DJ MARKT-AUSBLICK/US-Zinspolitik wird gefährlich für Aktien
DOW JONES--Eine interessante Woche steht vor DAX & Co. Denn anders als sonst gibt es keine großen Themen, auf die man "warten" kann. Die großen Events wie Notenbanksitzungen von Fed und EZB sind abgefeiert, der Kurseinbruch der KI-Werte relativiert sich, beim Thema US-Iran-Krieg und damit dem Ölpreis sind die Marktteilnehmer abgestumpft und selbst die Berichtssaison läuft zwar noch auf vollen Touren, die Namen werden aber immer weniger gewichtig. Für Anleger wird es damit komplizierter.
Der Eisberg vor der Titanic ist für Anleger die Entwicklung der US-Renditen. Ihre Folgen erhalten gegenüber plakativen Themen wie Fed und KI noch viel zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei sprangen die langlaufenden US-Renditen auf den höchsten Stand seit rund 20 Jahren - also kurz vor Beginn der Finanzkrise. Die 30-jährigen US-Bonds bringen mittlerweile um die 5,20 Prozent risikofreien Ertrag. So etwas zieht Anlagekapital von der Aktienbörse ab in den Rentenmarkt. Auch für die Aktienbewertungen sind steigende Renditen Gift. In den USA selber leidet darunter vor allem der Häusermarkt. Mit den dortigen Hypothekenkrediten von bis zu 6,7 Prozent macht Hausbesitz kaum noch Spaß.
Anleger tappen im Dunkeln - Risikoaufschläge treiben US-Renditen
Ein Ende des Renditeanstiegs ist nicht absehbar. Vor allem der Fed-Entscheid für unveränderte Zinsen weckte Sorgen, die Notenbank werde unter dem neuen Chef Kevin Warsh zu wenig gegen Inflation tun. Anleger sorgen sich, dass Warsh "in Worten hart gegen die Inflation ist, aber nicht in Taten", sagte John Briggs, Leiter der US-Zinsstrategie bei Natixis. Drei Fed-Mitglieder forderten bereits eine Zinserhöhung. So eine klare Abweichung im Fed-Gremium ist unüblich.
Das Hauptproblem ist, dass Warsh die Märkte nun im Dunkeln tappen lässt. Mit seinem neuerlichen Beweis, auf eine "Forward Guidance" zu verzichten, müssen die Märkte selber herausfinden, welcher Zins ihnen angemessen erscheint. Und damit erzeugt er gleich mehrere Risikoprämien als Aufschlag auf die Renditen: Für die Einschätzung der Inflation und für die Unsicherheit selber und dann noch für die resultierende Volatilität.
Damit zeichne sich das Ende der bequemen Geldpolitik ab, meint Bernhard Matthes vom Asset Management der Pax-Bank: "Das ist unbequem und gerade deshalb relevant. Denn der sogenannte 'Fed Put' war mehr als ein Börsenmythos." Er habe Risikobewertungen, Finanzierungsmodelle und die Erwartung geprägt, dass geldpolitische Lockerung im Bedarfsfall Wachstum, Staatsfinanzen und Vermögenspreise absichert.
Für Investoren sei das neue Fed-Signal daher eindeutig: Die Phase, in der hohe Bewertungen durch niedrige Realzinsen plausibilisiert wurden, könnte auslaufen. "Höhere Langfristzinsen, steilere Zinskurven und steigende Risikoprämien wären keine Betriebsstörung, sondern Teil einer denkbaren geldpolitischen Neuordnung." Besonders anfällig seien Geschäftsmodelle, deren Tragfähigkeit wesentlich auf günstiger Refinanzierung beruht - von Immobilien über Private Equity bis zu hoch verschuldeten Unternehmen.
Gefahren der Fed-Politik strahlen weltweit aus
Die Gefahren der neuen Fed-Politik strahlen dabei weltweit aus. So warnt Zinsexperte David Tam von Bank auf New York Mellon vor Ansteckungsgefahren. Denn der Verzicht der Fed auf Forward Guidance sorge für strukturell höhere Unsicherheit und damit Volatilität in den US-Renditen. Dies werde auf andere Staatsanleihen ausstrahlen, denn sie seien eng verwoben mit den US-Bonds. Steigende Volatilität könnte zu Renditespitzen führen und auch dort einen Ausverkauf auslösen. Investoren in Staats-Bonds "sollten nicht selbstgefällig gegenüber der Bedrohung sein, die US-Zinsausschläge für ihre Portfolios bedeuten", warnt Tam.
Neue Indikationen für die globalen Zinsmärkte gibt es kommende Woche nicht. Hier stehen hauptsächlich Konjunkturdaten im Fokus. So die wichtigen Revisionen der globalen Einkaufsmanager-Indizes (PMI), die Einblick in die Lage der Weltwirtschaft geben. Ferner werden in den USA die ISM-Indizes vorgelegt. Der ISM-Service-Index am Donnerstag enthält schon Informationen über das wichtigste Segment des US-Arbeitsmarktes. Am Freitag folgt dann der große Monatsbericht zum US-Arbeitsmarkt. Nach einer Fed-Zinsentscheidung haben dies Daten aber üblicherweise kaum Gewicht. Dazu kommt noch das US-BIP.
Bei der Berichtssaison geht die Zahlenflut weiter. Klare Branchenschwerpunkte gibt es kaum, vor allem in Deutschland kommen jedoch auch mehr und mehr Zahlen von Nebenwerten.
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July 31, 2026 05:40 ET (09:40 GMT)
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