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Thermo Fisher Scientific, Weltmarktführer für wissenschaftliche Messgeräte, hat am Donnerstag ein sehr starkes Quartalsergebnis vorgelegt. Die Aktie ist jetzt mehr als nur einen Blick wert.
US-Quartalssaison: Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern wächst!
Der Höhepunkt der US-Quartalssaison steht mit den Zahlen von gleich 4 der Magnificent-Seven-Werte in der kommenden Woche zwar erst noch bevor, aber schon jetzt hat sie zahlreiche Gewinner, aber auch manchen Verlierer produziert. Besonders groß war die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern am Donnerstag. So brachten nach verfehlten Umsatzerwartungen hohe Kursverluste bei beim Mobilfunk-Anbieter T-Mobile US auch die Aktie der Deutschen Telekom in Schwierigkeiten. Am anderen Ende des Spektrums konnten mit (fast) zweistelligen Kursgewinnen vor allem der Rüstungskonzern Lockheed Martin sowie Laborausstatter Thermo Fisher Scientific glänzen.
Dass Thermo Fisher Scientific gute Quartalszahlen vorlegen würde, war nach eher enttäuschend ausgefallenen Ergebnissen bei den Mitbewerbern Danaher und Sartorius nicht unbedingt zu erwarten. Doch der Hersteller von Messinstrumenten, darunter komplexen Geräten wie Rasterelektronenmikroskopen, hatte begeisternde Zahlen im Gepäck. Die verhalfen der Aktie des langfristig so starken Weltmarktführers (bis zu 2.000 Prozent Rendite in den vergangenen 30 Jahren) zu einem der besten Handelstag seit langer Zeit - und einem charttechnischen Befreiungsschlag. Das macht die Aktie jetzt zu einem Kauf.
Zahlreiche Produktstarts sorgen für eine starke Geschäftsentwicklung
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 10,4 Prozent auf 11,99 Milliarden US-Dollar zu. Damit wurden die Erwartungen der Analystinnen und Analysten um 290 Millionen US-Dollar übertroffen. In seiner Pressemitteilung führte TMO das starke Wachstum auf eine ganze Reihe neuer Produkte, darunter Massenspektrometer und neue Anlagen zur Gensequenzierung, zurück. Außerdem betonte der Konzern die verstärkte Integration von KI zur Datenauswertung.
Auch auf der Ertragsseite präsentierte sich das Unternehmen besser als erwartet. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) lag mit 6,03 US-Dollar um 32 Cent über den Prognosen. Gegenüber dem Vorjahresquartal konnte sich TMO hier um 67 Cent beziehungsweise 12,5 Prozent steigern. Insgesamt erzielte der Konzern einen auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettogewinn von 1,74 Milliarden US-Dollar nach 1,62 Milliarden US-Dollar vor 12 Monaten.
Umsatz- und Gewinnprognose angehoben, weitere Aktien zurückgekauft
Angesichts der starken Geschäftsentwicklung hob das Management um CEO Marc Casper die Prognose für das laufende Geschäftsjahr am unteren Ende der Spanne an. Erwartet sind jetzt Erlöse in Höhe von 47,4 bis 48,1 Milliarden US-Dollar. Daraus soll ein bereinigter Gewinn pro Aktie von 24,93 bis 25,33 US-Dollar erzielt werden, womit die Konsensprognose von 24,85 US-Dollar übertroffen werden konnte.
Was die Kapitalverwendung betrifft, TMO hatte im abgelaufenen Quartal Mittelzuflüsse (freier Cashflow) in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar erzielt, wurden eigene Anteile im Wert von 1 Milliarde US-Dollar zurückgekauft. Damit setzte das Unternehmen sein im November vergangenen Jahres aufgelegtes Rückkaufprogramm mit einem Volumen von insgesamt 5 Milliarden US-Dollar fort - ein Indiz dafür, dass das Unternehmen die Aktie auf dem Kurs- und Bewertungsniveau der vergangenen Monaten für unterbewertet hielt.

Charttechnischer Befreiungsschlag: Aktie pulverisiert Widerstände
Angesichts der rundum gelungenen Vorstellung griffen Anlegerinnen und Anleger bei der Aktie, die bis vor der Ergebnispräsentation gegenüber dem Jahreswechsel noch zweistellig im Minus gelegen hatte, beherzt zu. TMO verteuerte sich zwischenzeitlich deutlich zweistellig, büßte einen Teil der Gewinne jedoch ein und ging mit einem Plus von 8,7 Prozent aus dem Handel.
Trotz vereinzelter Gewinnmitnahmen hat sich die charttechnische Ausgangslage der Aktie schlagartig verbessert. Diese handelte zwar schon vor den Zahlen in einem Aufwärtstrend, nachdem die Aktie Anfang Mai noch auf ein neues 52-Wochen-Tief gefallen war. Doch nach dem Erreichen der Aufwärtstrendoberkante drohte ihr die Puste auszugehen, sodass der Kurs wieder unter die wichtige 200-Tage-Linie gefallen war. Diese konnte jetzt gleichzeitig mit dem Widerstandsbereich bei 550 US-Dollar überwunden werden. Damit ist mittelfristig der Weg frei in Richtung des Mehrjahreshochs bei knapp 650 US-Dollar.
Unterstützung für weitere Kursgewinne erhält das Papier durch die steigenden technischen Indikatoren, welche die Aufwärtsbewegung der Aktie begleitet und damit bestätigt haben. Vor allem der Trendstärkeindikator MACD liefert jetzt Argumente für eine Trendbeschleunigung. Der RSI ist kurzfristig zwar im überkauften Bereich angelangt, aber grundsätzlich nicht minder konstruktiv.
Fazit: Da dürfte jetzt noch mehr zu holen sein!
Mit Blick auf die Bewertung steht auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnschätzung ein KGVe 2026 von 22,8 bewertet. Das liegt um 4 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel von 23,8. Vor allem beim Kurs-Umsatz- und beim Kurs-Buch-Verhältnis handelt TMO nach der Korrektur in der ersten Jahreshälfte jetzt deutlich unter seiner historischen Norm. Die Abschläge betragen hier 8,2 und 17,2 Prozent. Das deutet auch von fundamentaler Seite her auf Aufwärtspotenzial hin. Von Analystinnen und Analysten, welche die Aktie mehrheitlich zum Kauf empfehlen, wird der faire Wert im Mittel auf 611,46 US-Dollar veranschlagt.
Insgesamt bietet die Aktie von Thermo Fisher Scientific daher ein attraktives Chance-Risiko-Profil, das sich sowohl auf technischen Rückenwind sowie eine moderate Unternehmensbewertung stützt. Außerdem bietet das Unternehmen die Möglichkeit, zu einem fairen Preis am anhaltenden Boom in der Biotechnologie- und Pharmabranche zu profitieren, wo die Kurse gemessen am Nasdaq Biotechnology Index in den vergangenen 12 Monaten um 43,5 Prozent gestiegen sind, wo ein Einstieg aufgrund fortgeschrittener Unternehmensbewertungen im Unterschied zu TMO aber nicht mehr ratsam ist.
Gastautor: Max Gross
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