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Tilmann Galler (J.P. Morgan): Tempolimit voraus

August 2021 - An den Sommerwochenenden sind Autofahrten zum Urlaubsort in der Regel nicht reibungslos. Der Wunsch, möglichst zügig ans Ziel zu kommen, scheitert meistens relativ schnell an der Realität der Ausbau- oder Instanthaltungsarbeiten auf unseren Autobahnen. Immerhin werden die Baustellen einige Kilometer zuvor mit Warnschildern angekündigt, so dass das folgende Tempolimit und die deutlich verlangsamte Reisegeschwindigkeit nicht ganz überraschend kommen.

Die Hoffnung auf eine anhaltend schnelle und ungestörte Erholung der Wirtschaft von den Folgen der Pandemie ist zwar verständlich aber letztendlich genauso illusorisch, wie der Wunsch einer reibungslosen Urlaubsfahrt. Die gewaltigen Ausgabenprogramme der Staaten haben die Konjunktur aus den Tiefen der letztjährigen Rezession katapultiert. Die globale Wirtschaft dürfte in diesem Jahr mehr als 6 Prozent wachsen, was deutlich über dem Durchschnitt von 2,9 Prozent der letzten 20 Jahre liegt. Dennoch müssen wir uns mit Blick auf das Jahresende und das nächste Jahr auf eine etwas unruhigere und letztendlich auch langsamere Reise einstellen. Das voraussichtliche Wachstum fällt auf 4,6 Prozent.

Drei Warnsignale

Gleich drei Entwicklungen haben jüngst an den Kapitalmärkten für Unruhe gesorgt und einen ersten Hinweis auf die nachlassende Wachstumsdynamik gegeben. Erstens lässt die hochansteckende Delta-Variante die Infektionszahlen weltweit wieder steigen und verlangsamt die vollständige Erholung des Dienstleistungssektors. Zweitens halten die Angebotsengpässe weiter an. Die Knappheit bei Halbleitern und anderen Vorprodukten verhindert, dass die Industrie die große Nachfrage nach Gütern in vollem Umfang bedienen kann. Die Konsequenz sind steigende Preise, längere Lieferzeiten und eine stagnierende Produktion. Das dritte Warnsignal kommt von den US-Konsumenten. Die höchste Inflation seit 13 Jahren beginnt, den Amerikanern die Kauflaune zu verderben. Und das trotz Ersparnissen auf Rekordständen.

Gibt es für Anleger eine Möglichkeit die konjunkturellen Hindernisse zu umfahren? Wandelanleihen bieten sich in dieser Situation als eine interessante Anlagemöglichkeit an. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensanleihe, die den Inhabern die Optionalität einräumt, während der Laufzeit die Anleihe in Aktien des Unternehmens zu tauschen. Die so genannten "Convertibles" sind deshalb eine hybride Anlageklasse, die sich zwischen der Aktien- und Anleihenwelt befindet und entsprechend eine geringere Volatilität gegenüber der reinen Aktienanlage aufweist. Für eine Einschätzung über die Attraktivität spielen gleich drei Faktoren eine entscheidende Rolle: Die Bonität des Unternehmens, die Wertentwicklung und die Volatilität der Aktie.

Für die Aktienmärkte und die Bonität der Unternehmen spricht weiterhin, dass die Wirtschaft immer noch überdurchschnittlich wächst. Die Unternehmensgewinne werden im Kalenderjahr 2021 wahrscheinlich um knapp 40 Prozent steigen, während die Schätzungen für 2022 analog zur konjunkturellen Dynamik mit einem Plus von knapp zehn Prozent schon deutlich bescheidener ausfallen. Ein Gegenwind für Aktien sind aktuell die Bewertungen von über dem 20-fachen des zum Jahresende erwarteten Gewinns. Ein Indiz dafür, dass die positiven Gewinnerwartungen teilweise schon ihren Niederschlag im Aktienkurs gefunden haben und ein Dämpfer für die immer noch positiven Ertragserwartungen.

Generell waren die letzten Monate an den Aktienmärkten der Industrieländer außergewöhnlich ruhig. Der maximale Rücksetzer für europäischer Aktien liegt beispielsweise in diesem Jahr bei nur 4 Prozent. Wir erwarten, dass aufgrund der oben beschriebenen Risiken die Volatilität and den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte zunimmt. Für den Wert der Optionalität bei Wandelanleihen sind das gute Nachrichten, denn je höher die Volatilität, desto höher die Ertragschance der Option und umso höher der Preis.

In der kommende Phase mit abnehmendem Wachstumstempo und zunehmenden Risiken sprechen also ein robuster Bonitätsausblick, die Erwartung moderat positiver Aktienmarktrenditen und eine höhere Volatilität für die stärkere Berücksichtigung von Wandelanleihen im Anlageportfolio.

Lesen Sie hier weitere Artikel von Tilmann Galler.

© 2021 Asset Standard
Vorsicht, geheim!
2026 startet mit einem Paukenschlag: Der DAX outperformt den US-Markt, Nachzügler holen auf. Ein erstes Signal, dass der Bullenmarkt an Breite gewinnt. Während viele Anleger weiter auf die großen Tech-Namen setzen, hat sich im Hintergrund längst ein Umschwung vollzogen. Der Fokus verschiebt sich weg von überteuerten KI-Highflyern hin zu soliden Qualitätswerten aus der zweiten Reihe.

Anleger, die jetzt clever agieren, setzen nicht auf das, was war, sondern auf das, was kommt. Unternehmen mit gesunder Bilanz, unterschätztem Potenzial und begrenztem Abwärtsrisiko könnten 2026 zu den großen Gewinnern zählen. Die Gefahr einer schärferen Korrektur bleibt real, gerade für passiv aufgestellte Investoren.

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