DJ Fed-Protokoll: Notenbanker zunehmend besorgt wegen Inflationsaussichten
Von Nick Timiraos
DOW JONES--Bei der jüngsten Sitzung der US-Notenbank waren sich die Geldpolitiker weitgehend einig: Die Zinssätze müssten angehoben werden, wenn die Inflation in diesem Jahr erhöht bleibt. Gründe dafür könnten der Krieg im Nahen Osten, Zölle oder eine starke Nachfrage durch den KI-getriebenen Investitionsboom sein. Gleichzeitig waren die meisten Notenbanker der Ansicht, dass die Fed die Zinsen auf dem aktuellen Niveau belassen oder letztendlich senken könnte, falls der Inflationsdruck relativ bald nachlässt, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Sitzung hervorgeht.
Das mit einer Verzögerung von drei Wochen veröffentlichte Protokoll zeigte eine wachsende Sorge über die Inflationsaussichten. Mehr Notenbanker wiesen auf starke Unternehmensinvestitionen durch den KI-Ausbau als eine neue Kraft hin, die den Preisdruck aufrechterhalten könnte. "Einige Teilnehmer merkten an, dass der Preisdruck auf breiterer Basis stattfindet, wobei ein großer Teil der Waren und Dienstleistungen ... erhebliche Anstiege verzeichnet", hieß es im Fed-Protokoll.
Nach den Beratungen am 16./17. Juni hatte der Offenmarktausschuss FOMC beschlossen, den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen, was allgemein erwartet worden war. Zugleich machte das Gremium deutlich, dass es nicht mehr mit einer Lockerung der Geldpolitik rechnet. Der neue Fed-Chairman Kevin Warsh betonte den Willen des FOMC, die seit einigen Jahren erhöhte Inflation auf den Fed-Zielwert von 2 Prozent zurückzuführen. Fed-Funds-Futures preisen bis Jahresende eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein.
Warsh kündigte außerdem die Gründung von fünf Arbeitsgruppen an, die sich mit Kommunikation, Bilanz, Daten, Produktivität und Arbeitsmarkt sowie Inflation beschäftigen werden. Die Arbeitsgruppen verfolgten das gemeinsame Ziel einer Fed, die sich ihrer Aufgabe bewusst sei, ihren Zweck erfülle und den Blick auf die Zukunft richte, sagte Warsh. Die Gruppen sollen in den nächsten Wochen ihre Arbeit aufnehmen und diese bis zum Jahresende abschließen.
Die Fed-Notenbanker strichen auf ihrer Sitzung vom 16. bis 17. Juni zudem einstimmig jegliche Hinweise auf künftige geldpolitische Änderungen aus ihrer Erklärung. Dennoch werteten Investoren die FOMC-Sitzung des vergangenen Monats als einen Schritt in Richtung höherer Zinsen. Grund dafür waren Zinsprognosen, die eine größere Gruppe zeigten, welche Zinserhöhungen erwartet. Neun von 18 Sitzungsteilnehmern planten mindestens eine Zinserhöhung bis Dezember ein. Im März hatte dies noch niemand getan. Nur einer erwartete niedrigere Zinsen, verglichen mit zwölf im März.
Warsh selbst gab keine Prognose ab. Sein wiederholtes Versprechen, Preisstabilität zu gewährleisten, verstärkte jedoch den Eindruck eines geldpolitischen Ausschusses, der zu einer Straffung neigt.
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