LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Mittwoch im frühen Handel wegen der anhaltenden Angriffe der Vereinigten Staaten auf den Iran weiter zugelegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im September stieg um 1,4 Prozent auf 92,30 US-Dollar. Damit setzt der Brent-Preis seinen Anstieg der vergangenen Tage fort. Nach einem Plus von fast einem Drittel in den vergangenen drei Wochen kostet Öl der Sorte Brent damit wieder so viel wie Mitte Juni.
In der zweiten Juni-Hälfte und Anfang Juli war der Ölpreis wegen der Hoffnung auf eine anhaltende Waffenruhe im Nahen Osten Schritt für Schritt bis auf 70 Dollar gefallen. Doch aus der Hoffnung wurde nichts und der Ölpreis zieht seitdem wieder kräftig an. Mit Kursen von etwas mehr als 90 Dollar liegt der Brent-Preis aber noch deutlich unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das er Ende April erreicht hatte. Grund für den starken Anstieg im Frühjahr war der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Iran-Krieg.
In der Nacht auf Mittwoch wurde erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg in der Hauptstadt Teheran wieder die Flugabwehr aktiviert. Im Nordosten der Millionenmetropole waren in der Nacht dumpfe Detonationen zu hören. Parallel zu den Explosionen in Teheran informierte das US-Militär über eine neue Welle von Angriffen auf militärische Ziele im Iran. Auch iranische Staatsmedien berichteten über Flugabwehrfeuer in verschiedenen Bezirken der Stadt, in der rund 15 Millionen Menschen leben.
Kurz darauf herrschte wieder Ruhe - und das US-Militär gab das Ende seiner Angriffswelle bekannt. Mit den Attacken sollten die Möglichkeiten des Irans geschwächt werden, Handelsschiffe in der für den globalen Ölhandel wichtigen Straße von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom auf der Plattform X mit. Zu den Zielen der gut einstündigen Angriffswelle gehörten demnach militärische Kommandozentren, die iranische Marine und Standorte der Luftwaffe. Es war die elfte Nacht in Folge, in der die USA die Islamische Republik angriffen.
Am Ölmarkt bleibt die Entwicklung im Iran-Krieg der wichtigste Faktor. Zeitgleich mit den Militärschlägen soll aber nach übereinstimmenden Presseberichten auch eine diplomatische Initiative für eine neue Waffenruhe laufen, was die Ölpreise aber nur zeitweise sinken ließ. Neben der Lage im Nahen Osten verwiesen Rohstoffexperten der Commerzbank aber auch auf den Ukraine-Krieg mit immer neuen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie./zb/men/mis
