havas und Verlagsgruppe Louis Hachette hervor. Deren Aktien gaben um bis zu 3,5 Prozent nach.
=== Index Schluss* Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 6.205 -1,8 +9,1 Stoxx-50 5.350 -1,3 +10,2 Stoxx-600 636 -1,6 +9,1 DAX 24.897 -2,2 +4,0 FTSE-100 London 10.666 -1,7 +7,4 CAC-40 Paris 8.436 -2,2 +3,5 AEX Amsterdam 1.079 -0,3 +13,4 ATHEX-20 Athen 6.455 -2,2 +20,6 BEL-20 Brüssel 5.724 -1,6 +12,7 BUX Budapest 141.692 -0,6 +27,6 OMXH-25 Helsinki 6.137 -1,3 +7,6 OMXC-20 Kopenhagen 1.664 -1,3 +3,5 PSI 20 Lissabon 9.249 -1,8 +11,9 IBEX-35 Madrid 19.640 -2,7 +13,5 FTSE-MIB Mailand 52.455 -1,2 +16,7 OBX Oslo 1.881 +0,6 +17,8 PX Prag 2.613 -0,8 -2,7 OMXS-30 Stockholm 3.205 -1,9 +11,2 WIG-20 Warschau 139.058 -0,1 +18,7 ATX Wien 6.488 -1,7 +21,8 SMI Zürich 14.360 -1,3 +8,2 * gerundet DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:40 EUR/USD 1,1395 -0,1 -0,0016 1,1411 1,1426 EUR/JPY 185,37 +0,2 0,3900 184,98 184,9900 EUR/CHF 0,9234 +0,1 0,0012 0,9222 0,9214 EUR/GBP 0,8528 -0,1 -0,0011 0,8539 0,8542 USD/JPY 162,64 +0,3 0,5500 162,09 161,8700 GBP/USD 1,3358 +0,0 0,0006 1,3352 1,3374 USD/CNY 6,8025 +0,1 0,0091 6,7934 6,7934 USD/CNH 6,8093 +0,1 0,0058 6,8035 6,8002 AUS/USD 0,691 -0,3 -0,0018 0,6928 0,6933 Bitcoin/USD 61.688,11 -3,1 -1.979,38 63.667,49 63.738,57 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 75,90 +7,8 5,46 70,44 Brent/ICE 80,55 +8,6 6,39 74,16 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.033,89 -1,7 -71,81 4.105,70 Silber 57,39 -4,4 -2,62 60,01 Platin 1.567,92 -4,4 -72,70 1.640,62 (Angaben ohne Gewähr) ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
DJG/ros/brb
(END) Dow Jones Newswires
July 08, 2026 12:14 ET (16:14 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
