MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Europäische Fußball-Union hat den Weltverband FIFA auch nach der Aufgabe von dessen Investorenplänen hart attackiert. "Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie", teilte der Kontinentalverband mit. Dass die FIFA um Präsident Gianni Infantino zuvor ihre Pläne verworfen hatte, die kommerziellen WM-Rechte an Investoren zu verkaufen, begrüßte die UEFA.
Der FIFA-Entscheidung waren massive Proteste vor allem aus Europa vorausgegangen - aber auch die Kontinentalverbände in Asien sowie Nord- und Mittelamerika lehnten Infantinos Pläne ab. Der Schweizer steht heftig unter Druck, viele in der Fußball-Welt und selbst der Politik fordern seinen Rücktritt.
"Schäbiger" und "undurchsichtiger" Deal
Die UEFA schrieb dazu: "Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefädelt und anschließend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz." Infantino habe es zudem nicht geschafft, die milliardenschweren Rücklagen der FIFA den Verbänden und damit dem Fußball zukommen zu lassen.
Stattdessen hatte Infantino zuletzt vorgeschlagen, einen Teil der WM-Rechte in ein Tochterunternehmen auszulagern und durch den Verkauf an Investoren hohe Summen einzunehmen. Berichten zufolge setzte der Weltverband dann den Verbänden für die Zustimmung zu den Plänen eine Frist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht.
UEFA fordert: Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen
"So können wir nicht weitermachen - mit geheimen Machenschaften, die im Eiltempo von gesichtslosen Individuen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist", hieß es dazu bei der UEFA. "Wir müssen die Verantwortlichen ausfindig machen und sie zur Rechenschaft ziehen."
Der europäische Verband kündigte an, unmittelbar mit Partnern weltweit in den Dialog zu treten, um neue Wege zu finden, die FIFA-Gelder zu verteilen. "Das ist ein Sieg für das ganze Spiel", schrieb die UEFA. "Aber es darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Vorschlag wurde zurückgenommen. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wieder aufzubauen, hat gerade erst begonnen."/msw/DP/zb
