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Tilmann Galler (J.P. Morgan): Economic Update - 5. August 2019

Wachstum



In der Eurozone ging, nach der ersten Schätzung, das Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2019 auf 0,2% gegenüber demVorquartal zurück. Im 1. Quartal hatte das Plus noch 0,4% betragen. Schwäche zeigte vor allem die Industrie, relativ gut hielten sich dagegen konsum-und binnenorientierte Sektoren. Spaniens Wirtschaft wuchs um 0,5% (Vorquartal: 0,7%), in Frankreich lag das Wachstum bei 0,2% (0,3%) und in Italien bei 0% (0,1%). Das deutsche Bruttoinlandsprodukt istvoraussichtlich geschrumpft. Auch die Frühindikatoren deuteten zuletzt abwärts, der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli um 1,7 Punkte auf 95,7 und damit auf den niedrigsten Stand seit April 2013. In den USA dagegen blieb das Wachstum im 2. Quartal mit auf das Jahr hochgerechneten 2,1% (Vorquartal: 3,1%) robust. Getragen wurde das Wachstum vom staatlichen und privaten Konsum.



Jobs


Im Juli stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland zwar um 59.000, dies lag allerdings vor allem an der Sommerpause. Um saisonale Schwankungen bereinigt betrug das Plus lediglich 1.000. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,0%. In der Eurozone ging die Arbeitslosenquote im Juni auf 7,5% (Vormonat: 7,6%) und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2008 zurück. Der US-Arbeitsmarkt bleibt stabil: Im Juli schufen die Unternehmen 164.000 neue Jobs, die Juni-Zahl wurde auf 193.000 nach oben korrigiert.


Gewinne


In den USA läuft die Berichtssaison für das 2. Quartal 2019. 202 Unternehmen aus dem Index S&P 500 haben Zahlen vorgelegt. 77% davon übertrafendie Gewinnerwartungen, 42% die Umsatzerwartungen. Das Gewinnwachstum gegenüber Vorjahresquartal dürfte bei zwei Prozent liegen und die Margen bei kräftigen 11,4%. Aus dem europäischen Index Stoxx600 haben 138 Unternehmen Zahlen für das 2. Quartal 2019 vorgelegt. Bislang wird mit einem Gewinnwachstum von 0,6% und einem Umsatzwachstum von 2,7% gegenüber dem Vorjahresquartal gerechnet.


Inflation


Der Preisauftrieb bleibt moderat auf breiter Front: In Deutschland ist die Inflationsrate im Juni auf 1,6% (Vormonat: 1,4%) gestiegen und ist damit weiterhin deutlich vom April-Wert (2,0%) entfernt. In der Eurozone hatte sich die Teuerung zwischen April und Mai von 1,6% auf 1,2% verringert und blieb im Juni auf diesem Niveau. Auch in den USA ist die Inflation zurückgegangen: Sie fiel von 1,8% im Mai auf 1,6% im Juni. Die Kerninflationsrate stieg allerdings von 2,0% auf 2,1%.


Zinsen


Die US-Zentralbank (Fed) hat auf ihrer jüngsten Sitzung erwartungsgemäß ihren Leitzinskorridor um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00% bis 2,25% gesenkt. Zwar läuft die US-Konjunktur aus Sicht der Fed weiter gut. Allerdings wiesen die Zentralbanker auf die unveränderten globalen Risiken sowie auf die schwache Inflationsentwicklung hin. Laut Fed-Chef Jerome Powell war der Zinsschritt lediglich eine Vorsichtsmaßnahme und nicht der Beginn eines langen Zinssenkungszyklus. Powell hielt sich aber die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen offen. Die Europäische Zentralbank ließ ihre Leitzinsen im Juli zwar konstant. Aus den Äußerungen der Zentralbanker wird aber auf ein umfassendes Maßnahmenpaket zur geldpolitischen Lockerung im September geschlossen.


Risiken


    • Konjunkturelle Abschwächung in China und Europa.
    • Schwächere Gewinndynamik der Unternehmen in den kommenden Quartalen.
    • Gefahr eines Handelskrieges zwischen den USA, Europa sowie China.
    • Destabilisierung der Eurozone aufgrund des Brexit und der politischen und wirtschaftlichen Instabilität in Italien.


Investmentthemen


    • Hochzinsanleihen bleiben aufgrund von Bewertung und der aussicht auf steigende Gewinne vorerst attraktiv.
    • Wir präferieren zur Zeit aufgrund des defensiven Charakters: US-Aktien, Value-Aktien und Large Caps.
    • Der US-Dollar verliert durch ein schrumpendes Zinsdifferential an Attraktivität. Emerging Markets könnten davon profitieren.






Rechtliche Hinweise


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