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Stephan Rieke (Oddo BHF): Anlegerstimmung bleibt positiv und verhilft US-Indizes zu Höchstständen

Freitag, 15. November 2019 - Die gute Stimmung an den Aktienmärkten hält an: Die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq erreichten im Wochenverlauf neue Höchststände. Dem DAX fehlen bis zum Allzeithoch noch gut 400 Punkte, doch für ein neues Jahreshoch reichte es schon. Haupttreiber der Entwicklung bleibt die Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China und die sich verdichtenden Hinweise auf eine Stabilisierung der Konjunktur. Wenn eine erneute Eskalation im Handelskonflikt vermieden werden kann (wovon wir ausgehen), dürften die Aktienmärkte gut unterstützt bleiben.


Trump: Einigung mit China nah - andernfalls erhebliche Zollerhöhungen

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu Beginn der Woche grundsätzlich zuversichtlich, dass die derzeitigen Handelsgespräche erfolgreich beendet werden können ("close to a deal"), konnte sich aber eine Drohung in Richtung Peking dennoch nicht verkneifen. Sollte es keine Einigung geben, so der US-Präsident, werden die Einfuhrzölle auf chinesische Waren erhöht. Laut Reuters bezieht er sich auf den bereits angekündigten Zollsatz von 15% auf Konsumgüter aus China, der am 15. Dezember wirksam würde. Wir deuten die Drohung als Machtdemonstration (für die der US-Präsident mittlerweile bekannt sein dürfte) und rechnen zeitnah nicht mit einer erneuten Verschärfung des Konflikts. Auch die EU-Autozölle werden wahrscheinlich nochmals verschoben, eine Entscheidung soll laut Trump schon sehr bald folgen.


Amtsenthebungsverfahren: Erste Anhörungen - Botschafter belastet Trump

Vor dem Hintergrund der US-Wahlen im kommenden Jahr könnte das Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten für politische Unruhe sorgen. Trump, der sich als vierter Präsident der Vereinigten Staaten mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert sieht, wurde am Mittwoch vom US-amerikanischen Botschafter in der Ukraine, William Taylor, stark belastet - weitere Anhörungen stehen heute sowie am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nächster Woche an. Selbst wenn es nicht zur Amtsenthebung Trumps kommen sollte, verschlechtern sich - so deuten die Umfragen an - die Chancen auf eine Wiederwahl.




US-Staatsanleiherenditen dürften weiter anziehen

Mit der Entspannung im Handelskonflikt und der daraus resultierenden Rückkehr des Risikoappetits der Anleger haben auch die Rentenmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks korrigiert. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind über alle Laufzeiten hinweg angestiegen (siehe Grafik): 10-jährige T-Note-Renditen haben beispielsweise die 2%-Marke ins Visier genommen - Anfang Oktober wiesen sie noch eine Rendite von ca. 1,5% aus. Zwar wurde die Aufwärtsbewegung durch die Aussagen Trumps (s. oben) zunächst gestoppt, ein Umkehren des Trends halten wir trotzdem für unwahrscheinlich. Vielmehr rechnen wir in den letzten Wochen des Jahres mit leicht anziehenden Anleiherenditen und weiterhin gut unterstützten Aktienmärkten. Sowohl die USA (Wahljahr 2020) als auch China (Konjunktursorgen) sollten an einer Beilegung des Konflikts interessiert sein, ein (Teil-)Vertrag ist unserer Meinung nach deutlich wahrscheinlicher als eine Eskalation. Aber auch die Konjunkturdaten in den USA bieten ein freundlicheres Bild als im späten Sommer. Eine weitere Bestätigung des Konjunkturoptimismus könnte der US-Einkaufsmanagerindex liefern, wenn am kommenden Freitag die Markit-PMIs veröffentlicht werden.


US-Geldpolitik wird den Aufwärtstrend der Renditen wohl nicht bremsen

Auch von der geldpolitischen Seite ist kein Abwärtsdruck für die US-Renditen zu erwarten. Die Anhörung des FOMC-Vorsitzenden Jerome Powell vor dem Kongress brachte, wie im Vorfeld erwartet, keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich des geldpolitischen Kurses der US-Notenbank. Die US-Währungshüter sehen die heimische Wirtschaft weiterhin wachsen; die volle Wirkung der bisherigen Zinssenkungen werde sich erst noch entfalten. Für die letzte Zinssitzung der Fed in diesem Jahr rechnen wir deshalb mit einem unveränderten Leitzinsniveau von 1,5-1,75%, aus dem US-Terminmarkt lässt sich hierfür eine implizite Wahrscheinlichkeit von 95% ableiten. Negative Leitzinsen, wie sie der US-Präsident fordert, hält Powell für unangebracht angesichts der wachsenden US-Wirtschaft, die zudem von einem starken Arbeitsmarkt und stabiler Inflation getragen wird.


Unerwartetes Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik

Die deutsche Wirtschaft ist einer technischen Rezession entkommen. Nachdem das deutsche BIP im 2. Quartal um 0,1% gegenüber dem Vorquartal geschrumpft war, zeigte die gestern veröffentlichte Schnellschätzung ein Wachstum von +0,1% in Q3; Beobachter hatten -0,1% und somit eine technische Rezession erwartet. Wir sehen in der positiven Überraschung ein weiteres Zeichen für eine konjunkturelle Bodenbildung und ein zusätzliches Argument für ein freundliches Börsenbild zum Jahresende. Auf der Währungsseite hilft die positive BIP-Entwicklung dem Euro bei der Verteidigung der wichtigen 1,10 US$-Marke, um die die Gemeinschaftswährung wohl weiter pendeln dürfte.





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