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Dr. Daniel Hartmann (BANTLEON): Steigende Inflationsraten sind nicht nur eine Eintagsfliege

03.05.2021 - In den vergangenen Tagen liessen zahlreiche Meldungen zu Inflations- und Preisdaten aufhorchen. Zunächst sprang der Preis für eine Tonne Kupfer erstmals seit 2011 wieder über die Marke von 10.000 USD. Kurze Zeit später liess BASF verlauten, im 1. Quartal Preiserhöhungen von durchschnittlich 13% bei seinen Kunden durchgesetzt zu haben. Dazu passen Umfrageergebnisse, wonach die Absatzpreiserwartungen der europäischen Industrieunternehmen im April auf ein 10-Jahres-Hoch geschnellt sind.

Schliesslich haben auch verschiedene Inflationsraten im vergangenen Monat angezogen. So sprang etwa die deutsche Teuerungsrate erstmals seit zwei Jahren wieder auf 2,0% (nach 1,7% im März). In den USA machte der von der Fed ins Zentrum gerückte Deflator der privaten Konsumausgaben einen Satz von 1,4% auf 1,8%.

Wenig verwunderlich hinterlässt dies auch an den Finanzmärkten Spuren. Die dort eingepreisten Inflationserwartungen befinden sich weiter im Aufwind. Ist die viel beschworene Reflationierung also bereits im Gang? Die Notenbanken beschwichtigen nach wie vor. Besonders prononciert tritt in dieser Hinsicht Fed-Präsident Jerome Powell auf. Er sieht in dem diesjährigen Inflationsanstieg nur ein temporäres Phänomen, das durch Basiseffekte und vorübergehende »Flaschenhälse« in der Industrie verursacht werde.

Die Debatte darüber, ob der aktuelle Teuerungsschub nachhaltig oder flüchtig ist, wird uns noch längere Zeit beschäftigen. Auch in der Eurozone kann nicht bestritten werden, dass es eine Reihe rein technischer Faktoren gibt, welche die Inflation 2021 antreiben. Allen voran die Umkehr des deutschen Mehrwertsteuereffekts ist eine einmalige Sache.

Dennoch, aus unserer Sicht ist die Basis für einen länger anhaltenden Teuerungsschub gelegt. Die Nachfrage nach Industriegütern wurde durch die gewaltigen Fiskalimpulse - insbesondere der USA - geschürt. Die nunmehr entstandenen Engpässe im verarbeitenden Gewerbe dürften nicht so schnell wieder verschwinden. Schliesslich haben sich die Unternehmen nicht nur 2020, sondern bereits in den Jahren zuvor mit Investitionen zurückgehalten. Statt in neue Werke wurde in Aktienrückkäufe investiert. Der Aufbau neuer Kapazitäten fällt jetzt gar nicht so leicht. Das gilt nicht nur für die Rohstoffproduzenten, sondern auch die Chipindustrie. Der Weltmarktführer TSMC plant zwar in China eine neue Fabrik - Produktionsstart ist aber erst 2023.

Die Politik ist ebenfalls dabei, versäumte öffentliche Investitionen nachzuholen. Allen voran werden Projekte für den Klimaschutz angeschoben. Dies wird auf der ganzen Welt die Nachfrage nach Baumaterialien und Handwerksleistungen weiter anheizen und dort die Unternehmen zu Preiserhöhungen animieren. Ebenfalls auf der Agenda vieler Regierungen steht der Ausbau des Sozialstaats. Insbesondere sollen untere Einkommensgruppen bessergestellt werden. Ein Instrument sind höhere Mindestlöhne. Auch das sorgt für Kostendruck.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die erhöhten Inflationsraten nicht so schnell wieder verschwinden werden. Zu dieser Einschätzung dürften in den kommenden Monaten auch immer mehr Investoren an den Finanzmärkten gelangen. Die Inflationserwartungen bleiben folglich unterstützt. Parallel wird der Aufwärtsdruck auf die Anleihenrenditen anhalten.

Finden Sie hier weitere Artikel von Dr. Daniel Hartmann.


Rechtlicher Hinweis:Die in diesem Beitrag gegebenen Informationen, Kommentare und Analysen dienen nur zu Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Die hier dargestellten Informationen stützen sich auf Berichte und Auswertungen öffentlich zugänglicher Quellen. Obwohl die Bantleon Bank AG der Auffassung ist, dass die Angaben auf verlässlichen Quellen beruhen, kann sie für die Qualität, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Angaben keine Gewährleistung übernehmen. Eine Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich aus der Nutzung dieser Angaben ergeben, wird ausgeschlossen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu.


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