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VW steckt in einer anhaltenden Absatz- und Transformationskrise. Für die Aktie sind das gute Nachrichten, sie hat jetzt die Chance auf eine kräftige Gegenbewegung.
Volkswagen: Die Krise jetzt als Anlagechance begreifen?!
Die deutsche Automobilindustrie steckt schon seit Jahren in der Krise. Besonders hoch ist der Absatz- und Innovationsdruck bei Volkswagen (VW). Egal ob zehntausende Stellenstreichungen, Werksschließungen und Kürzungen bei der Modellpalette - alles liegt hier inzwischen auf dem Tisch, um das Unternehmen aus der Krise zu führen. Entsprechend schlecht ist die Nachrichten- und Stimmungslage.
Genau in diesem Umfeld finden Unternehmensanteile häufig einen Boden. Das wirkt zunächst zwar kontraintuitiv, dahinter steckt aber eine nachvollziehbare Logik. Wenn die Stimmung am Aktienmarkt besonders schlecht und der Kurs entsprechend tief genug gefallen ist, haben Marktteilnehmende den schlimmsten anzunehmenden Fall oft schon hinreichend eingepreist. Statt der Furcht vor einer weiteren Verschlechterung der Geschäftsläge und neuen Kursverlusten, nimmt dann die Hoffnung auf eine Besserung der Situation Überhand, was sich in mittelfristig steigenden Kursen niederschlägt.
Genau das könnte bei VW jetzt der Fall und die Aktie damit reif für eine Trendwende sein. Im Chart, beziehungsweise in den technischen Indikatoren, liegen erste Indizien für eine Gegenbewegung vor. Gleichzeitig ist die Unternehmensbewertung auf eines der tiefsten Niveaus der vergangenen Jahre gesunken.

Kurs- und Geschäftsentwicklung gehen hier Hand in Hand
Seit bereits 5 Jahren handeln die Vorzugsaktien der Wolfsburger in einem hartnäckigen Abwärtstrend. Der spiegelt nach einem Verkaufsboom ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie die seither schwindenden Geschäfte sowie die stark gestiegenen Produktionskosten wider, die sich nicht zuletzt durch die Energiekrisen der vergangenen Jahre ergeben haben.
Auch in den vergangenen eineinhalb Jahren entwickelte sich die Aktie wenig erfreulich. Den zähen Seitwärtstrend dürften Anlegerinnen und Anleger jetzt sogar vermissen, nachdem VW zuletzt auf neue Mehrjahrestiefs gefallen ist, die in der technischen Analyse als starke Verkaufssignale gelten.
Trotz neuer Mehrjahrestiefs wird eine Gegenbewegung wahrscheinlicher
Aussichtslos ist die Lage wie eingangs geschildert jedoch nicht. Die Krise des Unternehmens ist inzwischen allgegenwärtig. Kaum ein Woche vergeht inzwischen ohne neue Negativschlagzeilen. Das bedeutet jedoch auch, dass eine Mehrheit der verkaufswilligen Anlegerinnen und Anleger inzwischen verkauft haben dürften - ein weiterer Grund dafür, dass Aktien ihren Boden oft dann finden, wenn die Stimmung am schlechtesten ist.
In der Tat hat sich bei Volkswagen inzwischen ein kurzfristiger Boden aufgetan. Bei rund 70 Euro liegt nach den vergangenen Wochen sogar ein Dreifachboden vor. Das ist keine schlechte Ausgangslage für eine Gegenreaktion, im Gegenteil. Da in den technischen Indikatoren RSI und MACD inzwischen erste Aufwärtstrends vorliegen, verfügen die Anteile nicht nur über nachlassenden Gegenwind, sondern auch über bullishe Divergenzen, die als Vorboten von Trendwendebewegungen gelten.
Der MACD zeigt deutlich unter seiner Nulllinie liegend zwar noch einen intakten Abwärtstrend der Aktie an, er hat sich aber bereits über seine (rote) Signallinie verbessern können. Das genügt nach scharfen Abwärtsbewegungen oft schon für eine Gegenbewegung. Der RSI hat sich unterdessen von überverkauften Niveaus erholen können und arbeitet sich jetzt in den neutralen Bereich vor.
Bis zu +20 Prozent sind jetzt drin
Solange die VW-Aktie nicht nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unter die bei 70 Euro verlaufende Unterstützung fällt, dürften die Erholungschancen aktuell überwiegen. Für erste prozyklische Kaufsignale muss jedoch mindestens die bei 80,82 Euro verlaufende 50-Tage-Linie überwunden werden. Im Bereich von 83 Euro gilt es außerdem noch eine Kurslücke zu schließen.
Eine übergeordnete Trendwende wäre zum aktuellen Zeitpunkt jedoch erst oberhalb des Widerstandsbereichs zwischen 90 und 95 Euro gelungen. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Aber auch bereits ein Gap-Close beziehungsweise ein Anstieg bis rund 85 Euro verbürgt sich für ein Kurspotenzial von rund 20 Prozent. Das führt zu einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis, wenn auf der Long-Seite eingestiegen und ein Stopp etwas unterhalb von 70 Euro platziert wird.
Fazit: Das Schlimmste dürfte hinter dem Markt liegen
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht laut der Daten von MarketScreener für 2026 ein KGV von 3,75 und von 2,97 für 2027 zu Buche. Beides liegt damit signifikant unter dem 10-Jahres-Mittel von 6,7. Beim Verhältnis von Unternehmenswert zum operativen Ertrag (EV/EBTIDA) kommt VW sogar auf einen negativen Wert. Das zeigt, wie weit fortgeschritten der Abwärtstrend inzwischen auch aus fundamentaler Perspektive ist.
Gelingt es den Wolfsburgern also, ihre Geschäftsentwicklung zu stabilisieren und seine Transformation ohne weiteren finanziellen und operativen Verluste zu beschleunigen, besteht jetzt eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Boden sowohl mit Blick auf den Chart als auch auf die Bewertung gefunden ist. Dass der Handlungsdruck auf das Unternehmen inzwischen so groß ist, sollte eher als Chance, denn als weiteres Risiko bewertet werden - wenn das Management daraus jetzt die richtigen Schlüsse zieht.
Gastautor: Max Gross
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