DJ EZB-Rat vor nun gekündigtem Abkommen USA-Iran zu weiterer Straffung bereit
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) war am 11. Juni, eine Woche vor Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens zwischen den USA und dem Iran, prinzipiell zu einer weiteren Straffung seiner Geldpolitik bereit. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Protokoll der Beratungen hervorgeht, sah das Gremium angesichts der unübersichtlichen Lage am Golf zwar von einer entsprechenden Aussage ab, signalisierte aber, dass die am 11. Juni beschlossene Zinserhöhung um 25 Basispunkte auch im Falle eines "milderen" als damals sich abzeichnenden Szenarios angemessen gewesen wäre. Zudem wies es darauf hin, dass das Basisszenario der Stabsprojektionen zwei weitere Zinserhöhungen vorsehe.
Die USA und der Iran hatten am 17. September ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Daraufhin fiel der Ölpreis stark und die Inflationsrate ging im Juni von 3,2 auf 2,8 Prozent zurück, wobei auch die Kernflationsrate fiel - von 2,6 auf 2,4 Prozent. Einige Analysten haben seither die Richtigkeit der Zinsanhebung im Juni angezweifelt. In dieser Woche allerdings haben die Kämpfe am Golf erneut begonnen, und US-Präsident Donald Trump hat das Abkommen für gescheitert erklärt. Daraufhin zog der Ölpreis deutlich an, ohne jedoch das Niveau von Anfang Juni zu erreichen.
"Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit wurde es als wichtig erachtet, auf jegliche Forward Guidance bezüglich des künftigen Zinspfads zu verzichten. Die Kommunikation solle neutral bleiben und weder andeuten, dass die aktuelle Entscheidung die erste in einer Reihe anstehender Leitzinserhöhungen sei, noch, dass es sich um einen einmaligen Schritt handle", heißt es in dem Protokoll.
Die Vermeidung einer Vorabfestlegung könnte dazu beitragen, effektiv auf verschiedene Szenarien bezüglich der Entwicklung des Schocks einzugehen. Gleichzeitig sei eine anhaltende Wachsamkeit unerlässlich, und es sei wichtig anzuerkennen, dass weitere Leitzinserhöhungen in den Basisprojektionen enthalten seien. Daher sei es von entscheidender Bedeutung zu kommunizieren, dass der EZB-Rat fest entschlossen sei, mittelfristig eine Inflation von 2 Prozent zu gewährleisten. Zudem überwache das Gremium die Situation genau und bleibe agil sowie flexibel, um alles Notwendige zu tun, um auf Bedrohungen für das Ziel der Preisstabilität zu reagieren.
Die nächste Zinsentscheidung steht am 23. Juli an. ESTR-Forwards preisen die nächste Zinserhöhung, um 25 Basispunkte, für die Sitzung am 10. September zu 80 Prozent ein.
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