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Anjeza Kadilli (Pictet): Schwellenländer und Quantitative Lockerung

April 2021 - Die Schwellenländer haben sich im vergangenen Jahr an die quantitative Lockerung herangetastet, mitten in der durch COVID-19 hervorgerufenen Wirtschaftskrise. Bedeutet dies, dass die quantitative Lockerung jetzt Teil des geldpolitischen Instrumentariums ist? Was sind die Vorteile und Risiken?

Die Schwellenländer greifen angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise auf das Instrument der quantitativen Lockerung (QE) zurück.

Da sich eine steigende Inflation abzeichnet, insbesondere bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen, haben einige Zentralbanken in den Schwellenländern einen Straffungs-Zyklus in Gang gesetzt. Brasilien, die Türkei, Russland und die Ukraine haben vor kurzem ihre Leitzinsen angehoben. Wie aus Abb. 1 unten hervorgeht, sind Leitzinsänderungen das wichtigste Instrument der Schwellenländer-Zentralbanken zur Steuerung von Inflation, Wachstum und Finanzstabilität.

Seit Beginn der Krise im März 2020 wird in mehr als 15 Schwellenländern aber auch auf das Instrument der quantitativen Lockerung zurückgegriffen. In den meisten Fällen sind diese Programme vom Volumen her begrenzt (<5% des BIP2). Zum Vergleich: Die Bilanz der US-Notenbank hat sich 2020 verdoppelt.3 Wir gehen jedoch davon aus, dass die quantitative Lockerung weiterhin einen festen Platz im Instrumentarium der Schwellenländer-Zentralbanken haben wird.

Ein neues Instrument für die Schwellenländer, das aber schon Erfolge zeigt

Die Schwellenländer nutzen die quantitative Lockerung, um die Finanzmärkte zu stabilisieren, die öffentlichen Ausgaben vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie zu finanzieren und den Rückgang ausländischer Investitionen auszugleichen. Das hat bereits gewissen Erfolg gebracht.

Die Währungen von Ländern, die Anleihekaufprogramme aufgelegt haben, haben sich schneller und stärker stabilisiert als diejenigen von Ländern ohne Anleihekaufprogramm.1 Welche Effekte die quantitative Lockerung durch die Schwellenländer-Zentralbanken hat, lässt sich auch an den Anleihespreads und der Inflation ablesen.

Staats- und Unternehmensanleihen

In Ländern, die Anleihekaufprogramme aufgelegt haben, sind die Spreads ihrer Staats- und Unternehmensanleihen fast wieder zu ihrem Niveau vor der Krise zurückgekehrt (im Durchschnitt 228 bzw. 342 Basispunkte). Erreicht wurde dies in einem Kontext, in dem die Zentralbanken ihre Leitzinsen gesenkt haben.

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Spreads auf dem Höhepunkt der Krise im März 2020 deutlich unter denen während der globalen Finanzkrise lagen, als nur die Industrieländer QE-Massnahmen ergriffen.

Inflation

Die Inflation ist das grösste Risiko im Zusammenhang mit QE-Massnahmen. Die aktuellen Inflationsraten sind niedrig und liegen in den meisten Schwellenländern unter dem Inflationsziel, was den Zentralbanken einen gewissen Handlungsspielraum lässt. Da es in vielen Ländern immer noch Lockdowns gibt, sind Nachfrage und Inflationsdruck weiterhin gering.

Befürchtet wird jedoch aufgrund von Störungen der Lieferketten und der starken Rohstoffnachfrage eine Inflation bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Das hat einige Zentralbanken veranlasst, ihre Leitzinsen anzuheben.

Werden die Schwellenländer also an der quantitativen Lockerung festhalten?

Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken der Schwellenländer an der quantitativen Lockerung festhalten werden, der Umfang und das Volumen dieser Programme aber begrenzt sein dürften.

Durch die quantitative Lockerung konnte die Volatilität an den Finanzmärkten eingedämmt werden, ohne grossen Inflationsdruck zu erzeugen und ohne die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Zentralbanken aufs Spiel zu setzen. In den meisten Schwellenländern ist die Inflation weiterhin niedrig, aber die Erreichung der Inflationsziele wird für die Zentralbanken absolute Priorität haben.

Eine zu frühe Straffung in den Industrieländern - insbesondere durch die US-Notenbank - würde die Zentralbanken der Schwellenländer veranlassen, die Leitzinsen anzuheben, um das reibungslose Funktionieren der Finanzmärkte (Geldflüsse und Währungen) zu gewährleisten. Weitere QE-Massnahmen dürften vom wirtschaftlichen Kontext der einzelnen Länder abhängen.

Finden Sie hier den Originalartikel mit Grafiken.

[1] Quelle: Pictet Asset Management, IMF Global Financial Stability Report, Oktober 2020 (Thema: Local Stress Index für Volkswirtschaften mit und ohne Anleihekaufprogramm).

[2] Quelle: Pictet Asset Management, IMF Global Financial Stability Report, Oktober 2020

[3] Quelle: Refinitiv, Pictet Asset Management, April 2021

Finden Sie hier weitere Artikel von Pictet Asset Management.

© 2021 Asset Standard
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