
© Foto: fn Symbolbild
TKMS, der Kieler Schiffbauer, hat zuletzt gerade die größten Aufträge der Unternehmensgeschichte eingefahren. Kanada bestellt bis zu zwölf U-Boote, Deutschland genehmigte vier Fregatten für 6,3 Milliarden Euro. Zusammen ein Geschäft im zweistelligen Milliardenbereich. Doch was eigentlich ein Grund zum Feiern sein sollte, wird an der Börse zwar zu keiner Bruchlandung, aber eher tatsächlich zu einem Rohrkrepierer. Die Aktie fiel stattdessen, und Anleger nutzten die guten Nachrichten zum Ausstieg. Was ist los mit TKMS? Warum dieser Widerspruch zwischen Erfolgsmeldung und Kursrealität? Und lohnt sich noch ein Einstieg, wenn die Aktie wieder an die 100-Euro-Marke herankommen sollte?
Die Auftragsflut und ihre versteckte Schattenseite
Das Unternehmen lebt gerade in einem Auftrags-Rausch. Allein der kanadische Deal könnte rund 20 Milliarden Euro einbringen, je nach Rechnung auch mehr über die Jahre hinweg, wenn man die kompletten Supportleistungen einrechnet. Dazu kommen die deutschen Fregatten und nun auch noch die Chance auf einen indischen U-Boot-Auftrag im Rahmen des "Project 75-I". Die Auftragsbücher sind bis in die 2040er Jahre gefüllt. Ein Traum für jeden Rüstungskonzern. Nur ist zu sehen, dass der Markt das gar nicht so sehr feiert. Die Profis an der Börse stellen nämlich eine unangenehme Frage. Sie fragen sich nicht mehr, ob TKMS Aufträge gewinnt. Das ist quasi schon klar. Sie fragen, ob das Unternehmen diese Aufträge auch profitabel abwickeln kann. Und hier wird es düster. Die neuen Fregatten kosten laut Bundeswehr etwa 6,3 Milliarden Euro für vier Schiffe. Man sollte aber berücksichtigen, dass die Fregatten-Kosten in den letzten Jahren um rund 70 Prozent gestiegen sind. Ähnlich beim Kanada-Geschäft. Lange Entwicklungszeiten, enge Kostenkontrolle durch die Regierung, parallele Großprojekte an den Werften in Kiel und Wismar. Da entstehen schnell Engpässe, Verzögerungen, Zusatzkosten. Hinzu kommt eine neue politische Realität, denn der Bundestag verschärft künftig die Kontrolle. Jede Kostensteigerung muss sofort dem Verteidigungsministerium gemeldet werden. Viele Analysten zweifeln, ob das gutgeht.

Charttechnik
Beim Blick auf den Chart zeigt sich, dass die Aktie seit dem letzten Hoch bei 100,20 Euro wieder abgetaucht ist auf 81,20 Euro. Das sind fast 20 Prozent Kursverlust. 100 Euro ist auch künftig die entscheidende Hürde. Solange TKMS unterhalb davon bleibt, droht weiterer Verlust, denn wer genauer hinschaut, sieht aber auch, dass der 50-Tage-Durchschnitt bei etwa 78,64 Euro liegt. Diese Linie muss halten, sonst geht es wieder Richtung 70 Euro. Der RSI steht aktuell bei rund 51 Punkten. Das bedeutet weder überkauft noch überverkauft. Dennoch ist der Markt nervös, jede kleine Nachricht lässt die Aktie zucken. Schafft es TKMS nachhaltig über die 100 Euro-Marke, öffnet sich der Weg Richtung 120 bis 130 Euro. Rutscht die Aktie aber sogar unter 70 Euro, könnte es bis 50 Euro weiter fallen.
Was tun?
Für Anleger bleibt es ein Spiel mit Chancen, aber auch Risiken, denn die fundamentale Situation ist zwiespältig: Riesige Aufträge sind positiv, aber Margenrisiken und Zeitdruck sind real. Die jüngsten Quartalsausgaben zeigten zwar wachsende Umsätze, aber auch Druck auf die Gewinne, weil die Investitionen die Gewinne aufzehren. Charttechnisch ist ein Einstieg in der Nähe der 80-Euro-Marke interessant mit engem Stopp bei z. B. 76 oder 77 Euro (knapp unter dem 50er SMA) mit Reboundhoffnung auf die 100 Euro. Darüber sogar 120 - 130 Euro. Die Story ist nicht vorbei, aber sie ist auch nicht risikofrei. Es kommt jetzt auf die Quartalsberichte an und darauf, ob TKMS die Kontrolle über die Kosten behält und natürlich auch darauf, ob die charttechnische Unterstützung hält.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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