(neu: Äußerungen aus Telefonkonferenz im 3. Absatz, Hochstufung durch MWB Research im letzten Absatz, Kurs aktualisiert)
HERZOGENRATH (dpa-AFX) - Der weltweite Ausbau der KI-Kapazitäten treibt die Bestellungen beim Anlagenbauer Aixtron weiter an. Auf den Maschinen von Aixtron für optoelektronische Anwendungen werden etwa Laserkomponenten für die Datenübertragung hergestellt. Diese Technik findet in KI-Rechenzentren immer stärkeren Einsatz, da mit ihr Daten schneller und effizienter übertragen werden können als mit traditionellen Kupferkabeln.
"Das erste Halbjahr 2026 markiert einen wichtigen Wendepunkt", sagte Aixtron-Chef Felix Grawert am Donnerstag zur Vorlage der Quartalszahlen. "Das starke Auftragsmomentum in der Optoelektronik schafft eine hohe Visibilität für den bevorstehenden Produktionshochlauf." Auch dank der jüngst begebenen Wandelanleihe und des geplanten Produktionsstandortes in Malaysia sieht er das Unternehmen gut positioniert, "um die sich beschleunigende Nachfragewelle in der Optoelektronik voll auszuschöpfen".
In einer Telefonkonferenz mit Analysten verwies der Vorstand zudem darauf, dass die Lasersysteme aufgrund ihrer Komplexität ein etwas besseres Margenprofil hätten. Daher könnte die Bruttomarge 2027 etwas anziehen.
Größere Laser-Systemauslieferungen sollen nun voraussichtlich ab dem dritten Quartal beginnen und sich weit über das laufende Geschäftsjahr hinaus erstrecken, teilte Aixtron weiter mit. Die Nachfrage in der Leistungselektronik sowie durch Hersteller von Micro-LED und LED bleibe indes verhalten.
Alles in allem steigerte der MDax-Konzern den Auftragseingang im zweiten Quartal im Jahresvergleich um gut 80 Prozent auf 214,5 Millionen Euro, womit sich ein Auftragsbestand von knapp 457 Millionen ergibt.
Der Umsatz sank im Berichtszeitraum im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 115 Millionen Euro, wovon 13 Prozent als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hängen blieben. Absolut bedeutet das einen operativen Gewinn von 14,7 Millionen Euro und damit 38 Prozent weniger als vor einem Jahr. Während der Umsatz leicht unter der durchschnittlichen Analystenschätzung liegt, ist der operative Gewinn etwas besser ausgefallen.
Für das dritte Quartal stellt Aixtron-Chef Grawert Erlöse von 160 bis 200 Millionen Euro in Aussicht. Die im April angehobenen Jahresziele wurden bestätigt.
Ein Händler sprach in einer ersten Reaktion von einem starken Auftragseingang. Zudem untermauere der Umsatzausblick für das dritte Quartal die Geschäftsbelebung.
Analyst Om Bakhda vom Investmenthaus Jefferies wies mit Blick auf die aktuell noch schwache Nachfrage nach Anlagen zur Herstellung von Leistungshalbleitern zudem darauf hin, dass die Auslastungen dieser Chiphersteller sich wohl verbesserten.
Der Aktienkurs von Aixtron tat sich im frühen Handel schwer, legte dann aber deutlich zu. Am Nachmittag notierten die Papiere dann als einer der besten Werte im MDax mit 35,28 Euro fast 6 Prozent im Plus. Damit starteten sie einen Erholungsversuch vom jüngsten Rückschlag.
So ging es zuletzt seit einem rasanten, vom KI-Boom getriebenen Kursanstieg bis auf fast 63 Euro Mitte Juni ebenso schnell bergab, und zwar um insgesamt fast 50 Prozent. Hintergrund sind Gewinnmitnahmen durch Anleger bei stark gelaufenen Aktien mit KI-Bezug. Das Aixtron-Papiers ist 2026 trotz des jüngsten Rückschlags immer noch um das Doppelte gestiegen.
Analyst Abed Jarad vom MWB Research stufte die Aktien am Donnerstag bei einem unveränderten Kursziel von 40 Euro von "Hold" auf "Buy" hoch. Er sieht durch KI-getriebene Optoelektronik mehrjährigen Rückenwind. Hinzu komme das Potenzial durch Leistungselektronik für KI./mis/lew/jha/he




