KIEW (dpa-AFX) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft Russland bis Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. Wann genau dies sein werde, lasse sich nicht vorhersagen, sagte er vor den versammelten Botschaftern der Ukraine in Kiew. Ukrainische Drohnenangriffe auf mittlere und lange Distanz, Sanktionen des Auslands und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken, "um Russland keine Alternative zu einem Frieden zu lassen", sagte er. "Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert."
Gleichzeitig richtete sich Selenskyj aber auf einen weiteren Kriegswinter ein. Den Diplomaten seines Landes erteilte er den Auftrag, die notwendige technische Unterstützung und Waffen bei den ausländischen Partnern zu organisieren. "Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben." Als wichtiges internationales Projekt der Ukraine nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern.
Selenskyj warf dem russischen Staatschef Wladimir Putin vor, ein Kriegsende hinauszuzögern und eine weitere Mobilisierung vorzubereiten. Ein Abrücken des Kremls von seinen Kriegszielen ist auch nach fast viereinhalb Jahren Großinvasion nicht erkennbar. Hingegen gehen viele Beobachter davon aus, dass auf die Parlamentswahl in Russland Mitte September eine weitere Mobilisierungswelle folgen könnte.
40 Tage Geheimdienstaktionen gehen zu Ende
Ende Juni hatte der ukrainische Präsident eine 40-tägige Phase von Geheimdienstaktionen angekündigt, um Russland in Richtung Frieden zu bewegen. In diese Zeit fielen unter anderem die spektakulären Angriffe auf Logistikzentren des russischen Online-Händlers Wildberries. Die 40 Tage laufen am morgigen Dienstag ab./fko/DP/stw
