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Felix Herrmann (ARAMEA): Krisen-Hopping

04.04.2022 - Am 24. Februar verkündete eine sichtlich entsetzte deutsche Außenministerin: "Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht." Auch der berühmte Autor und Politikwissenschaftler Francis Fukuyama sieht durch die Geschehnisse in der Ukraine nun endgültig "das Ende des Endes der Geschichte" gekommen. Viele erkennen wohl zurecht zumindest das Ende jener Ordnung, in der wir seit der Beendigung des Kalten Krieges im Jahr 1991 gelebt haben. Mit dem Konflikt in der Ukraine widerfährt uns die nächste und im Vergleich mit der Corona-Krise längerfristig womöglich noch viel folgenreichere Krise.

Der Krieg stellt für die Weltwirtschaft und ganz besonders für Europa einen bedeutenden stagflationären Schock dar, der bei einem ungünstigen Verlauf des Krieges sogar zweistellige Inflationsraten in Deutschland und Europa sowie gleichzeitig einen erheblichen negativen Wachstumsimpuls zur Folge haben könnte. Eine Phase der Stagnation könnte jedoch dank des unterliegenden starken "Post-Corona-Wachstums" auch in Europa eine zeitlich überschaubare Episode bleiben - hier reden wir jedoch zugegeben über ein günstiges Szenario.

Der Maßstab, wonach politische Börsen dazu tendieren, auf kurzen Beinen daherzukommen, sollte bei der aktuellen Krise derweil mit Vorsicht angelegt werden. Gerade die Auswirkungen der Krise auf die Energieversorgung hier bei uns in Europa werden einschneidend sein, weil sie nahezu alle Bereiche der Wirtschaft betreffen werden. Dennoch sollte die fast zynisch zu nennende Fähigkeit des Finanzmarktes, tektonische Plattenverschiebungen erstaunlich rasch abzuhaken, nicht unterschätzt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass bereits bei einer Stabilisierung der Situation in der Ukraine - ganz gleich auf welch menschlich schwer zu ertragendem Niveau - eine Gewöhnung an den Krieg unter den Anlegern erkennbar wird und eine Re-Fokussierung auf andere Themen einsetzt. Das zweite Quartal 2022 dürfte angesichts weiterhin stark erhöhter Energiepreise sowie Inflationsraten bei starker makroökonomischer Unsicherheit aber selbst bei abklingenden Stagflationsängsten ebenfalls ein volatiles werden.

Lesen Sie mehr im ARAMEA Quaterly Q 02/2022 "Krisen Hopping".


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