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05.07.2019 | 09:50
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Frankfurt, 28. Juni 2019 - Die politischenKonflikte und Unsicherheiten sind nach wie vor zahlreich, parallel werden die konjunkturellen Risiken in der Weltwirtschaft Monat für Monat größer. Laut Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, lässt sich diese Situation ungeachtet der aktuellen Hitzewelle mit einem Zitat sehr passend zusammenfassen: "Der Winter naht." Dieser zentrale Satz aus der Erfolgsserie "Game of Thrones" wird inzwischen in vielen Bereichen gern genutzt, um vor großen sich aufbauenden Gefahren zu warnen, während sich trotz wachsender Bedrohung die Protagonisten mit Leidenschaft bekämpfen. Galler sieht Parallelen im aktuellen Umfeld: "Nach Jahren des Wachstums könnte angesichts der vielen ungelösten Konflikte der Winter in der Konjunktur Einzug halten - mit entsprechenden negativen Folgen für Gewinnentwicklung und Aktienmärkte." Ungeachtet der inzwischen bedrohlichen Situation gehen auf politischer Ebene die Auseinandersetzungen zwischen den involvierten Staaten weiter und nehmen teilweise an Schärfe zu.

Erste Spuren im verarbeitenden Gewerbe sichtbar

In Europa scheint der Brexit nach dem Rücktritt der Premierministerin und angesichts schwindendem Rückhalt der Konservativen und der Labour Party in der Bevölkerung eine immer schwerer lösbare Aufgabe zu sein. In Italien stehen die Zeichen nach dem erneuten Wahlerfolg der Liga Nord bei den Europawahlen auf Konfrontation mit der Europäischen Kommission beim Thema Fiskalpolitik. In der Türkei könnte die Wirtschaft unter möglichen US-Sanktionen aufgrund des Kaufs einer russischen Raketenabwehr leiden. "Auf globaler Ebene ist nach dem vorläufigen Scheitern der chinesisch-amerikanischen Handelskonsultationen der Freihandel immer noch in der Defensive", analysiert Tilmann Galler. Besorgniserregend waren die Strafzolldrohungen des US-Präsidenten gegen Mexiko wegen der Problematik der illegalen Einwanderung, was der Welt verdeutlicht hat, dass die USA bereitsind, Strafzölle auch außerhalb von Handelsfragen als politisches Druckmittel einzusetzen.


DieSumme der politischen Hiobsbotschaften hinterlässt inzwischen tiefe Spuren imverarbeitenden Gewerbe: Der globale Einkaufsmanagerindex ist im Mai auf dentiefsten Stand seit der Eurokrise 2012 gefallen. Aufgrund der Sorgen über dieweitere Entwicklung stellen viele Unternehmen ihre Investitionsvorhaben zurück.Auch auf dem Arbeitsmarkt trübt sich die Stimmung allmählich ein - dieBereitschaft für Neueinstellungen schwindet.

Wirkung geldpolitischerMaßnahmen fraglich

Die US-Regierung nimmt nach Ansicht vonTilmann Galler die aufkommende Schwäche in der Wirtschaft zum Vorwand, denDruck auf ihre Notenbank zu erhöhen. Zinssenkungen sollen demnach derSchutzwall vor einer drohenden Rezession sein. Doch selbst wenn die FederalReserve dem Ruf der Politik mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr folgensollte, sei es zweifelhaft, ob damit die gewünschte Wirkung erzielt werdenkönnte. "Allein der auslaufende Fiskalstimulus wird bis zum Ende des Jahres 1Prozent des US-Wachstums kosten. Ob das Wachstum sich stabilisieren wird hängtdavon ab, wie die Unternehmen auf die globalen Konflikte reagieren und nicht obdie Finanzierungskosten ein halbes Prozent tiefer liegen. Der Ball liegt alsoeher bei der Politik als bei den Zentralbanken", erklärt Galler.

Aktienrally wird ohneGewinnwachstum ausgebremst

NachlassendesWirtschaftswachstum, ein im Vergleich zum Vorjahr niedriger Ölpreis undstagnierender Welthandel werden nach Analyse von Tilmann Galler demUmsatzwachstum schaden, während der Anstieg der Lohnkosten aufgrund deraktuellen Vollbeschäftigung voraussichtlich stabil bleiben wird. Entsprechendwird der Margendruck für die Unternehmen in den kommenden Quartalen zunehmen."Auch wenn der Anteil der USA am internationalen Warenverkehr bei nur 8 Prozentliegt, zeigen die historischen Erfahrungen, dass die Gewinnentwicklung derUS-Unternehmen sehr hoch korreliert ist mit der Aktivität im Welthandel. EineFortsetzung der Aktienrally ohne Aussicht auf entsprechendes Gewinnwachstum -also allein basierend auf expansiver Notenbankpolitik - ist nach unsererAnsicht nicht sehr realistisch", erklärt Galler. Eine notwendige Bedingung fürhöhere Unternehmensgewinne wäre zumindest eine Deeskalation in derHandelspolitik - gelingt es nicht, in den kommenden Sommerwochen die nötigenWeichen zu stellen, könnte der wirtschaftliche Winter für viele Unternehmenschneller kommen als der kalendarische.


Tilmann Galler, Executive Director, CEFA/CFA, arbeitet als
globaler Kapitalmarktstratege für die deutschsprachigen Länder bei J.P. Morgan
Asset Management in Frankfurt. Als Teil des globalen "Market Insights"-Teams
erstellt und analysiert er auf Basis von umfangreichem Research Informationen
rund um die globalen Finanzmärkte und leitet Implikationen für
Investmentstrategien ab. Er verfügt über 19 Jahre Berufserfahrung in der
Finanzbranche und war zuvor unter anderem auch als Portfolio Manager tätig. www.jpmorganassetmanagement.de/deu/marketinsights


Finden Sie hier Informationen zu den Vermögensverwaltenden Fonds und Produkten von J.P. Morgan.



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