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Dr. Eckhard Schulte (MainSky): Kurswechsel der Fed beendet "Sweet Spot" am Aktienmarkt

24.01.2022 - Die 180-Grad-Wende der US-Notenbank Fed hat das bislang sehr positive Aktienmarktumfeld fundamental verändert. Nicht nur, dass eine erste Zinserhöhung in den USA im März gesetzt scheint, durch die von der Fed angestrebte Reduzierung ihrer Bilanz dürfte sich das Chance-Risiko-Profil für Aktien im Jahresverlauf weiter verschlechtern.

2018 straffte die Fed die Geldpolitik mit den gleichen Instrumenten, was zu einer höheren Volatilität und schließlich zu einer Korrektur am Aktienmarkt von 20 Prozent führte. Zwar ist davon auszugehen, dass die Inflation im Verlauf des Jahres wieder deutlich zurückgeht. Allerdings dürfte dies zu langsam geschehen, um zeitnah eine erneute Wende der Fed-Politik hervorzurufen.

Während sich in den vergangenen 18 Monaten die Strategie am Aktienmarkt, bei Schwäche zu kaufen, stets als richtig erwiesen hat, könnte sich gerade bei hoch bewerteten Wachstumsaktien ein Verkaufen bei Stärke als der erfolgreichere Weg für die kommenden Monate herausstellen. In diesem Kontext steigt auch die relative Attraktivität europäischer Aktien, die neben einem stärkeren Value-Fokus und einer niedrigeren Bewertung als ihre US-Pendants von einer Europäischen Zentralbank profitieren dürften, die in ihrem Zinserhöhungskurs der Fed deutlich hinterherlaufen wird.

Wer bislang noch Zweifel an einer geldpolitischen 180-Grad-Wende der US-Notenbank hatte, wurde spätestens mit der Veröffentlichung des Protokolls vom Dezember-Meeting am 5. Januar eines Besseren belehrt. Um ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Inflationsbekämpfung zu stärken, hat sich die Fed von ihrem erst vor einigen Monaten etablierten neuen geldpolitischen Rahmen verabschiedet und den Kapitalmärkten damit ein komplett anderes Umfeld beschert. Die eigentliche Überraschung war für uns nicht nur der deutlich aggressivere Ton in Bezug auf mögliche Zinserhöhungen, sondern auch, dass die Fed gleichzeitig eine Verkürzung der Bilanz in Betracht zieht. Dabei wurde diskutiert, die Reduzierung der Bilanzsumme als Instrument zur Straffung der monetären Bedingungen zu nutzen. Zusammen mit Zinserhöhungen wäre dies ein starkes "monetary tightening". Es ginge sogar über den letzten "Versuch" der Fed zur Straffung der Geldpolitik aus dem Jahr 2018 hinaus, da die Notenbank damals die Bilanzverkürzung auf "Autopilot" stellte und nicht als Variable der Geldpolitik einsetzte. Die Fed sieht sich nach monatelangen Beteuerungen einer nur temporären Inflation nun scheinbar einem zu starken politischen Druck gegenüber, dieses Thema ernsthaft angehen zu müssen. Auch wenn wir erwarten, dass die Inflation im Jahresverlauf wieder deutlich fällt, dürfte dies zunächst so langsam geschehen, dass nicht mit einer zeitnahen Wende von der Wende der Fed auszugehen ist. Eine Zinserhöhung im März scheint gesetzt.

Wiederholt sich 2018?

Für die Aktienmärkte hat sich somit das Umfeld fundamental verändert. Der "Sweet-Spot" der letzten 18 Monate gehört der Vergangenheit an. Im Jahr 2018 straffte die Fed die Geldpolitik mit den gleichen Instrumenten, was zunächst zu einer hohen Volatilität und anschließend zu einer Marktkorrektur von rund 20 Prozent geführt hat.

Positiv ist allerdings in diesem Zyklus anzumerken, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen auch durch das hohe nominale Wirtschaftswachstum in den nächsten Monaten gut unterstützt bleiben sollte, was heute für eine bessere Ausgangssituation als 2018 sorgt. Allerdings verlangsamt sich in den USA das Wachstum allmählich wieder in Richtung Potenzialwachstum von rund zwei Prozent. Schließlich führte die Bilanzreduzierung der Fed im Jahr 2018 zu einem Rückgang der Geldbasis um zehn Prozent und löste damit erst eine starke Verlangsamung des Geldmengenwachstums aus. Heute plant die Fed einen ähnlichen Bilanzabbau, obwohl sich das Wachstum der Geldmenge M2 bereits stark verlangsamt hat.

Wachstumsaktien reduzieren, Europa stärker gewichten

Wenn die monetären Bedingungen der Rhetorik der Fed folgen, wird sich das Chance-Risiko-Profil für Aktien im Laufe des Jahres weiter verschlechtern. Während sich in den vergangenen 18 Monaten die Strategie am Aktienmarkt, bei Schwäche zu kaufen, stets als richtig erwiesen hat, könnte sich deshalb gerade bei hoch bewerteten Wachstumsaktien ein Verkaufen bei Stärke als der erfolgreichere Weg herausstellen. In den nächsten Monaten ist mit einer höheren Volatilität zu rechnen, so dass sich dazu noch Gelegenheiten bieten sollten. Eine direkte Konsequenz der veränderten Fed-Politik ist für uns eine erwartete Fortsetzung der Schwäche von hoch bewerteten Wachstumsaktien aus dem US-Technologiebereich, deren Bewertungen allein durch die steigenden Zinsen weiter steigen, weil der Wert ihrer zukünftigen Gewinne fällt. Unsere langfristige Sicht auf den Technologiesektor bleibt zwar aus strukturellen Gründen unverändert positiv. Im aktuellen geldpolitischen Umfeld könnte für Anleger allerdings eine Reduzierung dieses Anteils in ihren Portfolios ratsam sein. In diesem Kontext steigt auch die Attraktivität europäischer Aktien, die neben einem stärkeren Value-Fokus und der niedrigeren Bewertung als ihre US-Pendants von einer Europäischen Zentralbank profitieren dürften, die in ihrem Zinserhöhungskurs der Fed deutlich hinterherlaufen wird. Zudem hat China die Geldpolitik zuletzt erneut etwas gelockert, ebenfalls ein Umstand, der den europäischen Märkten mit der hohen China-Abhängigkeit zugutekommt.

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