BERLIN (dpa-AFX) - Der Wehrbeauftragte Henning Otte warnt nach der Einführung des neuen Wehrdienstes vor einer Benachteiligung des Bestandspersonals der Bundeswehr. "Soldatinnen und Soldaten haben mir berichtet, dass sie ihre Stuben für erwartete Freiwillige räumen mussten, die dann gar nicht in der prognostizierten Zahl kamen", sagte der CDU-Politiker im "Welt"-Interview. Das sorge verständlicherweise für Missstimmung.
Die Bundeswehr dürfe sich nicht nur um Bewerber kümmern, sondern müsse auch diejenigen im Blick behalten, die bereits ihren Dienst leisten. "Dafür braucht es eine verlässliche strategische Planung, die sich an der Realität orientiert", sagte Otte. Als Beispiel nannte er Mietkostenzuschüsse, die den regionalen Wohnungsmärkten Rechnung tragen.
Otte beklagte weiter, dass der Aufbau der Litauen-Brigade zulasten der Truppe im Heimatland gehe. Dass Minister Boris Pistorius (SPD) Soldaten nach Litauen befehlen müsse, anstatt an versprochener Freiwilligkeit festzuhalten, liege auch der Unattraktivität des Dienstes im Baltikum für Mannschaftssoldaten.
Otte: Wechsel nach Litauen muss attraktiver werden
"Da für Verwendungen in Litauen kein Auslandsverwendungszuschlag mehr gezahlt wird, sondern lediglich der reguläre Auslandszuschlag, hat das insbesondere für Mannschafter erhebliche finanzielle Auswirkungen", sagte Otte. Eine Verwendung in Litauen sei für den Mannschaftsbereich deutlich weniger attraktiv als für höhere Dienstgrade.
Reservisten müssten ihre Verpflegung teilweise sogar selbst bezahlen und hätten am Monatsende kaum mehr Geld als bei einer Verwendung in Deutschland. "Das kann nicht zielführend sein", sagte Otte. Die Attraktivität eines Wechsels nach Litauen müsse auch für Familien weiter steigen, "damit möglichst wenige Soldaten kommandiert werden müssen"./cn/DP/stw
