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Seit Freitag gelten in der Europäischen Union neue Vorgaben für PFAS-haltige Feuerlöschschäume. Die als Ewigkeitschemikalien bekannten Stoffe verursachen weltweit erhebliche Umweltprobleme und milliardenschwere Haftungsrisiken. Gleichzeitig zeigt der deutsche Chemiekonzern BASF (ISIN: DE000BASF111), wie vielseitig Graphit bereits industriell eingesetzt wird: In Ludwigshafen erweitert das Unternehmen seine Kapazitäten für graphithaltige Dämmstoffe um 50.000 Tonnen jährlich. Für Focus Graphite (ISIN: CA34416E8743) entsteht daraus eine interessante Perspektive. Denn der kanadische Rohstoffentwickler verfügt mit Lac Knife nicht nur über eine hochgradige Graphitlagerstätte, sondern konnte im Pilotmaßstab auch einen außergewöhnlich hohen Anteil großer Graphitflocken gewinnen. Diese könnten insbesondere für Spezialanwendungen wie expandierbaren Graphit im Brandschutz interessant werden.
Neue PFAS-Vorschriften erhöhen den Druck auf die Industrie
Am 23. Oktober 2026 ist eine weitere Stufe der europäischen PFAS-Regulierung wirksam geworden. Grundlage ist die Verordnung (EU) 2025/1988, die den Einsatz von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen in Feuerlöschschäumen schrittweise einschränkt. Seit Freitag gelten unter anderem zusätzliche Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten sowie Anforderungen an den Umgang mit PFAS-haltigen Löschmitteln und entsprechenden Abfällen. Zudem endet eine Übergangsfrist für das Inverkehrbringen bestimmter PFAS-haltiger Schäume in tragbaren Feuerlöschern. Das allgemeine Verbot für PFAS in Feuerlöschschäumen greift grundsätzlich ab Oktober 2030, wobei für einzelne Anwendungen längere Übergangsfristen vorgesehen sind. Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. PFAS können sich in Böden und Gewässern anreichern und sind aufgrund ihrer Beständigkeit nur schwer zu entfernen. Das Bundesumweltministerium beschäftigt sich deshalb seit Jahren mit der Bewertung und Sanierung belasteter Standorte. Gleichzeitig zeigen internationale Gerichtsverfahren, welche finanziellen Risiken aus dem langjährigen Einsatz solcher Stoffe entstehen können. Für Industrieunternehmen wird damit die Frage immer wichtiger, wie sich technische Leistungsfähigkeit, Umweltverträglichkeit und langfristige Haftungsrisiken miteinander vereinbaren lassen.
BASF investiert in Graphit - 50.000 Tonnen zusätzliche Kapazität
Dass Graphit längst weit mehr als ein Batterierohstoff ist, zeigt BASF. Der Chemiekonzern hat angekündigt, seine Produktionskapazität für das graphithaltige Dämmstoff-Vorprodukt Neopor am Standort Ludwigshafen um 50.000 Tonnen pro Jahr auszubauen. Die neuen Anlagen sollen Anfang 2027 in Betrieb gehen. Hintergrund ist die erwartete Nachfrage nach leistungsfähigen Dämmstoffen für Neubauten und die energetische Sanierung bestehender Gebäude. Neopor ist ein expandierbares Polystyrol-Granulat, dem Graphit zugesetzt wird. Die Graphitpartikel verbessern die Wärmedämmung, sodass entsprechende Dämmplatten laut BASF eine um bis zu 30 Prozent höhere Dämmleistung gegenüber herkömmlichem weißem EPS erreichen können. Das Beispiel verdeutlicht, wie bestimmte Materialeigenschaften von Graphit industrielle Produkte leistungsfähiger machen können. Auch bei der Rohstoffbeschaffung verfolgt BASF konkrete Ansätze. Gemeinsam mit Graphit Kropfmühl, einem Tochterunternehmen von AMG Critical Materials (ISIN: NL0000888691), vereinbarte der Konzern 2024 eine Zusammenarbeit zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Graphit. Durch den Einsatz von Herkunftsnachweisen für erneuerbaren Strom soll der produktbezogene CO2-Fußabdruck des am Standort Hauzenberg hergestellten Graphits um mindestens 25 Prozent sinken. BASF will das Material anschließend für Neopor mit reduziertem CO2-Fußabdruck einsetzen.
Warum der PFAS-Wandel einen zweiten Graphitmarkt interessant macht
Während BASF Graphit zur Verbesserung der Dämmleistung nutzt, eröffnet eine andere Materialeigenschaft zusätzliche Möglichkeiten im Brandschutz. Sogenannter expandierbarer Graphit wird aus natürlichem Flockengraphit hergestellt. Bei starker Hitze kann sich das Material erheblich ausdehnen und eine isolierende, kohlenstoffreiche Schutzschicht bilden. Dadurch lässt sich in geeigneten Materialformulierungen der Wärmetransport begrenzen und die Ausbreitung von Flammen verlangsamen. Solche Eigenschaften sind beispielsweise für Brandschutzbeschichtungen, Dämmmaterialien, Kunststoffe und andere passive Brandschutzsysteme relevant. Der zunehmende regulatorische Druck auf bestimmte Chemikalien kann die Entwicklung alternativer, nicht halogenierter Brandschutzformulierungen unterstützen. Expandierbarer Graphit ist dabei allerdings kein unmittelbarer Ersatz für PFAS-haltige flüssige Feuerlöschschäume. Vielmehr handelt es sich um unterschiedliche Anwendungen innerhalb eines breiteren Marktes für Brandschutzmaterialien. Nach einer Prognose von Market Research Future könnte der weltweite Markt für expandierbaren Graphit von rund 4,06 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa neun Milliarden US-Dollar bis 2035 wachsen. Flammschutzmittel zählen dabei zu den wichtigsten Einsatzgebieten. Für Graphitproduzenten eröffnet sich somit neben Batterien und traditionellen Industrieanwendungen ein potenziell wachsender Spezialmarkt.
Lac Knife: Fast 15 Prozent Graphitgehalt
Für Focus Graphite ist diese Entwicklung besonders interessant, weil sich das unternehmenseigene Lac-Knife-Projekt in Québec durch einen hohen Graphitgehalt auszeichnet. Die aktualisierte Machbarkeitsstudie von 2023 weist rund 9,31 Millionen Tonnen wahrscheinliche Mineralreserven mit durchschnittlich 14,97 Prozent graphitischem Kohlenstoff aus. Damit liegt Lac Knife deutlich über den Erzgehalten mehrerer ausgewählter Graphitprojekte. Zum Vergleich: Das Molo-Projekt von NextSource Materials (ISIN: CA65343M2094) weist in der vom Unternehmen zusammengestellten Vergleichsübersicht 6,27 Prozent auf, Graphite Creek von Graphite One (ISIN: CA38871F1027) 5,22 Prozent und Matawinie von Nouveau Monde Graphite (ISIN: CA66979W8429) 4,23 Prozent. Die Werte stammen aus unterschiedlichen technischen Studien und beziehen sich auf die jeweils ausgewiesenen Mineralreserven. Ein unmittelbarer Vergleich der Wirtschaftlichkeit ist deshalb nicht möglich. Der hohe Ausgangsgehalt kann dennoch ein wichtiger technischer Vorteil sein. Bei einem Erzgehalt von 14,97 Prozent enthält eine Tonne Lac-Knife-Erz rechnerisch knapp 150 Kilogramm graphitischen Kohlenstoff. Bei einer Lagerstätte mit fünf Prozent wären es lediglich rund 50 Kilogramm. Um dieselbe Menge enthaltenen Graphits zu gewinnen, müsste dort rechnerisch etwa die dreifache Erzmenge verarbeitet werden. Tatsächliche Produktionskosten hängen allerdings zusätzlich von Abbauverhältnissen, Gesteinseigenschaften, metallurgischer Ausbeute und Infrastruktur ab.
47 Prozent große Graphitflocken: Der entscheidende Unterschied
Noch wichtiger für bestimmte Spezialanwendungen ist die Größe der gewonnenen Graphitflocken. In einem Pilotprogramm mit American Energy Technologies Company konnte Focus den Anteil großer und besonders großer Flocken im erzeugten Graphitkonzentrat durch angepasste Aufbereitungsbedingungen von rund 33 auf 47 Gewichtsprozent steigern. Der Graphitgehalt des Konzentrats lag dabei bei ungefähr 95 Prozent. Besonders bemerkenswert sind die gröberen Korngrößenfraktionen. Rund 15 Prozent des Pilotkonzentrats entfielen auf die Fraktion +50 Mesh und weitere etwa 24 Prozent auf +80 Mesh. Zusammen machten diese beiden Fraktionen rund 39 Prozent des Konzentrats aus. Focus identifizierte sie ausdrücklich als potenzielles Ausgangsmaterial für expandierbaren beziehungsweise expandierten Graphit. Damit verfügt das Unternehmen über eine technische Eigenschaft, die für die künftige Produktstrategie relevant sein könnte. Während für Batterieanoden häufig feiner, sphärischer Graphit benötigt wird, können größere natürliche Flocken bei bestimmten industriellen Anwendungen Vorteile bieten. Allerdings beschreiben die genannten Prozentwerte ausschließlich die Korngrößenverteilung des im Pilotmaßstab erzeugten Konzentrats. Sie lassen sich nicht unmittelbar auf die gesamte Lagerstätte übertragen. Auch die Eignung für konkrete Brandschutzprodukte muss erst durch weitere Tests und Kundenqualifizierungen bestätigt werden.
Vom Batterierohstoff zum vielseitigen Industriematerial
Die Kombination aus hohem Erzgehalt und einem beträchtlichen Anteil großer Graphitflocken eröffnet Focus die Möglichkeit, unterschiedliche Absatzmärkte zu untersuchen. Neben Batterieanoden kommen beispielsweise expandierbarer Graphit, Spezialbeschichtungen und weitere technische Anwendungen infrage. Die Anforderungen an Reinheit, Korngröße und Materialverhalten unterscheiden sich dabei erheblich. Im Juli 2026 meldete Focus zudem Fortschritte bei der mechanischen Aufbereitung. Bei einem Pilotprogramm mit SGS Canada entstanden aus rund acht Tonnen Erz ungefähr 850 Kilogramm Graphitkonzentrat mit Kohlenstoffgehalten zwischen 95,0 und 98,7 Prozent. Diese Ergebnisse wurden ohne zusätzliche chemische oder thermische Reinigung erzielt. Das Material soll für weitere Verarbeitungsschritte und mögliche Kundenbewertungen eingesetzt werden. Eine industrielle Produktion ist damit noch nicht erreicht. Auch bestehen keine belegten Lieferbeziehungen zwischen Focus und BASF oder Graphit Kropfmühl. Das Beispiel des deutschen Chemiekonzerns zeigt jedoch, dass Graphit bereits heute in unterschiedlichen industriellen Wertschöpfungsketten eingesetzt wird und die Eigenschaften des Ausgangsmaterials für die spätere Verwendung entscheidend sein können.
Fazit
Die seit dem 23. Oktober geltenden europäischen PFAS-Vorgaben verstärken den Druck auf die Industrie, den Einsatz problematischer Chemikalien zu reduzieren und alternative Materialien zu prüfen. Gleichzeitig demonstriert BASF mit dem Ausbau seiner graphithaltigen Dämmstoffe, welche Bedeutung Graphit bereits jenseits des Batteriemarktes besitzt. Für Focus Graphite (ISIN: CA34416E8743) ergibt sich daraus eine doppelte Perspektive: Lac Knife verfügt über einen hohen Graphitgehalt von 14,97 Prozent und lieferte im Pilotmaßstab ein Konzentrat mit rund 47 Prozent großen und besonders großen Graphitflocken. Gerade diese Kombination könnte bei der Erschließung spezialisierter Industriemärkte von Vorteil sein. Ob daraus langfristig kommerzielle Absatzmöglichkeiten entstehen, hängt von weiteren technischen Nachweisen, Kundenqualifizierungen und der Entwicklung des Projekts ab.
Quelle:
BASF - Ausbau der Neopor-Produktion in Ludwigshafen, 24.10.2024
https://www.basf.com/global/de/who-we-are/organization/locations/europe/german-sites/ludwigshafen/news-and-media/news-releases/2024/10/p-24-303
BASF - Zusammenarbeit mit Graphit Kropfmühl, 03.07.2024
https://www.basf.com/global/de/media/news-releases/2024/07/p-24-236
Europäische Union - PFAS-Beschränkungen für Feuerlöschschäume, 02.10.2025
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32025R1988
Bundesumweltministerium - PFAS-Leitfaden zur Bewertung belasteter Standorte, 2022
https://www.bundesumweltministerium.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Bodenschutz/pfas_leitfaden_2022_en_bf.pdf
Market Research Future - Expandable Graphite Market Report, 05.10.2026
https://www.marketresearchfuture.com/reports/expandable-graphite-market-27575
Focus Graphite - Machbarkeitsstudie Lac Knife, 19.04.2023
https://focusgraphite.com/focus-graphite-announces-benchmark-feasibility-study-update-for-its-lac-knife-graphite-project-quebec/
Focus Graphite - Pilotversuch mit großen Graphitflocken, 02.09.2025
https://focusgraphite.com/focus-graphite-pilot-run-demonstrates-significant-increase-in-large-and-jumbo-flake-recovery-at-lac-knife/
Focus Graphite - Hochreines Graphitkonzentrat aus Pilotprogramm, 28.07.2026
https://focusgraphite.com/focus-graphite-achieves-up-to-98-7-carbon-concentrate-through-mechanical-processing-and-activates-downstream-qualification-platform/
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