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Der Dienstleister für Halbleitertestung Aehr Test Systems hat am Dienstagabend überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt. Die Aktie wird mit gewaltigen Kursgewinnen belohnt.
Alle schauen auf ASML, doch Aehr Test Systems sorgt für das eigentliche Highlight
Mit den Quartalszahlen der US-Großbanken ist am Dienstag der offizielle Startschuss zur Quartalssaison gefallen, doch auch aus der von Anlegerinnen und Anlegern zuletzt stark nachgefragten Halbleiterbranche gab es mit dem Zahlenwerk von Anlagenhersteller ASML bereits ein erstes Highlight. Die Aktie legt nach überraschend guten Ergebnissen stark zu und sorgt so für Rückenwind innerhalb der gesamten Branchen.
Sehr viel weniger beachtet, dafür aber umso spektakulärer wird am Mittwoch die Aktie von Aehr Test Systems gehandelt. Der auf das Testen von Halbleiterprodukten spezialisierte Dienstleister legte bereits am Dienstagabend seinen Ergebnisbericht vor - und der fiel so gut aus, dass Anlegerinnen und Anleger zur Wochenmitte völlig aus dem Häuschen sind und die Aktie bereits in der US-Vorbörse 35 Prozent zulegte.
Völlig überraschender Nettogewinn
Dank des bislang beispiellosen Booms innerhalb der Halbleiterbranche konnte das Unternehmen, das in der Vergangenheit sowohl Profitabilitäts- als auch Zuverlässigkeitsprobleme hatte, was das Wachstum betrifft, seine Erlöse gegenüber dem Vorjahresquartal um 33,4 Prozent auf 18,8 Millionen US-Dollar steigern. Damit wurden die Erwartungen um 0,1 Millionen US-Dollar übertroffen.
Die deutlich größere Überraschung war jedoch der operative Ertrag. Analystinnen und Analysten hatten nicht damit gerechnet, dass es Aehr Test Systems gelingen würde, einen Gewinn zu erwirtschaften. Doch genau das war mit Ertrag von 0,11 US-Dollar je Anteil der Fall. Gerechnet wurde vorab mit einem Fehlbetrag von -0,01 US-Dollar je Anteil.
Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen einen bereinigten Nettogewinn in Höhe von 3,6 Millionen US-Dollar. Nach standardisierter Rechnungslegung GAAP konnten immerhin 1,4 Millionen US-Dollar erwirtschaftet werden, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 2,9 Millionen US-Dollar angefallen war. Der Konzern kommt bei der Profitabilität also deutlich besser und schneller voran als erwartet wurde.
Prognose für 2027 pulverisiert die Erwartungen
Der überraschende Nettogewinn war nicht das einzige Highlight, denn der Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr zerschmetterte die Erwartungen regelrecht. Das Unternehmen stellte Erlöse on Höhe von 130 bis 150 Millionen US-Dollar in Aussicht. Der Erwartungswert der Analystinnen und Analystinnen lag bei gerade mal 85,1 Millionen US-Dollar. Nach eigenen Angaben könnte Aehr Test Systems seine Erlöse um bis zu 200 Prozent steigern.
Auch bei der Profitabilität soll es gewaltige Fortschritte geben. Das Management stellte eine Nettomarge (Non-GAAP) von 18 bis 22 Prozent in Aussicht. Damit wäre die jahrelange operative Schwäche überwunden und einer der größten Investorenvorbehalte gegenüber der Aktie ausgeräumt.

Aktie mit riesigem Kurssprung schon in der Vorbörse
Die überraschend deutlichen Erfolge des Unternehmens im abgelaufenen Quartal verfehlen ihre Wirkung am Markt nicht. Bereits in der US-Nachbörse am Dienstag kletterte die Aktie um 30 Prozent. Bis zur Handelseröffnung am Dienstag wuchs das Plus auf über 35 Prozent an. Damit steht die in den vergangenen Wochen stark unter Druck stehende Aktie vor einem charttechnischen Befreiungsschlag, denn Aehr Test Systems dürfte die 50-Tage-Linie zurückerobern.
Bereits in den zurückliegenden Monaten haben Anlegerinnen und Anleger verstärkt darauf gewettet, dass das Unternehmen seine operativen Schwierigkeiten in den Griff bekommen würde, wie der Aufwärtstrend vor allem seit Ende März beweist. Doch dass die Fortschritte so schnell erfolgen würden, hatten offenbar nur die wenigsten Investoren auf der Rechnung. Ein Plus von über 35 Prozent an einem Handelstag muss als Neubewertung begriffen werden.
Fazit: Hohes Wachstum, hoher Preis
Eine günstige Aktie ist Aehr Test Systems aber keineswegs, selbst wenn die vom Management abgegebene Schätzung in Rechnung gestellt wird. Nach dem gewaltigen Kurssprung ist das Unternehmen mit rund 3 Milliarden US-Dollar bewertet. Selbst wenn das obere Ende der Umsatzschätzung erreicht wird, steht für das kommende Geschäftsjahr ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 20 sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 91 zu Buche, wenn die angestrebte Nettomarge von 22 Prozent erreicht wird. Das sind äußerst hohe Vielfache.
Anlegerinnen und Anleger zahlen gegenwärtig also vor allem dafür, dass sich das Wachstum auch über 2027 hinaus beschleunigen wird - diese Wette könnte mit Blick auf den Backlog von gegenwärtig 100 Millionen US-Dollar durchaus aufgehen, ist nichtsdestotrotz aber spekulativen Charakters. Wer hier einsteigen möchte, sollte das vorzugsweise nach einer Korrektur tun. Was zum starken Kursanstieg am Mittwoch außerdem, beiträgt ist die überdurchschnittlich hohe Short-Quote von 14 Prozent, die für einen Short-Squeeze sorgt.
Gastautor: Max Gross
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