
© Foto: Dan Wright auf Pexels (Symbolbild)
Bei TUI ist richtig was los, z. B. ein "Kartellhammer" gegen Trip.com und über 1.200 neue Hotels nach der FTI-Pleite. Die Aktie hatte sich zuletzt etwas erholt, ist jetzt jedoch wieder unter den 50er und 200er SMA abgesackt. Eine Gewinnwarnung, schwache Buchungen und ein Chart, der bestenfalls seitwärts, eher jedoch nach unten zeigt, machen den "Reise-Anlegern" das Leben schwer. Reicht der Rückenwind aus Regulierung und Kostensenkungen aus, um den Abwärtstrend zu brechen? Oder ist eine mögliche Erholung nur eine kurze Verschnaufpause vor dem nächsten Rutsch? Wir schauen genauer hin.
Aktuelle Lage
Der Konzern setzt seit einiger Zeit verstärkt auf eigene Buchungskanäle und direkte Kundenbeziehungen. Diese Strategie wirkt gerade jetzt besonders spannend, denn in China hat es den Konkurrenten Trip.com hart erwischt. Es hagelte eine saftige Kartellstrafe wegen exklusiver Hotelverträge. Dies sorgt für Aufsehen im gesamten Reisemarkt. Für TUI könnte das ein Vorteil sein, weil weniger Abhängigkeit von großen Plattformen langfristig eher für Stabilität sorgt. Dazu kommt handfeste Unterstützung von der Kostenseite. Die deutsche Luftverkehrsteuer wurde gesenkt, und der Reisesicherungsfonds reduziert seine Gebühren ab November spürbar. Macht unter dem Strich rund 630 Millionen Euro Ersparnis für die Branche und auch operativ tut sich was, denn nach der Insolvenz von FTI hat TUI kurzerhand über 1.200 Hotels zusätzlich unter Vertrag genommen, vor allem in Griechenland, der Türkei und auf den Kanaren. Trotzdem bleibt die Gewinnprognose eher gedämpft. Seit April rechnet der Konzern nur noch mit 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro operativem Ergebnis. Das bremste, bzw. begrenzte auch den Chartverlauf nach oben zuletzt. Die kommenden Quartalszahlen am 12. August dürften dann zeigen, ob sich das Buchungsverhalten der Kunden endlich normalisiert. Auch beim Thema Kapitaldisziplin zeigt das Management Flagge. Seit Februar läuft ein Aktienrückkaufprogramm. Das ist auch ein Signal, dass der Vorstand die eigenen Papiere für unterbewertet hält und auch gerne damit den Kurs stützen möchte. Ganz reibungslos läuft es trotzdem nicht überall, denn die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr meldete für das erste Halbjahr einen Rekord von 29.400 Beschwerden, größtenteils rund ums Fliegen, während neue Grenzkontrollsysteme in der EU zusätzlich für längere Wartezeiten sorgen. Parallel expandiert TUI mit der Budget-Hotelmarke Suneo weiter, acht neue Häuser auf drei Kontinenten sind geplant, von der Türkei bis nach Vietnam.

Charttechnik
Der Kurs versucht sich zwar nach oben zu kämpfen, doch der Chart bremst die Freude und den Willen, denn sowohl der 50-Tage- als auch der 200-Tage-Durchschnitt liegen oberhalb der aktuellen Notierung, der Abwärtstrend ist also intakt. Erst ein nachhaltiger Sprung über etwa 7,70 Euro würde das Bild drehen und den Weg für ein Kursziel bei rund 10 Euro freimachen. Nach unten lauert Gefahr bei der 52-Wochen-Tief-Zone, rutscht die Aktie weiter ab, ist im schlechtesten Fall sogar ein Test der 6-Euro-Marke oder darunter Richtung 5,50 Euro denkbar.
Was tun?
Die Lage bei TUI bleibt aktuell zweigeteilt. Operativ tut sich einiges Positives. Es gibt sinkende Kosten, ein Zukauf von Hotelkapazitäten und mindestens eine positive Analystenmeinung, die zuletzt sogar noch etwas optimistischer wurde. Gleichzeitig drückt aber die gekappte Gewinnprognose auf die Stimmung, und charttechnisch fehlt bislang der überzeugende Ausbruch nach oben. Wer schon investiert ist, könnte die Position vorerst halten und die Zahlen am 12. August abwarten. Neueinsteiger sollten eventuell zuerst den Sprung über die 7,70-Euro-Marke abwarten, bevor sie zugreifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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