
© Foto: Arturo Anez auf Unsplash.
Der israelische Software-Spezialist Wix.com hat am Dienstag ein starkes Quartalsergebnis vorgelegt. Die Aktie könnte jetzt vor einer gewaltigen Aufholjagd stehen!
Der Ausverkauf in der Software-Branche ist zu Ende
Monatelang standen selbst aussichtsreiche Titel aus der Software-Branche nicht nur in diesem, sondern bereits im vergangenen Jahr unter anhaltend hohem Verkaufsdruck. Investoren befürchteten einerseits, leistungsfähige KI-Modelle und KI-Agenten könnten das Geschäftsmodell disruptieren, gleichzeitig handelten sie Software- und Hardware-Titel in einem sogenannten Pair-Trade - Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte auf der Long- und Software-Titel auf der Short-Seite. Das hat die Verkaufsdynamik zusätzlich beschleunigt.
Doch inzwischen ist die Branche wieder im Aufwind. Nach einer ganzen Reihe guter Quartalsergebnisse, darunter von Microsoft, SAP und ServiceNow, greifen Anlegerinnen und Anleger angesichts von Bewertungsniveaus deutlich unter der historischen Norm wieder zu. Von ihren Tiefs haben sich einzelne Werte in nur wenigen Tagen teils um 20 bis 30 Prozent erholt.
KI-Disruption? Starkes Umsatzwachstum zerschmettert Bären-These!
Zu den vom lange Zeit schwachen Branchentrend besonders betroffenen Werten gehörte die Aktie des israelischen Software-Spezialisten Wix.com. Die Anteile des Unternehmens, das eine Plattform zur Erstellung von Websites spezialisiert hat, stürzten gegenüber ihrem 52-Wochen-Hoch bei 190,93 US-Dollar zeitweise um fast 80 Prozent ab. Erst allmählich konnte sich die Aktie zuletzt erholen.
Doch jetzt könnte die Gegenbewegung an Fahrt aufnehmen und Wix.com vor einer gewaltigen Aufholjagd stehen. Der Grund hierfür sind die am Dienstagmittag vorgelegten, überraschend stark ausgefallenen Quartalszahlen. Die lassen von einer Disruption der Geschäfte durch Künstliche Intelligenz nichts erkennen.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 14,9 Prozent auf 563,1 Millionen US-Dollar zu. Damit konnten die Erwartungen der Analystinnen und Analysten um 10,3 Millionen US-Dollar übertroffen werden. Angetrieben wurde das Wachstum durch höhere Buchungen einerseits und eine starke Beibehaltungsquote andererseits. Die Buchungen legten gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent auf 569,1 Millionen US-Dollar zu, davon entfielen 405,8 Millionen US-Dollar auf Bereitstellungs- und 163,3 Millionen US-Dollar auf Geschäftslösungen.
Gewinn übertrifft Erwartungen, aber hohe Marketing- und Übernahmekosten belasten das Ergebnis
Auch operativ konnte sich Wix.com deutlich steigern. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag mit 1,39 US-Dollar um 18 Cent über den Schätzungen. Im Vergleichszeitraum vor einem Jahr hatte Wix.com je Anteil noch 2,28 US-Dollar erwirtschaftet. Werden Bereinigungen außer Acht gelassen, hat Wix.com in den vergangenen 3 Monaten einen Nettoverlust in Höhe von 76,4 Millionen US-Dollar erlitten nach einem Gewinn von 57,7 Millionen US-Dollar im Jahr zuvor.
Der Vorzeichenwechsel ist vor allem höheren Entwicklungskosten einerseits und gestiegenen Marketingaufwendungen andererseits anzulasten. Allein in diesen beiden Bereichen stiegen die Kosten um rund 110 Millionen US-Dollar. Außerdem entfielen 53,4 Millionen US-Dollar der betrieblichen Aufwendungen auf Aktienvergütungen. Die allerdings sind diese Cash-unwirksam, sodass aus operativer Tätigkeit Barmittelzuflüsse in Höhe von 55,6 Millionen US-Dollar erwirtschaftet werden konnten. Der freie Cashflow lag bei 52,6 Millionen US-Dollar
Seinen Ausblick für das Gesamtjahr hat Wix.com bekräftigt. Erwartet wird weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnprozentbereich. Das entspricht den Analystenerwartungen von 12,7 Prozent. Die Cashflow-Rendite soll (abzüglich Restrukturierungskosten und Aufwendungen für den Kauf von Base44 und Hour One) im mittleren Zehnprozentbereich liegen. Damit dürfte Wix.com seine ohnehin makellose Bilanz (Nettovermögen zuletzt rund 436 Millionen US-Dollar) weiter stärken können.

Zweistellige Kursgewinne, schwer angeschlagenes Chartbild hellt sich auf
In der US-Vorbörse kamen die von Wix.com vorgelegten Quartalszahlen hervorragend an. Die Aktie verteuerte sich aus dem Stand fast zweistellig auf rund 62,50 US-Dollar. Damit ist der Rücksetzer aus der vergangenen Woche wieder wettgemacht und das Papier auf dem Weg in Richtung des höchsten Stands seit fast 3 Monaten.
Das übergeordnete Chartbild ist angeschlagen, hat sich aber bereits deutlich aufgehellt. Die zwischen August 2025 und Juli 2026 vorherrschende Abwärtstrendlinie hat Wix.com bereits überwinden können. Monatelange bullishe Divergenzen in den technischen Indikatoren RSI und MACD haben außerdem für die Etablierung eines kurzfristige Erholungstrends gesorgt. Mit dessen Hilfe konnte die Aktie bereits die 50-Tage-Linie sowie den Widerstandsbereich bei 50 US-Dollar überwinden. Damit ist der Weg jetzt frei in Richtung der Widerstandszone zwischen 75 und 82 US-Dollar (200-Tage-Linie).
Fazit: Hier könnte es jetzt zu einer Verdopplung kommen!
Nicht nur technisch, sondern auch mit Blick auf die Unternehmensbewertung bietet Wix.com nach der bestätigten Geschäftsprognose viel Aufwärtspotenzial. Für 2026 ist das Unternehmen mit dem 11,2-Fachen seiner erwarteten Gewinne bewertet - das liegt um mehr als die Hälfte sowohl unter dem Branchendurchschnitt als auch dem 5-Jahres-Mittel der Aktie. Gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis mit 0,77 sehr günstig.
Dazu kommt die zweistellige Cashflow-Rendite und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von fast 1. Das macht Wix.com jetzt zu einer der aussichtsreichsten Wetten im Software-Bereich. Zwar ist die Schwankungsbreite der Aktie deutlich höher als bei etablierteren Werten. Das trifft jetzt allerdings auch auf die Anlage- und Renditechancen zu!
Gastautor: Max Gross
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