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25.03.2019 | 10:50
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Ein wichtiger Impulsgeber für die Finanzmärkte war die US-Notenbank, die am Mittwochabend (20.03.) mit ihrer Ankündigung einer langen Pause im Zinserhöhungszyklus und dem signalisierten Ende ihres Bilanzabbaus auf einen weicheren geldpolitischen Kurs einschwenkte.

Freitag, 22. März 2019

Aktienmärkte

Europäische Politiker und Notenbanker schauen auf eine arbeitsreiche Woche zurück. Politiker arbeiteten an Strategien zur Schadensbegrenzung angesichts eines drohenden ungeregelten Brexits, die britische Premierministerin May brachte dabei eine Verlängerung der Austrittsfrist um drei Monate ins Spiel und drohte ihren innerparteilichen Kritikern (indirekt) mit ihrem Rücktritt. Gestern Abend stellte EU-Ratspräsident Tusk den nach langwierigen Verhandlungen erzielten Kompromiss vor: Stimmt das britische Unterhaus dem ausgehandelten Austrittsvertrag in der nächsten Woche zu, wird der Brexit europawahl-kompatibel auf den 22. Mai verschoben. Wird der Vertrag abgelehnt, wird der Termin um zwei Wochen auf den 12. April verschoben. Im Raum steht natürlich weiterhin die britische Option, das Austrittsgesuch einseitig zurückzuziehen.

Ein wichtiger Impulsgeber war die US-Notenbank, die am Mittwochabend mit ihrer Ankündigung einer langen Pause im Zinserhöhungszyklus und dem signalisierten Ende ihres Bilanzabbaus auf einen weicheren geldpolitischen Kurs einschwenkte. Mehr dazu im letzten Kapitel. Am Donnerstag verkündeten dann die Notenbanken der Schweiz, Norwegens und Großbritanniens ihre geldpolitische Botschaft (siehe unten).

Nach fünf Tagen steigender Kurse setzten an den Euro-Börsen am Mittwoch Gewinnmitnahmen ein, in der laufenden Woche liegen die EWU-Leitindizes damit per Saldo leicht unter den Schlusskursen der Vorwoche (Euro STOXX 50: -0,6%, DAX 30: -1,2%, CAC: -0,5%). Seinen eigenen Weg ging der vom schwächeren britischen Pfund profitierende britische Aktienmarkt (FTSE 100: +1,8%). Unter den STOXX-Sektoren ragen diese Woche die Sektoren Grundstoffe (+1,6%) und die Lebensmittel (+1,3%) positiv hervor, die zinssensitiven Finanzwerte (Banken: -1,5%, Finanzdienstleister und Versicherungen: jew. -1,8%) reagierten recht verschnupft auf die geldpolitischen Weichenstellungen der Fed, die Reise & Freizeit-Branche (-2,1%) litt unter den sich weiter befestigenden Ölnotierungen.
Der S&P 500 schloss gestern mit einem Tagesgewinn von +1,1%, das in der laufenden Woche aufgelaufene Plus beträgt damit + 1,2%; auf der Gewinnerseite stehen dabei die Sektoren Gebrauchsgüter (+3,4%), Technologie (+2,8%) und Energie (+2,7%), letztere konnten sich damit im Ranking der diesjährigen Performance mit +17,4% auf Platz 2 vorarbeiten (Top-Performer Technologie: +21,1%). Wie auch in Europa stand der Finanzsektor (-2,1%) kräftig unter Druck.

Die asiatischen Leitbörsen schlossen heute Morgen (20.03.) nach einem orientierungslosen Handel nur wenig verändert. Der Nikkei 225 beendete die Handelswoche mit einem Kursgewinn von per Saldo + 0,8%, der südkoreanische KOSPI 200 mit + 1,2%; der chinesische CSI 300 liegt + 2,4% über Vorwochenniveau.

Renten und Währungen:

Während die Schweizer Notenbank nur ihre Inflationsprognose für 2019 nach unten anpasste (e: +0,3% nach zuvor +0,5%, jew. ggü. Vj.), ihren geldpolitischen Werkzeugkasten aber geschlossen hielt, erhöhte die norwegische Zentralbank ihren Leitzins (wie erwartet) um +25 Basispunkte auf 1,0%; zudem signalisierte sie eine weitere Anhebung noch im laufenden Jahr, die norwegische Krone reagierte mit deutlichen Kursgewinnen. Die Bank of England beschloss einstimmig den Leitzins bei 0 ,75% zu belassen . Einer von der BoE erhobenen Unternehmensumfrage zufolge, sehen sich mittlerweile 80 % für einen No -Deal-Brexit gerüstet, im Januar waren es erst 50% gewesen. Die US -Geldpolitik verhalf EWU -Staatsanleihen und dem Euro (aktuell: 1,138 US-$) zu steigenden Kursen.

Edelmetalle und Rohstoffe:

Mit dem Rückenwind stark rückläufiger US-Lagerbestände (-9,6 Mio. Barrel) überschritt Rohöl diese Woche sein Zwischenhoch vom Februar und bewegte sich weiter in Richtung der Marke von 70 US-Dollar (Brent-Future aktuell: 67,9 US-$), Gold (aktuell: 1311 US-$/Unze) profitierte von den geldpolitischen Signalen der US -Notenbank und dem per Saldo schwächeren US-Dollar..

Konjunkturelles Umfeld:

Aus der Eurozone wurde das vorläufige Verbrauchervertrauen für März (-7,2 nach -7,4) gemeldet, aus den Vereinigten Staaten die wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe (221.000 nach 230.000) und der vom Conference Board berechnete konjunkturelle Frühindikator für Februar (+0,2% nach 0,0%, jew. ggü. Vm).

Aus Japan kam bereits die Inflationsrate für Februar (+0,2% nach +0,2%, jew. ggü. Vj.) und der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Industrie (März: 48,9 nach 48,9); die entsprechenden PMIs der Eurozone (e: 49,5) und der USA (e: 53,6) folgen im Lauf des Tages. In den Vereinigten Staaten stehen zudem noch die Verkäufe bestehender Häuser (Februar e: +2,2% ggü. Vm.) auf dem Programm.

Fed stellt Wachstumssicherung in den Vordergrund

Sollte jemand noch Zweifel über die geldpolitische Grundhaltung der Powell- Fed gehabt haben, so dürften diese mit dem FOMC-Treffen vom 20. März endgültig beseitigt sein. Die Sicherung des Wachstums und marktfreundlicher Finanzierungsbedingungen hat deutlich Vorrang gegenüber Bedenken hinsichtlich der schleichenden Risiken einer allzu akkommodierenden Geldpolitik für Finanzstabilität, Haushaltsdisziplin und Inflation. Nichts zeigt den radikalen Schwenk mehr als der "Dot-Plot", der die Leitzinserwartungen der FOMC-Teilnehmer für das laufende und die kommenden Jahre zeigt. Im Dezember, vor gerade drei Monaten, erwarteten nur zwei Teilnehmer ein im Jahresverlauf 2019 unverändertes Zinsniveau; vier erwarteten einen, fünf zwei und sechs Mitglieder sogar drei weitere Zinserhöhungsschritte bis Ende 2019. Jetzt ist man sich praktisch einig, das aktuelle Zinsniveau zu halten: 11 von 17 Teilnehmern sprechen sich für ein unverändertes Leitzinsniveau aus, vier könnten sich einen Zinsschritt nach oben vorstellen, und nur zwei plädieren für zwei Zinsschritte.
Hinzu kommt, dass das FOMC beim Einstampfen der Pläne zur Normalisierung der Zentralbankbilanz (sprich: Bilanzverkürzung) eine bemerkenswerte Eile an den Tag legt. Hatte man zuletzt noch von der zweiten Jahreshälfte gesprochen (was gegenüber den ursprünglichen Plänen schon eine vorzeitige Beendigung bedeutet), sieht der Beschluss von Mittwoch vor, das Tempo der Bilanzverkürzung bereits ab Mai zu reduzieren. Der Bestand an US-Staatsschuldtiteln soll dann nur noch um maximal 15 Mrd. US$ pro Monat verringert werden, bisher lag der Betrag bei max. 30 Mrd. US$. Die Bestände an Agency-Titeln werden bis Oktober weiterhin um 20 Mrd. US$ monatlich verringert. Im Oktober schließlich wird der Prozess der Bilanzverkürzung gänzlich beendet. Fällige Titel sollen dann vollständig ersetzt werden. Zusätzlich werden Fälligkeiten bei Schuldverschreibungen der Agencies (Fannie Mae, Freddy Mac,…) im Bestand der Fed bis zu einem Betrag von 20 Mrd. US$ in Treasuries umgeschichtet, der Rest wird in Agency-Titel reinvestiert. Die Umschichtung wirkt zumindest in der Tendenz zusätzlich expansiv und erleichtert dem US-Fiskus die Finanzierung der deutlich steigenden Verschuldung.

Tatsächlich wird die signifikante Verschiebung in der Zinsmeinung mit einer eher leichten Abwärtsrevision der Wachstumsprognose gerechtfertigt. Im Dezember erwarteten die Ausschussmitglieder für den Jahresverlauf 2019 (Q4 2019 gg. Q4 2018) eine Wachstumsrate von 2,3%, nun wird diese mit 2,1% beziffert; die Inflationsprognose blieb "im Kern" (in Bezug auf die sog. Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie) mit 2% unverändert. Etwas besorgt zeigt sich das FOMC in seinem Statement mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal ("...activity has slowed from its solid rate in the fourth quarter") und verweist hier auf schwächere Indikationen für Konsumausgaben und Ausrüstungsinvestitionen. Bedenkt man allerdings, dass das erste Quartal durch Sonderfaktoren (Government Shutdown, zum Teil extreme Wetterbedingungen) belastet ist und das erste Quartal in den vergangenen Jahren - offenbar aufgrund von Problemen mit der Saisonbereinigung - regelmäßig unterdurchschnittlich ausgefallen war, ist dieses Argument ziemlich flach.
Man wird den Eindruck nicht los, dass der Dezember-Crash an den Aktienmärkten den Mitgliedern des FOMC einen heiligen Schrecken eingejagt hat. Die wütenden Kommentare aus dem Weißen Haus mögen ein Übriges dazu beigetragen haben, den Zinserhöhungswillen zu brechen. Die Marktteilnehmer jedenfalls können sich ziemlich sicher sein, dass die Fed sie nicht im Regen stehen lassen wird, wenn der Wind wieder einmal etwas rauer werden sollte. Vielleicht ist das der Grund, dass die Terminmärkte für eine Zinssenkung bis Januar 2020 mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 50% ansetzen. Vielleicht hilft diese Gewissheit auch ein wenig über das Risiko hinweg, dass der harte Brexit - völlig überraschend - am 12. April Realität werden könnte.


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