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Marius Daheim (Gothaer): Fed wechselt in Inflationsbekämpfungsmodus

Dezember 2021 - Im Berichtsmonat November hat sich das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum und Deutschland, aber auch in den USA, Japan und der Welt insgesamt erneut abgeschwächt. In der Industrie wird die Stimmung weiter durch Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorprodukten, der Verteuerung von Energie und teilweise auch Personalmangel belastet. Personennahe Dienstleister leiden unter sinkenden Kundenzahlen angesichts vielerorts stark steigender COVID Infektionsraten und staatlicher Kontaktbeschränkungsmaßnahmen. Für das Winterhalbjahr zeichnet sich eine wirtschaftliche Schwächephase ab.

Zusätzlich zu den pandemie-induzierten Bremseffekten wird die Konsumneigung durch die hohe und bis zuletzt steigende Teuerung, insbesondere bei Energie, Kraftstoffen und Strom, gedämpft. Zwar wird die Gesamtinflation im Euroraum und Deutschland aufgrund von Basiseffekten zu Jahresbeginn 2022 deutlich nachlassen. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sie aber auf erhöhtem Niveau verharren und auch 2023 nicht nachhaltig auf ihr vor-Pandemie Niveau um 1,5% zurückgehen. Damit steigt die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale.

In den USA hat die Teuerung bei 6,8% ihren höchsten Stand seit 1982 erreicht; gleichzeitig hat sich das Tempo der Lohnsteigerungen im November auf 4,8% ggü. Vorjahr erhöht. Die Fed hat angesichts dessen ihre bisherige Zurückhaltung auf-gegeben und in den Inflationsbekämpfungsmodus umgeschaltet. Um einer Entankerung der Inflationserwartungen frühzeitig entgegenzutreten, stellen die US-Währungshüter für 2022 drei Leitzinserhöhungen in Aussicht. Die EZB ist angesichts des bisher (noch) schwachen Lohndrucks in einer etwas komfortableren Position, hält bisher an ihrer Einschätzung der Inflation als "temporär" fest und hat bei ihrer Ratssitzung am 16. Dezember lediglich eine graduelle Anpassung beim Tempo ihrer Wertpapierkäufe vorgenommen. Leitzinserhöhungen in 2022 werden weiterhin als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet - trotz einer Inflationsprojektion von 3,2% für das kommende Jahr. Die Märkte werden diesen durchaus riskanten geldpolitischen Kurs in den kommenden Monaten sicherlich einem Stresstest unterziehen.

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