
© Foto: He Junhui auf Unsplash (Symbolbild)
Ein Gewinneinbruch von über 40 Prozent, gleichzeitig ein Absatzziel, das kaum mutiger sein könnte. Während bei Xiaomi die Kernsparte Smartphones mit steigenden Chip-Preisen kämpft, schiebt der Konzern seine Elektroauto-Offensive mit neuen SUV-Modellen an. Dazu kommen fast tägliche Aktienrückkäufe und eine Short-Position von Leerverkäufern, die jederzeit aber auch nach oben für Zündstoff sorgen kann. Der Kurs hat sich zuletzt etwas erholt, doch reicht das schon für die Trendwende? Wir werfen einen Blick auf die Zahlen, den Chart und die News, die die Aktie bewegen könnten.
Aktuelle Lage
Der Elektronikkonzern hebt sein Absatzziel für Smartphones überraschend deutlich an, von ursprünglich 90 auf jetzt 110 Millionen Geräte im laufenden Jahr. Klingt mutig, keine Frage, denn parallel dazu bricht der Gewinn im ersten Quartal kräftig ein, je nach Berichtsperiode zwischen 43 und 57 Prozent. Schuld sind vor allem hohe Speicherchip-Kosten und die laufenden Investitionen ins Elektroauto-Geschäft und auch die Marktanteile bröckeln, denn in China rutschte Xiaomi zuletzt auf Rang fünf ab, weltweit reicht es "nur noch" für Platz drei hinter Samsung und Apple.
Im Autogeschäft dagegen tut sich einiges. Mit den neuen SUV-Modellen SkyNomad N90 und N70 wagt Xiaomi den Sprung vom klassischen Familienauto hin zu einer Art "fahrbarem Wohnzimmer", komplett mit drehbaren Sitzen und ausklappbarem Dachzelt. Das Ziel sind 550.000 ausgelieferte Fahrzeuge in diesem Jahr. Um dahin zu kommen, muss in der zweiten Jahreshälfte aber ordentlich nachgelegt werden. Rückenwind gab zuletzt der Börsengang des Chip-Konkurrenten CXMT, an dem Xiaomi als früher Investor beteiligt ist. Und dann ist da noch die Sache mit den Leerverkäufern: Laut Hongkonger Börsenaufsicht gibt es Leerverkäufe von aktuell rund 1,45 Milliarden Xiaomi-Aktien. Das könnte der Aktie bei guten News zusätzlichen Auftrieb verleihen. Und noch ein Baustein kommt hinzu, nämlich die Sache mit den Chips. Ab September will Qualcomm seine Snapdragon-Prozessoren im zweistelligen Prozentbereich teurer machen, ausgerechnet kurz bevor Xiaomi im Herbst sein neues Flaggschiff auf den Markt bringen will. Betroffen sind vor allem günstige Modelle, dort machen Speicherbausteine mittlerweile rund 60 Prozent der Produktionskosten aus. Gleichzeitig hält der Konzern an seiner Softwarepflege fest und bringt aktuelle Sicherheitsupdates für dutzende Geräte, während ältere Modelle aus dem Support fallen. Auch beim Thema KI will Xiaomi mitspielen. Mehrere Milliarden Yuan fließen in eigene Sprachmodelle. Wie stark sich die höheren Chippreise am Ende wirklich auf die Marge auswirken, dürfte sich erst in den Zahlen zum dritten Quartal zeigen.

Charttechnik
Der Kurs hat sich von seinem Jahrestief im Juni schon "deutlicher" erholt und damit einen kleinen Rebound eingeläutet. Aktuell steht die Aktie knapp oberhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts, was erstmal ein positives Zeichen ist. Der wichtigere 200-Tage-Durchschnitt bei etwa 3,77 Euro liegt allerdings noch klar über dem aktuellen Kurs. Der übergeordnete Abwärtstrend ist also noch nicht gebrochen. Jetzt stellt sich die Frage: Schafft die Aktie den Sprung über diese Marke, oder fällt sie zurück in den alten Trott? Ein nachhaltiger Ausbruch über die 200-Tage-Linie wäre das Signal, auf das viele Anleger warten. Vielleicht kommt ja eine gute News und die ganzen Shorties müssen eindecken.
Was tun?
Xiaomi bleibt ein Fall für Anleger mit starken Nerven. Die zuletzt eher schwächeren Zahlen und schrumpfenden Marktanteile passen nicht so recht zum forschen Absatzziel und der Auto-Offensive, hier gehen die Meinungen der Analysten entsprechend auseinander. Positiv zu werten sind die anhaltenden Aktienrückkäufe und die potenzielle Sprengkraft der hohen Short-Quote. Neueinsteiger sollten eventuell auf einen bestätigten Ausbruch über die 200-Tage-Linie warten, bevor sie zugreifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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