(Neu: weitere Todesopfern)
WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - US-Präsident Donald Trump hat dem Iran erneut mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes gedroht. Nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, "es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln", sagte er in einem Interview des US-Senders Fox News. Trump kündigte heftige Angriffe auch in den kommenden Nächten an. Irans Streitkräfte feuerten als Vergeltung auf die nächtlichen US-Angriffe wieder Raketen und Drohnen auf Ziele in der Golfregion und Jordanien.
Trump hatte dem Iran bereits im April mit der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke gedroht, dies dann aber nicht wahr gemacht. Damals wollte der Präsident Teheran dazu bewegen, die für den globalen Energiehandel wichtige und vom Iran blockierte Straße von Hormus für den Schiffsverkehr zu öffnen. Kurze Zeit später einigten sich die Kriegsparteien dann auf eine Waffenruhe.
Bericht: Trump diskutiert Ausweitung der Angriffe bei Krisensitzung
Das US-Militär begann am Dienstag eine weitere Angriffswelle gegen den Iran und nahm zugleich die Seeblockade iranischer Häfen und Küstengebiete wieder auf. Ziel der Angriffe sei es gewesen, iranische Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu verhindern. Nach sieben Stunden sei die Angriffswelle am Mittwochmorgen deutscher Zeit beendet worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom mit. Dutzende militärische Ziele seien getroffen worden.
Laut dem Nachrichtenportal "Axios" hielt Trump am Dienstag (Ortszeit) eine Krisensitzung ab, um eine massive Offensive gegen den Iran zu besprechen. Im Mittelpunkt standen dem Bericht zufolge neue Pläne für verheerende Angriffe auf strategische Ziele im Iran - zusätzlich zu den Angriffen auf iranische Ziele in der Straße von Hormus. An der Sitzung hätten auch Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, CIA-Direktor John Ratcliffe sowie weitere hochrangige Beamte teilgenommen.
Gegenseitiger Beschuss seit einer Woche - Iran: 30 Tote im Süden
Bereits in den Nächten zuvor hatte es ähnliche Angriffe gegeben. Der Konflikt war vor einer Woche erneut eskaliert, nachdem Irans Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormus attackiert hatten. Diese hatten versucht, für die Durchfahrt der Meerenge einen südlichen Korridor vor der Küste des Omans zu nutzen. Dies war offenbar ohne Abstimmung mit dem Iran erfolgt, dessen Führung die Kontrolle über die Straße von Hormus beansprucht. Das US-Militär wirft dem Iran vor, in der vergangenen Woche sieben Handelsschiffe angegriffen zu haben.
Iranischen Staatsmedien zufolge wurde bei den Angriffen auch zivile Infrastruktur getroffen. In der südwestlichen Provinz Chusestan wurde demnach unter anderem ein Weizensilo getroffen. In der westlichen Provinz Ilam bombardierte das US-Militär den Berichten zufolge eine Mineralwasserfabrik. Regierungsangaben zufolge kamen bei den Angriffen im Süden in den vergangenen Tagen mindestens 30 Menschen ums Leben, 260 weitere wurden verletzt. Laut der Nachrichtenagentur Mehr wurden sieben Soldaten bei einem Luftangriff im Südosten des Landes getötet.
Als Reaktion auf die US-Angriffe feuerten Irans Revolutionsgarden erneut Raketen und Kamikazedrohnen auf Ziele in Bahrain und Kuwait sowie im gut 1.000 Kilometer entfernten Jordanien. In Kuwait zielten die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben auf Flugabwehrstellungen, Logistikdepots und Raketenstellungen des US-Militärs, in Bahrain auf Treibstofftanks der US-Marine. In Jordanien sei ein Luftwaffenstützpunkt angegriffen worden. Die Flugabwehr habe drei Raketen abgeschossen, teilten die jordanischen Streitkräfte am Morgen mit. Opfer oder Schäden habe es nicht gegeben.
Irans Revolutionsgarden wollen Energieexporte unterbinden
Derweil drohten die Revolutionsgarden mit weiteren Einschränkungen in der Straße von Hormus. Als Reaktion auf die neue US-Seeblockade kündigten sie an, den Export von Erdöl und Erdgas zu unterbinden. Dieser sei "entweder für alle oder für niemanden", hieß es in einer Mitteilung in der Nacht. Auch der Iran erzielt einen großen Teil seiner Staatseinnahmen aus Erdölexporten, vor allem nach China. Bereits zuvor hatte die US-Regierung versucht, Teheran mit einer Blockade iranischer Häfen wirtschaftlich unter Druck zu setzen.
Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen. Trump hatte die Waffenruhe vergangene Woche für beendet erklärt.
Iran sieht sich nach Angriffen nicht mehr an Abkommen gebunden
Auch aus Sicht der iranischen Regierung hat das Rahmenabkommen inzwischen keinen Bestand mehr. "Mit der Wiederaufnahme militärischer und aggressiver Maßnahmen gegen die Islamische Republik Iran haben die USA die Absichtserklärung in grundlegender Weise verletzt", sagte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi in einem Interview der iranischen Onlineplattform "YJC". Unter diesen Bedingungen sehe sich der Iran an keinerlei Verpflichtung mehr gebunden, fügte er hinzu.
Irans Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, Amir-Said Irawani, warf den USA unterdessen vor, das Rahmenabkommen aktiv und gezielt untergraben zu haben. "Die Vereinigten Staaten sind der Aggressor, nicht das Opfer", sagte er laut dem staatlichen iranischen Rundfunk./arb/DP/mis
