DJ Nagel: Größere Rolle des Euro stärkt Europas Souveränität
Von Andreas Plecko
DOW JONES--Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich für eine stärkere internationale Rolle für den Euro ausgesprochen, um die europäische Souveränität zu sichern. Obwohl der Euro stabil die weltweite Nummer zwei hinter dem dominierenden US-Dollar bleibe, sei diese Position kein Selbstläufer. Ein einflussreicherer Euro würde Europa unabhängiger von globalen Schwankungen machen: "Eine stärkere Rolle unserer Währung wäre mit einem Zuwachs strategischer Autonomie verbunden", betonte Nagel.
Als wichtigstes Fundament für das internationale Vertrauen in die Gemeinschaftswährung nannte Nagel die Unabhängigkeit der Zentralbanken und die Preisstabilität. Am Beispiel der US-Notenbank, die erheblichem politischem Druck ausgesetzt war, warnte er vor den Folgen politischer Einflussnahme. Solche Angriffe würden an den Finanzmärkten unmittelbar als Vertrauensverlust verbucht, der eine Währung nachhaltig belasten könne.
Neben stabiler Geldpolitik hänge die globale Bedeutung des Euro von der Wirtschaftskraft des Kontinents ab. Um internationale Investoren anzuziehen, müsse Europa verlässliche Renditen bieten. Nagel warb in diesem Zusammenhang für die Schaffung einer europäischen Spar- und Investitionsunion. Dadurch solle privates Kapital gezielter in innovative Unternehmen gelenkt werden, um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu stärken.
Ein entscheidender Baustein für die Zukunft ist Nagel zufolge der digitale Euro sowie digitales Zentralbankgeld für die Finanzindustrie. Das Projekt soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsdienstleistern verringern und die digitale Souveränität sichern. Ängste vor einer Überwachung wies Nagel dabei zurück: "Der digitale Euro wäre kein programmierbares Geld - weder Staat noch Zentralbank könnten festlegen, wofür er verwendet werden darf."
Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/apo/kla
(END) Dow Jones Newswires
July 15, 2026 12:00 ET (16:00 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.
