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Die Aktie von Halbleiterhersteller AMD kannte zuletzt nur eine Richtung: steil nach oben. Doch ebenso steil könnte es schon bald wieder bergab gehen.
Anlegerinnen und Anleger eskalieren die Halbleiter-Rallye
Der KI-Boom hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen fast beispiellosen Run vor allem auf Halbleiteraktien ausgelöst. Besonders gefragt waren einerseits die Hersteller von Speicherchips wie Micron, Samsung und SK Hynix, da sich hier ein Versorgungsengpass abzeichnet, der sich nach neusten Schätzungen sogar bis 2030 erstrecken könnte. Ebenfalls besonders hoch im Kurs der Anlegerinnen und Anleger standen außerdem CPU-Hersteller wie AMD, Intel und Qualcomm, nachdem Zentralprozessoren künftig zur neuen treibenden Kraft von agentischer KI werden könnten. Bislang hat die Branche vor allem auf die GPUs von Nvidia gesetzt.
Doch die Rallye innerhalb der Branche, der vielbeachtete Index Philadelphia Semiconductor hat sich seit dem Jahreswechsel um 96,5 Prozent verteuert, ist inzwischen vollkommen aus den Fugen geraten. Wie groß die Übertreibung ist, hat zuletzt Marvell Technology demonstriert, wo ein Lob von Nvidia-CEO Jensen Huang für einen Kurssprung von fast 50 Prozent in nur zwei Tagen sorgte. Doch auch bei AMD ist einiges aus den Fugen geraten sowohl technisch als auch fundamental. Anlegerinnen und Anleger, die jetzt nicht wenigstens einen Teil ihrer Gewinne mitnehmen, könnten es schon bald bitter bereuen.

So extrem ist die Rallye bei AMD jetzt
Langfristig handelt die AMD-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend, der allerdings vom Wechsel starker Bullen- und Bärenzyklen geprägt ist. Seit rund einem Jahr sind, mit Ausnahme einer längeren Konsolidierungsphase im Herbst und kriegsbedingt auch im Frühjahr, die Käuferinnen und Käufer am Ball. Vor allem seit Anfang April geht es steil bergauf - rund 150 Prozent hat die Aktie seither gewonnen.
Für eine Beschleunigung des Aufwärtstrends sorgte aus technischer Perspektive vor allem der Anstieg über den zwischen 250 und 260 US-Dollar gelegenen Widerstandsbereich und damit der Ausbruch auf neue Allzeithochs, die in der Chartanalyse als starke Kaufsignale gelten. Den darauffolgenden Anstieg hat die Aktie fast ohne jeden Pullback absolviert. Es handelt sich also um eine Lock-out-Rallye, wo auf einen Einstieg wartende Anlegerinnen und Anleger systematisch mit immer höheren Kursen ausgepreist werden - bis sie schließlich das Handtuch werfen und doch noch zu jedem Preis einsteigen.
Dazu kamen massenhafte Käufe von Call-Optionen nicht zuletzt auch durch Privatanlegerinnen und -anleger, wodurch es zusätzlich zu einem sogenannten Gamma-Squeeze kam. Wie stark diese Dynamik zeitweise war, verdeutlicht der Blick auf den Relative-Stärke-Index (RSI), der auf Tageskursbasis ein Niveau von fast 90 Punkten erreichte. Das ist nicht nur überkauft, sondern stellt bereits Blasenterritorium dar.
Die Abwärtsrisiken sind enorm
Trotz extrem überkaufter Niveaus ist die Aktie zuletzt weiter gestiegen, gleichzeitig ist der RSI jedoch etwas gefallen. Dadurch liegen jetzt bearishe Divergenzen vor: Die Rallye der Aktie wird also nicht mehr durch steigende technische Indikatoren unterstützt. Das ist ein Zeichen fehlender Nachhaltigkeit und deutet eine künftige Korrekturbewegung an. Diese Entwicklung liegt auch im Trendstärkeindikator MACD vor, was das Problem zusätzlich verschärft.
Die technisch extrem weit fortgeschrittene Rallye wird auch durch den gewaltigen Abstand zu den gleitenden Durchschnitten demonstriert. Das ist nicht nur ein Warnsignal, sondern bedeutet auch ein großes Abwärtspotenzial im Fall einer Korrektur, da belastbare Unterstützungen weit vom aktuellen Kursniveau entfernt sind. Gerät die Aktie ins Rutschen, sollten sich Anlegerinnen und Anleger vor 350 US-Dollar keine Hoffnungen auf eine Bodenbildung machen. Wird die 200-Tage-Linie so wie zuletzt im März getestet, stünde die Aktie sogar vor einer Halbierung.
Für zusätzliche Abwärtsrisiken sorgen die nicht eingezeichneten Bollinger Bänder. Während die auf Tages- und Wochenkursbasis zuletzt immer weiter ausgedehnt wurden, handelte AMD auf Monatsbasis zuletzt fast vollständig außerhalb der Bollinger Range. Das ist ein statistisch extrem unwahrscheinliches Ereignis und geht in der Regel mit heftigen Gegenbewegungen in die zuletzt vorherrschende Trendrichtung einher. Das letzte Mal war das bei AMD im Januar und Februar 2024 der Fall. Im Anschluss setzte ein fast einjähriger Bärenmarkt der Aktie mit Kursverlusten von rund zwei Dritteln ein.
Fazit: Auch die Bewertung schreit jetzt "Raus da!"
Auch die Unternehmensbewertung ist inzwischen weit über das Ziel hinausgeschossen. Für 2026 ist AMD mit rund dem 71-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet, für 2027 steht ein KGVe von knapp 42 zu Buche. Damit handelt die Aktie schon für das kommende Geschäftsjahr über dem Bewertungsdurchschnitt der vergangenen 5 Jahre von rund 38. Gleichzeitig ist das Gewinnwachstum angesichts eines Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 1,26 nicht mehr günstig. Damit ist AMD "priced for perfection", wohin das jedoch führen kann, wenn sich das Unternehmen selbst den geringsten Schnitzer erlaubt, zeigen am Donnerstag die Quartalszahlen sowie die Kursreaktion von Broadcom.
Angesichts sowohl technischer als auch fundamentaler Extreme sind Anlegerinnen und Anleger bei AMD (und auch anderen zuletzt stark gelaufenen Halbleiter-Aktien) gut beraten, Teilverkäufe durchzuführen und Gewinne zu sichern. Das kurzfristig möglicherweise noch vorhandene Kurspotenzial ist die signifikanten Abwärtsrisiken nicht wert.
Gastautor: Max Gross
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