GREVENSTEIN (dpa-AFX) - Vor dem Hintergrund des schrumpfenden deutschen Biermarktes hat die Großbrauerei Veltins nur durch den Zukauf der Marke Karamalz ihren Wachstumskurs fortsetzen können. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Getränkeabsatz des Familienunternehmens C.& A. Veltins um 1,3 Prozent auf 180 Millionen Liter. Das ist das dritte Halbjahresplus in Folge.
Aber ohne die Übernahme des Malzgetränks von der Brauerei Eichbaum in Mannheim wäre der Absatz der Großbrauerei im Sauerland um 2,5 Prozent gesunken. Die Stammmarke Veltins Pils verlor im ersten Halbjahr 4,3 Prozent Absatz. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass Veltins die Preise angehoben hat, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Volker Kuhl.
Anstatt Geld auszugeben, hielten Verbraucher ihre Geldbeutel geschlossen und kehrten im Alltag zu extremer Preissensibilität zurück. Das bekomme auch die Gastronomie zu spüren. Die schwache Nachfrage nach Bier habe sich gerade wieder in den ersten fünf Monaten 2026 gezeigt. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2022 schrumpfte der Biermarkt um 400 Millionen Liter. "Wir haben tatsächlich eine manifeste Strukturkrise der Branche."
Insolvenzen und Standortaufgaben
"Es geht nicht mehr um ein temporäres Tal, das durchgestanden werden muss, sondern um eine dauerhafte Marktbereinigung", verdeutlichte er. Etliche Insolvenzen, Standortaufgaben und Verkäufe von zum Teil auch sehr traditionsreichen Brauereibetrieben in jüngster Zeit zeigten, dass "es hier nicht mehr irgendwie so ein kleines Problem ist, sondern dass insbesondere im mittelständischen Bereich eine harte Konsolidierung stattfindet".
Veltins ist nach der Übernahme der Marke Karamalz für weitere mögliche Zukäufe auch von Brauereien offen, wie Kuhl deutlich machte. Aus Gründen der Vertraulichkeit könne man aber nicht einzelne Markennamen öffentlich durchgehen. "Nur das grundsätzliche Interesse ist vorhanden, uns auch mit anderen Produktionsstätten zu beschäftigen." Die eigene Großbrauerei in Meschede stoße mit der Karamalz-Produktion an ihre Kapazitätsgrenzen.
Werden Rezepturen verändert?
Die geplante Zuckersteuer auf Getränke der Bundesregierung könnte zu einer erheblichen Belastung führen. Mit Blick auf die eigene Fassbrause, Radler und Malzgetränk würde das die Veltins-Brauerei schätzungsweise 12 Millionen Euro pro Jahr zugunsten der Bundeskasse kosten - bei gleichen Preisen und unveränderten Rezepturen. Zu prüfen sei, ob die Rezepturen verändert werden etwa mit Süßungsmittel oder geringerem Zuckergehalt./vd/DP/stk
