
© Foto: BoliviaInteligente auf Unsplash.
Die Anteile von Microsoft befinden sich bereits seit Monaten in einer hartnäckigen Korrektur, doch langsam hellt sich das Chartbild der Aktie auf. Eine Einstiegschance?
Microsoft: Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist dahin
Schon seit Monaten geht es für die Anteile von Software-Unternehmen fast ausschließlich bergab. Groß ist unter Investoren die Sorge vor einer Disruption der Geschäftsmodelle durch Künstliche Intelligenz, was zu einer Neubewertung der Branche geführt hat. Diese hat selbst vor der Aktie von Microsoft nicht Halt gemacht, das mit seiner Beteiligung an OpenAI eigentlich selbst im Mittelpunkt des KI-Booms steht.
Gegenüber dem Jahreswechsel haben die Anteile über 20 Prozent verloren. Vom Rekordhoch bei rund 555,00 US-Dollar hat die Microsoft-Aktie zeitweise sogar 37 Prozent zurückgesetzt - ein Bärenmärkt beginnt laut technischer Definition bereits bei einem Minus von 20 Prozent. Streng genommen müsste man im Fall der in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnten Aktie von einem Crash sprechen.
Trotz bestätigter Befürchtungen: Aktie auf Erholungskurs
Dass es sich bei den empfindlichen Kursverlusten nicht bloß um eine Übertreibung der Marktteilnehmenden, sondern um ernstzunehmende Sorgen handelt, hat in der vergangenen Woche eine zunächst unscheinbar wirkende Mitteilung des US-Kaffeerösters Starbucks bewiesen. Der gibt nach eigenen Angaben jedes Jahr rund 400 Millionen US-Dollar für Software-Lizenzen aus - und will hier mit Eigenentwicklungen den Rotstift ansetzen. Ersetzt werden sollen laut Bloomberg vor allem Instandhaltungssoftware von IBM und Inventarverwaltungswendungen von Microsoft.
Macht das Beispiel von Starbucks Schule und Unternehmenskunden setzen verstärkt darauf, mithilfe von agentischer KI und Coding-Tools wie Claude Mythos maßgeschneiderte Softwarelösungen zu entwickeln, bestätigt das die schlimmsten Befürchtungen der Anlegerinnen und Anlegern und lässt die Kursverluste der vergangenen Monate rückblickend als gerechtfertigt erscheinen.
Doch mit Blick auf den Chart der Microsoft-Aktie sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, denn hier zeichnet sich pünktlich zum Start der US-Quartalssaison eine verbesserte Ausgangslage mit Erholungschancen ab. Ist das jetzt einen Einstieg auf der Long-Seite wert?

Microsoft-Aktie: Noch überwiegen die Verkaufssignale
Nach neuen Allzeithochs und einem Doppel-Top im Bereich von 550 US-Dollar befindet sich die Microsoft-Aktie bereits seit fast einem Jahr in einem anhaltenden Abwärtstrend. Technisch ist dieser bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren RSI und MACD anzulasten, welche die Rekordnotierungen nicht mit eigenen Hochs bestätigt hatten. Fundamental sind die Neubewertung innerhalb der Software-Branche sowie die Befürchtungen von Investoren, die milliardenschweren KI-Investitionen könnten Wachstum zu teuer erkaufen, für die Kursverluste verantwortlich.
Die Hartnäckigkeit der Kursverluste ist zurückzuführen auf eine gravierende Eintrübung der charttechnischen Ausgangslage, nachdem es zum Jahreswechsel zu einem Death Cross der gleitenden Durchschnitte und damit zu einem markanten Verkaufssignal gekommen war. Auch der Absturz unter die 200-Tage-Linie war ein Zeichen großer technischer Schwäche - genau hier endete der letzte Erholungsversuch der Aktie, was den Charakter der 200-Tage-Linie als Widerstand anzeigt und bedeutet, dass bei Microsoft eine übergeordnete Trendwende droht.
Bullishe Divergenzen lassen jetzt Hoffnung aufkeimen ...
Gleichzeitig ist es im Bereich von 350,00 US-Dollar immer wieder zu Kaufinteresse gekommen, womit ein Mehrfachboden vorliegt. Dieser diente auch als Sprungbrett für die jüngst angelaufene Erholung, die zusätzlich von bullishen Divergenzen im Relative-Stärke-Index (RSI) und im Trendstärkeindikator MACD begleitet wird. Das ist ein Indiz dafür, dass der neue Aufwärtsimpuls etwas mehr Nachhaltigkeit entfalten könnte als die letzten Erholungen.
Prozyklische Kaufsignale liegen zwar noch keine vor, hierfür müsste Microsoft mindestens über 400,00 US-Dollar klettern und die 50-Tage-Linie zurückerobern, doch der RSI im leicht positiven Bereich (oberhalb von 50 Zählern) sowie der MACD, der zumindest seine Signallinie überwunden hat und damit nachlassenden Verkaufsdruck anzeigt, sprechen dafür, dass genau das jetzt gelingen und die Aktie ihre Ausgangslage weiter verbessern könnte.
Eine nachhaltige Trendwende ist vorerst aber nicht zu erwarten. Hierfür müssten die Anteile des Software-Riesen sowohl über die Abwärtstrendlinie als auch den Widerstandsbereich zwischen 440,00 und 450,00 US-Dollar klettern, wo neben der 200-Tage-Linie auch ein Horizontalwiderstand liegt. Hierfür liefert das Chartbild aber noch zu wenige Anhaltspunkte. Um das verbesserte Setup nicht zu gefährden, darf Microsoft aber nicht nachhaltig unter 350,00 US-Dollar fallen. Damit kommt den in 2 Wochen erwarteten Quartalszahlen voraussichtlich eine vorentscheidende Bedeutung zu.
Fazit: ... aber die Aktie bleibt vorerst nur etwas für Antizykliker
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung wird Microsoft gegenwärtig mit einem KGVe 2026 von 22,9 gehandelt. Das liegt um mehr als ein Viertel unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 31 und deutet auf eine strukturelle Unterbewertung hin - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Neubewertung innerhalb der Branche mit deutlich geringeren Gewinnvielfachen als noch in der Vergangenheit nicht nachhaltig ist. Auch bei anderen Kennziffern wird Microsoft mit Abschlägen von 25 bis 35 Prozent gegenüber seiner historischen Norm gehandelt. Das spricht von fundamentaler Seite aus für eine Einstiegschance.
Da es aktuell aber noch an klaren prozyklischen Signalen fehlt, und zwar sowohl von technischer als auch von fundamentaler Seite her, sollten hier gegenwärtig nur antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger einsteigen und den Stopp unterhalb von 350,00 US-Dollar beachten. Alle übrigen Investoren sollten abwarten, bis sich entweder das Chartbild weiter aufgehellt oder Microsoft mit seinen Quartalszahlen den Beweis angetreten hat, nicht als Verlierer aus dem KI-Boom hervorzugehen.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




