
© Foto: Tamanna Rumee auf Unsplash
Die Anteile von Life-Science-Unternehmen Danaher erwirtschaften langfristig hohe Renditen. Kurzfristig ist die Aktie jedoch unter Druck geraten - eine Einstiegschance?
Danaher macht Anlegerinnen und Anleger langfristig reicher als der Gesamtmarkt
Die Anteile des Life-Science-Unternehmens Danaher gehören zu den langfristig erfolgreichsten Aktie am US-Aktienmarkt. Obwohl sich das Papier bereits seit dem Ende der Corona-Pandemie in schwierigem Fahrwasser befindet, hat Danaher in den vergangenen 30 Jahren eine Gesamtrendite von 5.764 Prozent erwirtschaftet. Das liegt um fast das Dreifache über den Gewinnen, welche der Gesamtmarktindex S&P 500 (inklusive Dividende) abgeworfen hat.
Hierzulande bekannt geworden ist das Unternehmen, das ähnlich wie eine Beteiligungs- beziehungsweise Holdinggesellschaft agiert, vor allem durch die Übernahme des Optikspezialisten Leica. Darüber hinaus gehören zu Danaher zahlreiche weitere Unternehmen aus den Bereich Diagnostik, Laborausrüstung und Forschungsdienstleistungen hauptsächlich für Biotechnologie- und Pharmaunternehmen.
Große Enttäuschung trotz übertroffener Umsatz- und Gewinnerwartungen
Eigentlich war die Aktie vielversprechend in das Jahr gestartet, doch Ende Januar setzte Verkaufswelle ein, die bis in den Mai anhielt. Von dieser hatte sich das Papier gerade erst erholt und mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie und einer Attacke auf die 200-Tage-Linie erste positive Ausrufezeichen gesetzt, da funkten am Dienstag die vom Unternehmen vorgelegten Quartalszahlen dazwischen. Die sorgten für ein jähes Ende der Aufholjagd.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 5,5 Prozent auf 6,3 Milliarden US-Dollar zu. Damit konnten die Erwartungen um 130 Millionen US-Dollar geschlagen werden. Im Kernportfolio kletterten die Erlöse auf bereinigter Basis um 3,0 Prozent. Das erscheint zunächst nicht viel, zeigt aber an, dass das Unternehmen nach dem Ende der Corona-Pandemie, die für einen hohen Lagerbestand bei Kunden gesorgt hatte, langsam wieder in Fahrt kommt.
Auch auf der Ertragsseite konnte Danaher die Erwartungen übertreffen. Hier lieferte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 1,94 US-Dollar je Anteil, was um 9 Cent über den Schätzungen lag. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 1,80 US-Dollar gelang eine deutliche Steigerung. Insgesamt erzielte der Konzern einen Nettogewinn in Höhe von 870 Millionen US-Dollar nach 555 Millionen US-Dollar vor 12 Monaten.
Gewinnprognose angehoben, aber Umsatzausblick unter den Erwartungen
Angesichts der aus Sicht des Unternehmens zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung erhöhte das Management um CEO Rainer Blair seinen Ausblick auf das Gesamtjahr. Statt wie bisher prognostiziert 8,35 bis 8,55 US-Dollar rechnet Danaher nun mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 8,45 bis 8,60 US-Dollar, womit die Analystenerwartungen genau getroffen werden konnten.
Allerdings verfehlte die Umsatzprognose den Marktkonsens, die wurde vom Management von +3 bis +6 Prozent auf +3 bis +4 Prozent bei den Erlösen aus der Kerntätigkeit angepasst - sehr zum Missfallen der Anlegerinnen und Anlegern, wenngleich CEO Blair bekräftigte, dass das Unternehmen im Bereich Life Sciences das beste Ergebnis seit einigen Jahren erzielt hätte und die Integration von Masimo (dessen Übernahme am 10. Juni vollständig abgeschlossen wurde), schneller vorankommen würde als gedacht.

Zweistellige Kursverluste nach den Zahlen, neue Mehrjahrestiefs drohen
Obwohl Danaher die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertroffen und seinen Ausblick für den Ertrag angehoben hatte, zeigten sich Investoren angesichts der aus ihrer Sicht enttäuschenden Umsatzprognose gnadenlos. In einer ersten Kursreaktion büßte die Aktie über 15 Prozent an Wert ein. Diese Verluste konnten schließlich auf rund 10 Prozent begrenzt werden. Der charttechnische Schaden ist trotzdem groß, da die Aktie brutal an der 200-Tage-Linie nach unten abgeprallt ist, was deren Eigenschaft als Widerstand stärkt, während gleichzeitig die 50-Tage-Linie per Gap-Down aufgegeben wurde, was ein Zeichen großer Schwäche ist.
Gänzlich chancenlos stehen die Käuferinnen und Käufer jedoch nicht dar. Die in den vergangenen Wochen starken Verbesserungen insbesondere im Trendstärkeindikator MACD haben dazu geführt, dass dieser mit einem komfortablen Abstand zur Nulllinie notiert, deren Unterschreiten erst einen neuen, technisch bestätigten Abwärtstrend anzeigen würde.
Außerdem ist der RSI bereits in den überverkauften Bereich gefallen, was darauf hindeutet, dass die Bären ihr Pulver bereits verschossen haben könnten. Wenn die Chance auf einen Rebound gewahrt werden soll, darf aber auf keinen Fall das bisherige Jahrestief unterschritten werden, da das gleichbedeutend mit einem neuen Mehrjahrestief und somit einem starken Verkaufssignal wäre.
Fazit: Auf diesem Niveau ist die Aktie zu günstig, um sie zu ignorieren
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung handelt die Aktie auf der Basis der managementeigenen Gewinnprognose nach dem Absturz der Anteile mit einem KGVe von 20,4. Das liegt um fast ein Fünftel unter dem 5-Jahres-Mittel. Auch bei zahlreichen anderen Kennziffern handelt Danaher deutlich unter seiner historischen Norm. Die Abschläge belaufen sich auf 20 bis knapp 30 Prozent, was auf eine strukturelle Unterbewertung hindeutet. Bewertungsvorteile gegenüber dem Rest der Branche besitzt die Aktie aktuell vor allem beim Kurs-Buch-Verhältnis, wo mit 2,5 ein Abschlag von 28,5 Prozent steht.
Daraus ergibt sich für Anlegerinnen und Anleger eine interessante Einstiegschance. Charttechnisch ist die Aktie nach dem abrupten Ende des Erholungstrends zwar in schwieriges Fahrwasser geraten, insgesamt verbessert sich die Geschäftsausblick langsam jedoch wieder - wenn auch nicht ganz so schnell, wie Investoren erhofft hatten, wie die emotionale Kursreaktion nach den Zahlen anzeigt. Auf dem aktuellen Bewertungsniveau ist die sogenannte Reichmacher-Aktie aber einen Blick wert!
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.
