03.06.2022
Makroökonomisches UmfeldRealwirtschaftliche Situation:
Die globale realwirtschaftliche Entwicklung im Mai war maßgeblich durch die anhaltenden Auswirkungen Chinas Zero Covid Strategie auf das globale Wirtschaftswachstum geprägt. Während die strengen Lockdown-Maßnahmen zu Beginn der Corona-Pandemie China erlaubten, bereits Mitte 2020 die Wirtschaftsleistung vor Beginn der Pandemie zu erreichen, hindern die strengen Maßnahmen bei der weniger tödlichen, aber ansteckenderen Omikron-Variante die wirtschaftliche Entwicklung relativ zur westlichen Welt. Dies zeigt sich beispielsweise in einem Rekord-Rückgang von Autoverkäufen von knapp -50% verglichen zum Vorjahr, dem deutlichsten Rückgang des China Composite PMI auf ein Niveau von 37,2 seit Beginn der Pandemie und einem Rückgang der Industrieproduktion von -7% verglichen zum Vormonat. Die Restriktionen der Zero-Covid Strategie betreffen circa 50% der chinesischen Provinzen und damit circa 75% der nationaler Wirtschaftsleistung.
Die Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung lassen sich über unsere Indizes messen: der langfriste und mittelfriste Trend ist auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise - gegenwärtig ist auch noch keine Verlangsamung der negativen Trendentwicklung zu beobachten.
In den anderen Regionen hat sich die ökonomische Situation nur geringfügig verändert. Der Häusermarkt in den USA ist trotz der steigenden Finanzierungskosten aufgrund geringen Leerstands stabil. Seit knapp einem halben Jahr liegt die Anzahl der Baubeginne stabil über 1,7 Mio. und die Anzahl der Bauanträge konstant über 1,8 Mio. Die Industrieproduktion lag im April +1,1% über ihrem Märzniveau und die Einzelhandelsumsätze steigen um +8,2% verglich zum Vorjahr trotz weiter niedrigem Konsumentenvertrauen. In der Eurozone gingen die Einzelhandelsumsätze leicht zurück, die Umfragewerte im Dienstleistungssektor haben sich leicht verbessert bei einem leichten Rückgang der Stimmung im verarbeitenden Gewerbe. Wir bleiben global in einem "Herbst/Winter"-Szenario.
Monetäre Situation:
Mit Ausnahme von China sind die globalen Inflationsraten weiter auf sehr hohen Niveaus. In Nordamerika und der Eurozone haben sich die Inflationsraten bei 7%- 8% stabilisiert, wohingegen in UK die Inflationsrate von 7% auf 9% deutlich angestiegen ist.
Während sich in den USA die Lieferengpässe langsam lockern, steigern höhere Wohnkosten und steigende Kosten für Dienstleistungen im Beförderungssektor das Preisniveau. Der Arbeitsmarkt weist weiter eine Rekordzahl offener Stellen und hohe Kündigungsraten auf. Das Lohnwachstum bzw. die Lohnkosten stiegen um mehr als +5% relativ zum Vorjahr. Bei diesen Arbeitsmarktbedingungen ist eine Normalisierung der Inflationsraten ohne Reduktion der Arbeitsnachfrage schwierig zu erreichen. Dies birgt aber ein erhebliches Rezessionsrisiko. In der Vergangenheit folgte bei Inflationsraten über 4% bei einer Arbeitslosenquote von unter 5% immer eine Rezession innerhalb der nächsten zwei Jahre in den USA.
Zusammenfassend sind die ökonomischen Aussichten weiter deutlich eingetrübt bei einem strafferen monetären Umfeld. Zusätzlich deuten sich aktuell noch keine Lösungen bzw. Verbesserungen bei den großen globalen Themen (Ukraine-Krieg, China, Inflation) ab.
MarktentwicklungenIm Mai haben sich alle Assetklassen seitwärts bewegt. Aufgrund von gestiegenen Wachstumssorgen durch den anhaltenden Lockdown in China gab der Aktienmarkt bis Mitte des Monats global im Schnitt circa -5% nach, konnte den Monat aber mit +0,6% noch leicht positiv abschließen. Die regionalen Unterschiede waren relativ gering und verdeutlichen, dass globale realwirtschaftliche Faktoren gegenwärtig die maßgeblichen Treiber an den Märkten sind. Der EURO STOXX 50 Index wies mit +2,8% die beste Performance auf, wobei der australische SPI 200 Index mit -1,5% am deutlichsten nachgab. Die globalen Anleihenmärkte bewegten sich seitwärts und nur australische Staatsanleihen verzeichneten mit -1,7% einen deutlichen Verlust. Während Industriemetalle aufgrund schwächerer Wirtschaftsaussichten um -7% gefallen sind, sind Energiepreise aufgrund der geopolitischen Situation weiter deutlich gestiegen. Edelmetalle waren mit -4% negativ. In der Summe konnten wir leicht positive Performance-Beiträge aus Aktien und Währungen bei leicht negativen Beiträgen aus Anleihen und Rohstoffen erzielen.
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