DJ MARKT-AUSBLICK/Hoffen auf Ablenkung durch Berichtssaison
Auf ein schwieriges Börsenumfeld müssen sich Anleger ab der kommenden Woche einstellen. Obwohl die Chancen für neue DAX-Rekorde gut stehen, ist gleichzeitig das Ereignisrisiko wieder gestiegen. Die Börsen reagieren sofort und scharf auf jede noch so kleine Trump-Aussage, da spielt es keine Rolle, wie ernstgemeint sie ist.
Vor allem die Aufkündigung des Waffenstillstands mit Iran hatte in der abgelaufenen Woche mit einem kräftigen Ölpreis-Anstieg Schockwellen durch die Märkte gejagt. Am nächsten Tag wurde dies von Trump gleich wieder relativiert, was die Anleger beruhigte.
Trump-Aussagen als Event-Risiko
Anlegern nutzt es aber nichts, solche Aussagen auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen. Denn im Zeitalter des computerisierten Handels schlagen solche Aussagen augenblicklich auf die Märkte durch, egal wie bizarr sie auch sein mögen. Besonders Anleger mit zu engen Stop-Marken sind dann die Leidtragenden; sie fliegen aus ihren Aktienpositionen raus, sind dann aber bei der darauf folgenden Erholung nicht mit dabei. Am Ende bleiben nur sie mit einem realisierten Verlust zurück.
Von allen Risikomärkten wie Aktien-, Devisen-, Anleihe- und Kreditmarkt hieß es daher im Wochenverlauf, da könne man nichts machen. Lediglich ein erhöhtes Risikobewusstsein, weniger Selbstsicherheit, kleinere Positionen und andere Vorsichtsmaßnahmen schützten. Die Optionsprämien im VDAX, als Maß für die Versicherungskosten von DAX und Aktien, schossen jedenfalls an die 30 Prozent nach oben.
Sommerpause mit Inflation
Gerade die nun anstehende Sommerpause erhöht nach Händlerangaben die Gefahr, dass die Börsen sofort auf geopolitische Aussagen reagieren. Das dünne Volumen im Sommer verstärkt die Ausschläge. Gleich wichtige Themenkomplexe gibt es nicht. Die nächsten relevanten Zinssitzungen der Notenbanken sind weit weg: Von der EZB ist erst in knapp zwei Wochen und von der US-Notenbank in rund drei Wochen etwas zu hören.
Entsprechend dürften die neuesten Inflationsdaten für Juni in den Fokus rücken. Am Dienstag stehen die US-Verbraucher- und am Mittwoch die US-Erzeugerpreise an. Zum Ende der Woche folgen dann die Verbraucherpreise aus der Eurozone. Diskussionsstoff wird es aber nur bei großen Abweichungen von den erwarteten Zahlen geben. Die Antwort der Analysten dürfte wie üblich den zwei großen Lagerbildungen folgen: Die einen sehen eine strukturelle Stagflation, die anderen nur einen temporären Schock durch die zwischenzeitlichen Ölpreis-Rekorde.
Berichtsaison könnte für erhoffte Ablenkung sorgen
Dazu läuft die Berichtssaison an. Hier hoffen Marktteilnehmer, dies könne die Börsen etwas widerstandsfähiger gegen geopolitische Risiken machen. In den USA beginnt sie ab Dienstag wie üblich mit den Quartalszahlen aller großen Banken wie Bank of America, JP Morgan, Goldman, Citi und anderen. Da sie massiv verdient hatten beim Börsengang von SpaceX, werden Rekordzahlen geradezu vorausgesetzt.
Dazu folgt ein Mix von Unternehmen aus allen Sektoren der Wirtschaft. Dazu gehören GE Aerospace, Alcoa, United Airlines und Netflix. Klare Branchentendenzen werden sich kommende Woche daraus nicht ableiten lassen.
In Europa finden viele Vorberichte (Pre-Close Calls) aus der Autoindustrie statt. Gerade vor dem Hintergrund der VW-Probleme dürften Branchenaussagen genauestens verfolgt werden. Daneben gibt es erste Daten von ABN Amro über Burberry und Ericsson bis hin zu ASML. Letztere werden aber ausschließlich im Zusammenhang mit der US-Hausse bei KI-Werten bewertet, eine marktweite Bedeutung für das alte Europa haben sie nicht mehr.
Bei den Konjunkturdaten ist es in Europa relativ ruhig. In den USA stehen einige Barometer an wie Empire-State- und Philadelphia-Fed-Index, dazu das Beige Book der Fed. Aber auch sie waren zuletzt in den Hintergrund des Marktinteresses gerückt, da es keine Zweifel daran gibt, dass die US-Konjunktur brummt.
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July 10, 2026 05:57 ET (09:57 GMT)
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