
© Foto: fn (Bild mit AI erstellt)
Bei Volkswagen geht es gerade nicht nur heiß her, sondern es geht vielmehr drunter und drüber. Keine Frage, die Halbjahreszahlen sind enttäuschend ausgefallen, in China bricht der Absatz weg, und es stehen gleich vier deutsche Werke zur Debatte. Insgesamt sollen bis zu 100.000 Jobs weltweit auf dem Prüfstand stehen. Kein Wunder, dass die Aktie nicht nur erst seit Jahresbeginn, sondern schon monatelang kräftig gelitten hat. Doch ist das jetzt erst der Anfang vom Ende oder schon eine Chance für mutige Anleger? Wir schauen uns die Zahlen, den Chart und die Aussichten genauer an und sagen, worauf es jetzt ankommt.
Sparkurs mit harten Folgen
Die Zahlen zum ersten Halbjahr zeigen, wie ernst die Lage bei Volkswagen wirklich ist. Der Umsatz hielt sich zwar mit 158,1 Milliarden Euro noch recht stabil, doch das operative Ergebnis rutschte um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro ab. Die Marge liegt nur noch bei schwachen 3,8 Prozent. Besonders bitter ist, dass in China, einst der wichtigste Wachstumsmotor, die Auslieferungen um bis zu 31,6 Prozent eingebrochen sind. Konzernchef Oliver Blume reagiert daraufhin mit einem harten Sparkurs, was ja erst einmal richtig sein dürfte und hierbei sollen bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen. Die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gelten als gefährdet. Der Betriebsrat läuft zwar Sturm, doch die Kostenlücke zu Standorten wie Bratislava ist einfach zu groß. Die Abfindungen werden aber auch nicht ganz billig sein. Auch das dürfte belasten.
Lichtblicke trotz Krise
Ganz so düster, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist das Bild aber nicht. Es schaut zwar nicht gut aus, aber totgesagte leben bekanntlich oftmals länger. Volkswagen setzt große Hoffnung auf neue Elektromodelle, die zusammen mit dem chinesischen Partner Xpeng entstehen und ab Ende des Jahres auf den Markt kommen sollen. Auch die Partnerschaft mit Rivian trägt inzwischen erste Früchte und half zuletzt den Software-Umsätzen auf die Sprünge. Der Auftragseingang in Europa zeigt sich wenigstens noch recht stabil, und der Anteil der E-Auto-Bestellungen ist spürbar gestiegen. Ob das aber ausreicht, um den verlorenen Boden in China zurückzugewinnen, bleibt allerdings offen. Ganz hoffnungslos ist es nicht, aber es dürfe schwierig werden, den verlorenen Boden wieder wettzumachen.
Charttechnik
Auch charttechnisch macht die VW-Aktie derzeit leider keine gute Figur. Bei rund 74,50 Euro pendelt der Kurs momentan etwas hin und her. Seit Jahresbeginn ging es um fast 30 Prozent nach unten. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 108 Euro ist der Titel weit entfernt, noch deutlich weiter vom Hoch aus 2024 bei knapp unter 129 Euro. Der RSI notiert derzeit bei 37 und deutet damit auf eine schwache, aber noch nicht überverkaufte Stimmung hin. Es kann also noch weiter nach unten gehen, bevor es tatsächlich überverkauft wäre und ein Rebound überfällig ist. Kurzfristige Erholungen wie zuletzt wirken eher wie ein Strohfeuer, der übergeordnete Trend zeigt weiterhin nach unten. Der Kurs liegt auch recht deutlich unter den beiden SMAs (50er und 200er) und damit ist der Abwärtstrend technisch klar dominiert. Auch das Momentum deutet weiter nach unten. Die nächste Zielzone liegt daher erstmal im Bereich unter 70 Euro, wahrscheinlich so im Bereich 60 - 63 Euro, was sich aus der Ableitungsprojektion der vorherigen Abwärtswälle ergibt.

Was tun?
Unterm Strich bleibt Volkswagen derzeit eher ein Investment für sehr Wagemutige, die auch gerne gegen den Trend agieren. Zwar lockt auf der einen Seite eine extrem niedrige Bewertung mit einem KGV von rund 4,5 und einer hohen Dividendenrendite. Auf der anderen Seite belasten schwache China-Zahlen, ein harter Umbau, der jede Menge Geld kosten dürfte und ein angeschlagener Chart das Vertrauen der Anleger. Die Analysteneinschätzungen gehen entsprechend auseinander. Es ist alles vertreten. Für einen Neueinstieg spricht angesichts der charttechnischen Schwäche derzeit eher wenig. Hier lohnt sich nur Geduld auf einen besseren Zeitpunkt und niedrigere Kurse.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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