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05.08.2019 | 14:50
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Freitag, 2. August 2019 - Nach kräftigen, von der Aussicht auf eine geldpolitische Lockerung in den USA, im Euroraum und anderen wichtigen Währungsräumen getriebenen Kursgewinnen im Juni präsentierten sich die Aktienmärkte im Juli eher abwartend. Während die US-Märkte weitere kleine Anstiege verzeichnen und noch Anfang der Woche neue Höchststände markieren konnten, taten sich die europäischen Märkte schwer angesichts schwacher Konjunkturdaten, negativer Unternehmensmeldungen von einigen prominenten (insb. deutschen) Adressen und der dank Boris Johnson gestiegenen Wahrscheinlichkeit eines no deal-Brexit.

FOMC: Keine lange Serie von Zinssenkungen

Am Mittwoch schlug dann die geldpolitische "Stunde der Wahrheit". Nach der Sitzung des Offenmarktausschusses im Juni hatte Fed-Chef Powell einen Zinsschritt für Ende Juli mehr oder minder angekündigt. Entsprechend konzentrierten sich die Märkte vor allem auf die geldpolitischen Perspektiven. Das Enttäuschungspotenzial für die Märkte bestand vor allem darin, dass die ziemlich aggressiven Zinssenkungserwartungen der Marktteilnehmer - Terminmärkte und Zinskurve spiegelten die Erwartung von insgesamt drei Zinssenkungen noch im laufenden Jahr - nicht bestätigt werden würden.

So kam es dann auch. Der Offenmarktausschuss der Fed tut sich zu diesem Zeitpunkt offenbar schwer, mehr als eine Adjustierung der geldpolitischen Ausrichtung vorzunehmen. Das Statement begründet die Senkung des Zielbands um 25 Basispunkte auf 2,00-2,25% mit den "Implikationen der globalen Entwicklungen für den wirtschaftlichen Ausblick" und "gedämpftem Inflationsdruck". Der Arbeitsmarkt in den USA sei stark, die wirtschaftliche Aktivität wachse "moderat". Der Hinweis, dass Unsicherheiten hinsichtlich des Ausblicks weiter bestünden, lässt die Tür für eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik grundsätzlich offen. Doch offensichtlich will die Fed vermeiden, dass damit zu hohe Erwartungen verknüpft werden: In der Pressekonferenz erklärte Powell: "Let me be clear - it's not the beginning of a long series of rate cuts". Für sich spricht auch, dass immerhin zwei prominente Falken unter den FOMC-Mitgliedern, Esther George und Eric Rosengren, gegen die Zinssenkung gestimmt haben.

Fed überzeugt nicht

Die Enttäuschung der Marktteilnehmer spiegelt sich in deutlichen, aber nicht dramatischen Kursabschlägen an den Aktienmärkten. Der S&P500 büßte im Tagesverlauf 1,1% ein, der Nasdaq Composite 1,2%. Ganz klassisch reagierte der ohnehin recht feste US-Dollar: der Euro verbilligte sich gegenüber der US-Währung auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2017, auf rund 1,1030. Bemerkenswert ist vor allem die Reaktion am Anleihemarkt: In der ersten Reaktion zog die 2jährige Treasury-Rendite von 1,81% auf 1,88% an und spiegelte damit ein vermindertes Zinssenkungstempo, doch am langen Ende der Zinskurve (10 Jahre) rutschte die Rendite ab (!). Am Donnerstag gaben die Renditen dann auf breiter Front nach. Die Ankündigung von neuen US-Strafzöllen hat die Renditen dann am Abend weiter auf Talfahrt geschickt: Die zehnjährige Referenzanleihe rentiert aktuell bei 1,86%, der zweijährige Bond ist bis 1,72% abgerutscht. Offensichtlich "ignorieren" die Anleihemärkte die Botschaft der Geldpolitik, die auch ein Vertrauenssignal in die Robustheit der US-Wirtschaft ist. Die Eskalation des Handelskonflikts durch die US-Regierung schafft dann aber auch neue Fakten. Über kurz oder lang - so die Überzeugung an den Märkten - werden die Zinssenkungen kommen.

Verbraucher halten US-Wirtschaft auf Kurs

Die Vorgehensweise der Fed passt allerdings zu den gesamtwirtschaftlichen Daten, die zuletzt eher positiv überraschen konnten. Das US-Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal zwar deutlich auf 2,1% (annual. gg. Vorquartal, von 3,1% in Q1 2019), doch übertraf das Wachstum die Erwartungen, und der satte Anstieg der privaten Konsumausgaben um preisbereinigt 4,1% unterstreicht, dass die Nachfragesituation in den USA im Kern robust ist. Die starke Verbesserung des Konsumenten-vertrauens, das im Juli auf ein neues Jahreshoch kletterte, bekräftigt diesen Eindruck. Der Auftragseingang bei dauer-haften Gütern hat sich im Juni um 2,0% gg. Vormonat verbessert (ohne Transportgüter +1,2%). Selbst der Häusermarkt liefert zarte Hinweise auf eine Stabilisierung. Am Arbeitsmarkt scheint sich der freundliche Beschäftigungstrend, nimmt man den ADP-Indikator und Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung als Anhaltspunkt, im Juli fortgesetzt zu haben.

US-chinesischer Handelskonflikt: Neue Strafzölle nach erfolglosen Gesprächen

Allerdings ist auch in den USA nicht alles rosig. Die Schwäche der Weltwirtschaft und die US-Handelspolitik hinterlassen ihre Spuren bei den US-Exporten und den Unternehmensinvestitionen. Anleger und Fed dürften vor allem die handelspolitischen Entwicklungen sehr genau beobachten. In Schanghai haben sich Anfang dieser Woche erstmals wieder hochrangige Vertreter von China und den USA persönlich getroffen. Die Erwartungen an dieses Treffen waren von vornherein niedrig gehängt, und die Twitter-Kommentare von US-Präsident Trump dürften das Klima des Treffens nicht verbessert haben. Eine erkennbare Annäherung in den kritischen Bereichen (Schutz geistigen Eigentums, Technologietransfer, US-Blacklist (insb. Huawei) hat es wohl nicht gegeben.

Die chinesische Seite scheint aber als Zeichen des Goodwills ihre Zusage von Käufen von Agrarprodukten bekräftigt zu haben, und man will sich im September erneut treffen. Das reichte US-Präsident Trump aber offensichtlich nicht: Am Donnerstagabend gab Trump per Twitter bekannt, dass weitere Waren im Wert von 300 Mrd. US$ ab dem 1. September mit einem Strafzoll von 10% belegt werden würden. Prompt kündigte die chinesische Seite Gegenmaßnahmen an.

Europa schwächelt

Weniger freundlich präsentiert sich derzeit die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Europa, wo - nachdem bereits in der letzten Woche schwächere Umfrageindikatoren (Einkaufsmanagerindizes, ifo-Geschäftsklima) veröffentlicht worden waren - die BIP-Wachstumsdaten für das zweite Quartal die schwächliche Konstitution der Wirtschaft bestätigen. Insgesamt reduzierte sich das reale Wachstumstempo im Euroraum auf 0,2% gg. Vorquartal, nach einem Plus von 0,4% in Q1. Auch die Inflation im Euroraum hat sich im Juli weiter verlangsamt. Im Vorjahresvergleich lag die Jahresteuerungsrate noch bei 1,1% (nach 1,3% im Juni). Der leichte Anstieg der nationalen deutschen Inflationsrate auf 1,7% dürfte durch jahreszeitliche Einflüsse beeinflusst sein - der Trend deutet auch in Deutschland nach unten. In der nächsten Woche werden in Deutschland Daten zum Auftragseingang, zur Industrieproduktion und zum Außenhandel veröffentlicht. Diese Zahlen dürften das Bild auch nicht freundlicher erscheinen lassen.

Geldpolitische Unterstützung für Aktien bleibt intakt

Die zentralen Impulse für die Aktienmärkte kommen derzeit von der Geldpolitik. Vor allem defensivere Werte bzw. Sektoren mit soliden, konjunkturunempfindlichen Ertragsperspektiven profitieren von niedrigeren und vielfach negativen Renditen an den Anleihemärkten, da entsprechende Aktien als Alternative zu Anleihen wahrgenommen werden. Die Fed hat die Zinssenkungsspekulationen gebremst, aber nicht gestoppt; insofern ist die geldpolitische Unterstützung für die Aktienmärkte weiterhin intakt. Die jüngste Eskalation des US-chinesischen Handelskonflikts erhöht das wirtschaftliche Risikolevel, wird aber durch die aggressiveren Erwartungen an die Geldpolitik tendenziell kompensiert. Der drohende Haushaltskonflikt in den USA (aufgrund der Schuldenobergrenze) konnte noch vor der Sommerpause entschärft werden konnte (stattdessen explodiert nun das Haushaltsdefizit) und die US-Wirtschaft stellt sich insgesamt robuster dar. Insofern bleibt der US-Markt momentan etwas attraktiver als der europäische, wo politische Risiken (insbesondere Brexit, potentielle Neuwahlen in Italien, handelspolitische Auseinandersetzungen mit den USA), Wachstumsschwächen und die begrenzte Handlungsfähigkeit der (Geld-)Politik einen schwierigeren Hintergrund bilden.


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